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Lauenburg Richtige Trommeln für noch mehr Freude
Lokales Lauenburg Richtige Trommeln für noch mehr Freude
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07:00 19.12.2019
Auf richtigen Trommeln, anstatt auf Blumentöpfen spielen. Das ist der Weihnachtswunsch der Bewohner der Geesthachter Wohnstätten. Im Hintergrund: Leiter Carsten Grätsch und Pädagogin Ria Hahn.
Auf richtigen Trommeln, anstatt auf Blumentöpfen spielen. Das ist der Weihnachtswunsch der Bewohner der Geesthachter Wohnstätten. Im Hintergrund: Leiter Carsten Grätsch und Pädagogin Ria Hahn. Quelle: Silke Geercken
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Geesthacht

Sie trommeln bereits seit einigen Jahren, zuletzt beim Weihnachtskonzert zusammen mit der Gruppe Godewind in Schwarzenbek, aber ihre Trommeln sind umfunktionierte Blumentöpfe. Deshalb hoffen die Bewohner der Geesthachter Wohnstätten, eine Einrichtung des Lebenshilfewerks Mölln-Hagenow, auf eine Spende aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“. Für rund tausend Euro könnten sie sich richtige Instrumente kaufen.

Zuhause für 65 Bewohner

65 Bewohner zwischen 23 und 80 leben in Einzelzimmern der Wohnlage in der Charlottenburger Straße. Es ist ihr Zuhause, für manche seit vielen Jahren. Die Wohnangebote des Lebenshilfewerks bieten Menschen mit Behinderung ein solches Zuhause: eigene vier Wände, Schutz und Freiheit. Ein selbstbestimmtes Leben. In Geesthacht gibt es insgesamt fünf Häuser, weitere in Mölln und Hagenow. Insgesamt 129 Plätze, dazu kommen die Teilnehmer aus dem ambulant betreuten Wohnungen. Für sie hat das Lebenshilfewerk Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt angemietet. Die Bewohner helfen sich gegenseitig, unterstützt von Fachkräften, bei Bedarf rund um die Uhr.

Hier können Sie spenden

Das Spendenkonto Verwendungszweck:„Hilfe im Advent“

Kontoinhaber: LebenshilfewerkKreis Herzogtum Lauenburggemeinnützige GmbH

IBAN : DE12 2305 2750 0086 0860 30

Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg.

Leiter der Geesthachter Wohnanlage ist Carsten Grätsch. Er war 25 Jahre in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig, seit 14 Jahren leitet er die Einrichtung in Geesthacht. In den vergangenen Jahren hat sich unter den Bewohnern eine Trommelgruppe etabliert. Ein gutes Dutzend Spieler trifft sich wöchentlich, um unter Anleitung Rhythmus und Takt zu üben. Einer von ihnen ist Steven (27). Er wurde mit offenem Rücken geboren, sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl. „Am liebsten würde ich Klavier lernen, aber das ist so teuer, und das Trommeln macht mir auch viel Spaß“, sagt er. Freude und Spaß sind zwei wichtige Faktoren der kleinen Gemeinschaft, die bei geselligen Zusammenkünften, bei Sommerfesten oder Weihnachtsfeiern zeigen, was sie drauf haben. Nicht immer komplett im Takt, aber keinesfalls taktlos – und mit großer Begeisterung, denn der Applaus lässt sie wachsen. „Die Bewohner haben Spaß, ihr Können zu präsentieren. Es gibt ihnen Glücksgefühle und Selbstbestätigung“, sagt Carsten Grätsch. Das Besondere am Trommeln: Es ist barrierefrei, und die Teilnehmer erfahren Wertschätzung.

Trommeln auf Blumentöpfen

„Wir brauchen kein großes Schlagzeug, sondern viele kleine Instrumente, damit viele Bewohner mitmachen können“, so Grätsch. Die Gruppe wünscht sich ein Cajon, drei Bongos, drei Djembes, vier Tambourine, ein Percussion-Set. Der Wert beträgt rund 1000 Euro. Zurzeit spielen die Teilnehmer auf umfunktionierten Blumentöpfen –mit einer Plastikfolie bespann und außen bunt verziert. Mitmachen kann fast jeder Bewohner. Ein spastisch Gelähmter kann rhythmisch rasseln. Wer im Sitzen nur nach vorn und zurück wippen kann, hat Spaß, wenn er im Takt dazu das Tambourin schlägt. „Es geht nicht um Leistungsdruck, sondern Freude“, sagt Pädagogin Ria Hahn. Beim Gespräch in der Wohngruppe wird eines deutlich: Diese körperlich oder geistig behinderten Menschen können ihre Freude zeigen, klagen nicht über ihr Schicksal. Ein Trommel-Set würde ihnen noch mehr Licht in den eingeschränkten Alltag bringen.

Lebenshilfewerk

Die Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gemeinnützige GmbH mit Sitz in Mölln wurde im Jahr 2001 gegründet. Sie ist in drei verschiedenen Tochtergesellschaften operativ tätig: Lebenshilfewerk Kreis Herzogtum Lauenburg, Lebenshilfewerk Hagenow und die Schneiderschere, die integrative Kitas und Kindergärten betreibt, pädagogische Frühförderung oder familienentlastende Dienste anbietet.

Die weiteren Angebote neben diesen (früh)kindlichen sind Arbeit und berufliche Bildung sowie Wohnen und Freizeit.

Beim gesamten Lebenshilfewerk arbeiten 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um aktuell 1600 Menschen mit oder ohne Behinderung (Letztere vor allem in den Inklusionskindergärten) kümmern. Insgesamt liegt die Zahl der Gesamtplätze aller Fachbereiche bei 1900. Die letzten Umsatzzahlen liegen bei 44 Millionen Euro.

44 Millionen Jahresumsatz

Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow und drei Tochterunternehmen begleiten Menschen mit Behinderungen in allen Lebensphasen. 2018 waren 890 Betroffene in den Werkstätten beschäftigt, davon 60 in Tagesförderstätten. Das Unternehmen (620 Mitarbeiter) hat sich zur Aufgabe gemacht, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen, ihre Fähigkeit zu fördern und das Selbstvertrauen zu stützen. Integration und Inklusion wird seit 40 Jahren hier gelebt. Der Jahresumsatz beträgt 44 Millionen Euro.

Von Silke Geercken