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Lauenburg Rehe fressen Groß Grönauer Gärten leer
Lokales Lauenburg Rehe fressen Groß Grönauer Gärten leer
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16:45 26.04.2013
Von Florian Grombein
Erwischt! Dieses Reh hat sich bereits im Garten an Sträuchern und Blumen sattgefressen. In ländlichen Gebieten ist das keine Ausnahme. So zutraulich wie in diesem Jahr sind die Tiere laut Naturexperten nur, weil der lange Winter nicht viel Nahrung bescherte. Quelle: imago
Groß Grönau

Edith und Manfred Windbergs trauten ihren Augen nicht. Als sie im Wohnzimmer auf der Couch saßen, blickten eines Tages vier Rehe schmatzend durch das Fenster. Sie ließen sich Efeu, frische Sträucher und — zum großen Leid der Gartenfreunde — die gerade eingepflanzten Stiefmütterchen schmecken. Egal was die Eheleute derzeit pflanzen: am nächsten Morgen ist der Garten wieder kahl. So niedlich die Zutraulichkeit der scheuen Waldbewohner auch ist: Auf Dauer geht deren Lust ins Geld. Und die Windbergs aus dem Raiffeisenweg sind bei Leibe nicht die einzigen, die in der Nachbarschaft Besuch von Rehen bekommen. Vom ruhigen Feld hinter den Häusern, durch das sich die Grönau schlängelt, kommen die Tiere. Naturexperten erklärten den LN, woher die Zutraulichkeit rührt. Gärtner sagen, wie man sie wieder los wird — sofern man denn will.

„Die Rehe kommen von überall. Sie springen elegant über zwei Meter hohe Hecken“, berichtet Manfred Windbergs mit einem Tonfall, in dem sowohl Faszination als auch Ärger mitschwingen. Seine Ehefrau und er machen derzeit alles, um dem Garten nach dem Winter etwas Farbe zu geben. „Ich habe gerade für 13 Euro Stiefmütterchen gekauft. Heute Morgen war der Kübel absolut kahlgefressen.

Irgendwann geht das schon an die Kosten“, sagt Edith Windbergs verärgert.

Die Spuren der Verwüstung sind überall im Garten zu erkennen. Sträucher und Hecken werden angefressen. Sogar die dicht mit Efeu bewachsene Wand im Garten der der Eheleute ist an großen Stellen kahlgefressen, so dass die Ziegelsteine unschön hervorgucken. „Wir sind Naturfreunde, aber so langsam nervt es. Selbst im Sommer werden die Salate abgefressen“, erklärt sie weiter.

So wie Wildbergs geht es auch anderen Nachbarn: „Ich bin einmal fast umgerannt worden von einem Reh, das sich ertappt fühlte. Das ist Natur pur hier in Groß Grönau“, sagt Agnes Braecker aus dem Wiesengrund. Ihre Tulpen fielen den gefräßigen Rehen ebenfalls zum Opfer. Überwiegend in den Morgenstunden oder am frühen Abend kommen die Rehe. Sie nimmt das gelassen.

Christina Wilbrandt schmerzte der Schaden, den Ricken und Böcke angerichtet haben, deutlich mehr. Sie hatte das Grab ihres kürzlich verstorbenen Mannes auf dem Friedhof der St.-Willehad-Kirche liebevoll mit vielen weißen und blauen Stiefmütterchen bepflanzt. Zwei Tage später waren die bunten Blumenköpfe allesamt abgenagt worden. „Ich war ärgerlich und schockiert“, gesteht die Groß

Grönauerin. Im zweiten Moment beruhigte sie sich und besann sich auf den Naturschutz. „Sie sind ja auch in meinem Garten. Wer kann schon behaupten, dass regelmäßig Rehe durch sein Fenster blicken“, sagt sie dann nicht ohne Stolz.

Friedhofsgärtner Ole Hinz berichtet, dass Rehe seit Jahren den Friedhof bevölkern. Sie rückten den rund 3600 Stiefmütterchen, die er jedes Jahr im Frühling pflanzt, in Scharen zu Leibe. Das Problem mit abgefressenem Grabschmuck hat er allerdings ein für alle Male gelöst. Er verwendet Oscorna Naturdünger. Der halte die Rehe fern. „Rehe sind wahre Feinschmecker. Der Dünger riecht etwas streng und verdirbt ihnen den Appetit. Seitdem ich ihn verwende, haben wir keine Probleme mehr“, erzählt er. Auch den Grabpächtern empfiehlt er, so zu verfahren. Andere Nachbarn berichten von Erfolgen mit Fischmehl oder Guano.

Warum die Rehe in Groß Grönau und andernorts im Augenblick noch mehr in die Gärten kommen als sonst, weiß Naturexperte Thomas Neumann vom WWF in Mölln: „In diesem langen Winter sind Rehe auf der Suche nach Nahrung auch in Gebiete gekommen, die sie sonst meiden“, erklärt er. Zum Beispiel das Efeu in den Gärten, eines der wenigen grünen Pflanzen im Winter, stehe in solchen Zeiten auf dem Speiseplan. „Alles in Allem geht es den Rehen gut. Ich sehe im Moment viele am Waldrand und auf den Feldern. Es war schon richtig, dass nicht gezielt zugefüttert wurde. Im übrigen unterstützt der Winter bekanntlich die natürliche Auslese“, so Neumann.

Ob Rehe im Garten wünschenswert seien, sei eine Frage für Tierschützer, sagt er. Eine eigene Meinung hat er jedoch dazu: „Ich denke, man sollte die Tiere in Notzeiten gewähren lassen. Das ist natürlich eher eine ethische Frage. Schließlich hat der Mensch den Tieren auch Vieles weggenommen.“

Florian Grombein

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