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Lauenburg Ruhe in Frieden – aber wo?
Lokales Lauenburg Ruhe in Frieden – aber wo?
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18:51 19.11.2019
Bürgermeister Herbert Schmidt vor der Salemer Kapelle auf der dem See abgewandten Seite. Quelle: Joachim Strunk
Salem

Herbert Schmidt ist nicht der Erste und Einzige, der sich Gedanken über Leben und Tod, über Sterben und Beerdigung macht. Allerdings nicht primär aus persönlicher, sondern hier eher aus organisatorischer und bürgermeisterlicher Sicht und Pflicht.

„Wir haben knapp 500 Einwohner in Salem – unser Ortsteil Dargow mit 130 Einwohnern gehört zur Kirchengemeinde Mustin/Seedorf. Von dem knappen Dutzend Salemern, die in den vergangenen 13 Monaten gestorben sind, hat sich nicht einer in Salem beerdigen lassen“, erzählt er.

Nicht ganz so weise Voraussicht

Salem hat ein kleines idyllische Gotteshaus, eine Kapelle auf einem einstmals von Landwirten der Gegend aufgeschütteten Hügel, dem Kapellenberg. Rundherum ist genügend Platz für Grabstellen, damals vor allem für die Familien jener Bauern vorgemerkt. In den 1970er Jahren hatte man in wohl nicht ganz so weiser Voraussicht noch mehr Land von der kommunalen Gemeinde bekommen, um den Anforderungen gewappnet zu sein.

Sterleys Pastor Andreas Wegenhorst vor seiner St. Johannis-Kirche mit dem umliegenden Friedhof. Quelle: Joachim Strunk

Das hatten damals viele Städte und Gemeinden getan – und stehen jetzt vor großen Problemen. Denn die Sterbekultur hat sich gewandelt. Viele Menschen wollen gar nicht mehr auf kirchlichen Friedhöfen beerdigt werden.

Generationenvertrag gilt nicht mehr

Grund 1: Immer mehr Menschen sind aus den Kirchen ausgetreten – aus (Nicht-)Glaubensgründen oder finanziellen Erwägungen (Steuerersparnisse). Grund 2: Viele Menschen bevorzugen Bestattungen in Ruheforsten (wie bei Schmilau) oder auf hoher (Ost-)See.

23. Salemer Dialog

Der 23. Salemer Dialog beschäftigt sich am Totensonntag (24.11., 16-18 Uhr) im Salemer Dorfgemeinschaftshaus mit dem Thema „Zukunft der Friedhöfe“. Gäste sind die Ratzeburger Pröpstin Frauke Eiben, der Sterleyer Pastor und Vorsitzender des Kirchengemeinderates Andreas Wegenhorst, Barbara Leisner, Trauerkultur der Zukunft aus Hamburg, sowie Edelgard Liedtke, Palliativ-Care in Ratzeburg. Moderation: Gabriele Heise, Annette Andresen und Herbert Schmidt.

Problem für die Kirchen – und die Gemeinden: Die bisherigen Friedhöfe lassen sich kaum noch wirtschaftlich betreiben. Andreas Wegenhorst, Pastor der Kirchengemeinde Sterley und Vorsitzender des Kirchengemeinderates: „Leider haben es Friedhöfe in unserer Zeit nicht leicht. Der ungeschriebene Generationenvertrag, der sie früher trug, gilt nicht mehr. Die Beisetzungen, die heute stattfinden, reichen zur Deckung der Friedhofskosten – also auch der Folgekosten der Beisetzungen – immer seltener aus“.

Kooperation von Kirche und Kommune

Um trotzdem den Erhalt eines so kleinen Friedhofs wie in Salem zu sichern, hätten Kirchengemeinde und Kommune schon 1973 einen Vertrag über das Grundeigentum auf dem Kapellenberg abgeschlossen. Für den einen Teil sei die Kirche, den anderen die Gemeinde zuständig. „Außerdem haben beide vertraglich vereinbarte Pflichten auf dem Friedhof übernommen: die Kirchengemeinde den Friedhofsbetrieb (Ausheben und Schließen von Grabstellen, Angebot der Grabpflege, Personalausstattung, Buchführung), die Kommune sorgt für die Pflege der Rasenflächen, der Beete und Wege (inklusive Winterdienst)“.

Für die Kapellengemeinde Salem, die zur Kirchengemeinde Sterley gehört, ist das schwierig. Bürgermeister Schmidt: „Diese Fürsorge ist eine finanzielle Belastung. Nicht nur für die Hinterbliebenen – auch Gemeinde und Kirche geraten in Zeiten schrumpfender Kirchensteuern in die roten Zahlen“.

Preisschraube ins Absurde

Wobei das Thema Kirchensteuern hier außen vor ist, so Bernd K. Jacob, Friedhofsbeauftragter des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg: „Die Friedhöfe an sich haben mit der Kirchensteuer nichts zu tun. Die kirchlichen Friedhöfe sind ganz und gar auf ihren Gebührenhaushalt gestellt und müssen damit auch versuchen, zurechtzukommen.“

Die Krux sei, dass die Bestattungszahlen sänken, die Kosten stiegen und damit auch die Gebühren, „da sich die Preisschraube ins Absurde drehen würde. Das Problem sehen wir bei fast allen unseren Friedhöfen, mal dramatischer, mal schleichender“.

Tod und Abschied in Tabu-Ecke

Der Wettbewerb sei ein Faktor dabei. Aber auch die Thematisierung und Bindung der Menschen an die Themen „Tod, Abschied und Erinnerung“ als familiäre Ereignisse würden in eine Tabu-Ecke gedrängt und von der Kirche nicht ausreichend behandelt, so Jacob.

Die Kirche müsse „offener mit dem Thema umgehen und das Angebot viel klarer kommunizieren“. Das Spektrum von Seelsorge über Trauerbegleitung bis Aussegnung zuhause, Erinnerung und Hoffnung geben sei vielfältig und gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit attraktiv. 

Im Herzogtum Lauenburg gibt es derzeit 45 Friedhöfe in kirchlicher Trägerschaft. In Lübeck nochmals vier. „Damit können wir uns selbstbewusst dem Wettbewerb stellen“, so Jacob. „Und gerade auch die kleinen Kirchhöfe sollten in Zukunft ihre Charakteristika prägen und präsentieren können.“

Von Joachim Strunk

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