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Lauenburg Raus aus dem Job und ab nach Afrika
Lokales Lauenburg Raus aus dem Job und ab nach Afrika
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21:30 17.12.2017
Autopflege und Reifenservice am Strand. Nicht überall ist eine Werkstatt verfügbar. Und die meisten Arbeiten lernt man auf der Reise allein zu meistern.
Schwarzenbek/Ammersbek

Jahrgangsbester im Medzintechnik-Studium, ein gutbezahlter Job in der Forschung bei einem namhaften Unternehmen – Ulrich Stirnat hatte vieles, von dem andere nur träumen. Doch mit Ende 20 merkte er, dass irgendetwas nicht stimmt. Er entschied sich für eine Auszeit. Inspiriert von Weltenbummler Gunther Holtorf entstand gemeinsam mit seiner Freundin und Afrikafan Lena Wendt die Idee, mit ihrem alten Land Rover namens „Terés“ und einem 40 Jahre alten Dachzelt die Westküste Afrikas hinunter zu reisen. Ein finanzielles Polster aus dem Job und die geringen Lebenshaltungskosten in Afrika, „du lebst da von einem Euro am Tag und das sehr gut“, sollten es möglich machen.

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„Ursprünglich wollten wir mal in sechs Monaten bis Südafrika fahren“, erzählt Ulli. „Dort sind wir aber nie angekommen.“ Bereits im ersten afrikanischen Land, Marokko, habe es ihnen so gut gefallen, dass sie knapp drei Monate dortgeblieben sind. Ein kleiner Job für mindestens Kost und Logie fand sich immer. Vor allem für Ulrich sei das neue eher spontane Leben im Gegensatz zum bisherigen strukturiert durchgeplanten Arbeitsalltag sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Entscheidend sei jedoch gewesen, den Kopf einmal völlig frei zu bekommen. Am Ende waren es 14 Länder und 22 Monate. Und während Ulli einen Großteil seiner Zeit unterm Auto verbrachte, hielt Lena als Journalistin jedes Abenteuer filmisch fest. „Wir sind Grund verschieden und nehmen Dinge und Situationen ganz unterschiedlich war. Ich bin ein Mensch, der am liebsten immer alles vorher genau plant und auch einen gewissen Komfort noch nie unterschritten hat. Ich hatte bereits nach der ersten größeren Panne oder Angesicht einer Buschtoilette zu Anfang die Schnauze voll“, scherzt Ulli.

War früher eine Auszeit von Job häufig eher ein Thema für die Menschen der Altersgruppe 50plus, sind es inzwischen auch immer mehr junge Leute wie Ulli und Lena, die dem gewohnten Rhythmus des Arbeitsalltags zumindest für einen gewissen Zeitraum entfliehen wollen. „Sabbaticals werden in weiten Teilen der Bevölkerung immer beliebter. Mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung und vier von fünf der Generation Y (Geburtsjahrgänge von 1980 bis 2000, Anm. d. Red.) würden gerne Überstunden oder Urlaubstage ansparen können, um dann einmal eine längere Auszeit nehmen zu können“ sagt Prof.

Dr. Ulrich Reinhardt von der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen. Häufig geäußerte Wünsche für die Auszeit seien dann einfach mal Zeit für sich, für Hobbys und Reisen zu haben. „Nur wenige nutzen Sabbaticals, um ihre berufliche Karriere zu fördern“, so Reinhardt. Vielmehr legten die jüngeren Generationen großen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und fordern diese auch deutlicher ein.

Eine Erfahrung die auch Annika Reiß gemacht hat. Sie ließ sich für drei Monate vom Job freistellen. Als Personalleiterin in einer Unternehmensberatung hatte sie ihre Chefs schnell überzeugt. „Ich bin drei Monate gereist, von einem Surfspot zum anderen“, erzählt Annika. Auch wenn die Auszeit ihr gut getan habe, die Rückkehr in den Job sei ihr anfangs ganz schön schwer gefallen.

Eine Rückkehr in seinen alten Job kann sich Ulli hingegen derzeit nicht vorstellen. So kamen er und Lena eigentlich nur zurück, um ihre Wohnung aufzulösen und gleich wieder für einen halbes Jahr nach Marokko zu reisen. Derzeit haben sie mit ihren beiden aus Afrika mitgebrachten Hunden „Fufu“ und „Odylo“ Unterschlupf bei Freunden in einer Ammersbeker Dachgeschosswohnung gefunden.

Dort wird derzeit ihr Filmprojekt koordiniert. Aus dem in 22 Monaten gesammeltem Material soll ein Film in Kinoqualität entstehen.

„Abgefahren – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.“

Ein halbes Jahr Auszeit wollen sich Ulli und Lena nehmen und von Hamburg nach Südafrika fahren. Dort kommen sie nie an. Stattdessen rollen sie in ihrem alten Land Rover „Terés“ knapp zwei Jahre durch Westafrika.

In einem Film wollen beide ihre Erlebnisse nun im Kino präsentieren und dabei das „echte Afrika“ mit seinem offenen und freundlichen Menschen zeigen.

Finanziert werden soll das Projekt zum Teil über Crowdfunding. Mit Beträgen ab fünf Euro kann jeder bei der Realisierung helfen.

Nähere Informationen gibt es unter www.abgefahrenderfilm.de.

 Holger Marohn