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Lauenburg Ingeborg Römisch feiert 100. Geburtstag
Lokales Lauenburg Ingeborg Römisch feiert 100. Geburtstag
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14:51 25.11.2019
Ingeborg Römisch feiert am 26. November 2019 ihren 100. Geburtstag. Die Ratzeburgerin war mit ihrem verstorbenen Mann Friedrich LN-Abonnentin „der ersten Stunde“ und liest die Zeitung noch heute täglich - außer montags. Quelle: Joachim Strunk
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Ratzeburg

Mit hundert Jahren noch im eigenen Haus wohnen, selbst die Einkäufe erledigen und sogar die Steuererklärung machen - das alles schafft die Ratzeburgerin Ingeborg Römisch, die am 26. November 1919 in Kiel zur Welt kam. Nach der Kindheit und Schulzeit in Kiel-Elmschenhagen und in Plön ging sie 1935 als Auszubildende zur Buchhalterin und Einzelhandelskauffrau nach Ratzeburg zu ihrem Onkel, Metzgermeister Max Horst.

An den Wochenenden kochte sie für die ganze Familie und die Metzgereiangestellten. Ein perfektes Steak und ihre in der Familie legendären Rouladen zaubert sie heute noch. An ihre Jugend in Ratzeburg mit Badeausflügen an den Pipersee im Horstschen Auto und Zeltlagern denkt die Jubilarin gern zurück.

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Familie betrieb Edeka-Laden

Mitten in den Kriegswirren lernte Ingeborg den Feldwebel Friedrich Römisch aus Hamburg kennen. Bevor er wieder nach Russland musste, wollten die beiden 1943 in Kiel eigentlich nur das Aufgebot bestellen. Daraus wurde dann aber doch spontan die Hochzeit.

Während Friedrichs Heimaturlauben konnten sich die beiden immer nur übers Wochenende in Berlin treffen, wohin Ingeborg damals mit der Kaiserbahn kaum länger brauchte als heutige Bahnverbindungen. Im Herbst 1945 kam Tochter Gudrun zur Welt, und Friedrich kehrte nach mehreren Russland-Einsätzen heim.

1949 zog die Familie – ein Jahr zuvor war Sohn Klaus-Dieter geboren – aus dem Hause Horst in der Wallstraße in die Lübecker Straße. In der Bahnhofsallee im Grünen Jäger (an der heutigen Bushaltestelle Lübecker Straße) betrieb die Familie einen Edeka-Lebensmittelladen.

LN-Leserin der „ersten Stunde“’

In jener Zeit abonnierte die junge Familie die Lübecker Nachrichten, die im April 1946 erstmals, ab 1947 dann täglich erschien. Gewissermaßen ist Ingeborg Römisch eine „Leserin der ersten Stunde“. Noch heute studiert sie die LN jeden Morgen – „erst mal den Lokalteil und dann den Sport“, erzählt sie.

Ein Schicksalsschlag folgte 1953: Der junge Klaus-Dieter wurde in der Bahnhofsallee von einem Auto überfahren. Im folgenden Jahr kam Sohn Uwe zur Welt, und 1955 zog die Familie in ihr neu gebautes Haus in der Saarlandstraße, wo Ingeborg Römisch heute noch wohnt.

1968 musste das Lebensmittelgeschäft schließen. Bis zu ihrer Rente Anfang der 1980er Jahre arbeitete sie im Büro der Metzgerei Fritz Horst. Damals kümmerte sie sich auch verstärkt um ihren Mann, der zunehmend gesundheitliche Probleme hatte.

In der Zeit zog die Familie Maria und Jörg Heinrich in die Mietwohnung im zweiten Haus ein, die Ingeborg Römisch bis heute tatkräftig im Haushalt unterstützen und ihr ein selbstständiges Leben ermöglichen, indem sie Arbeiten am Haus übernehmen und mit ihr zum Einkaufen fahren.

Aktiver Ruhestand

Nach dem Tod ihres Mannes im September 1989 gestaltete sich Ingeborg Römisch einen aktiven Ruhestand: Auf Reisen mit dem Heimatbund und Geschichtsverein, einer regelmäßigen Kartenspielrunde, Rheumaliga, Tanzgruppe und VHS-Gedächtnistraining.

Seit ihrem 90. Geburtstag lässt Ingeborg Römisch alles etwas ruhiger angehen. Ein Geheimrezept, um im Alter fit zu bleiben, hat sie nicht: „Ich habe immer gegessen, was mir schmeckt, und gehe nur zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht“, sagt sie.

Körperlich hält sie sich mit Beweglichkeitsübungen fit - und geistig durch Zeitunglesen, Nachrichten-, Sport- und Talkshowsendungen. Ihre Tochter Gudrun Schmidt, die seit Jahrzehnten in Baden-Württemberg wohnt, ist beeindruckt von der Lebensleistung ihrer Mutter: „Sie hat wirklich harte Zeiten durchgemacht und dabei immer die Familie zusammengehalten.“

Häufig Besuch von Kindern und Enkeln

Auch heute noch kommen Gudrun und ihr Bruder Uwe Römisch aus Frankfurt nach Ratzeburg, so oft es geht. Enkel Christoph Schmidt erzählt von seinem letzten Besuch im Sommer, als seine Großmutter zusammen mit Sohn Uwe im Fernsehen das Spiel FC Bayern gegen Dortmund angeschaut hat: „Bei jedem Borussia-Tor und bei deren Sieg hat die Omi lauthals gejubelt. Wer das in dem Alter noch kann, hat im Leben vieles richtig gemacht.“

Von hfr