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Lauenburg Sterben die kleineren Friedhöfe?
Lokales Lauenburg Sterben die kleineren Friedhöfe?
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14:39 25.11.2019
Großer Besucherandrang beim 23. Salemer Dialog: „Ruhe in Frieden – aber wo?“ Quelle: Thomas Biller
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Salem

Friedhöfe kosten Geld. Die Kommunen sind verpflichtet, Möglichkeiten für die letzte Ruhe bereitzustellen. Vielerorts übernimmt die Kirche Trägerschaften für den Friedhof und vielerorts übersteigen die Kosten die Einnahmen. In Salem wurde die Dialogreihe genutzt, um Wege aus der Krise zu diskutieren.

„Diese Krise ist nicht überraschend“, sagte Bernd K. Jacob, „ohne das Ehrenamt funktionieren auch unsere kirchlichen Friedhöfe heute schon nicht mehr“. Der Friedhofsbeauftragte des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Lübeck – Lauenburg hatte für die verhinderte Pröpstin Frauke Eiben auf dem Podium Platz genommen. Mit ihm diskutierten Andreas Wegenhorst, Pastor Sterley und Salem, Edelgard Liedtke, Palliativ-Care Ratzeburg und Dr. Barbara Leisner von der Trauerkultur der Zukunft aus Hamburg über die Entwicklung der Bestattungskultur. Mit „Krise“ meinte Jacob, dass sich die kirchlichen Friedhofsverwaltungen allein durch Gebühren finanzieren müssen. Das sei angesichts der alternativen Möglichkeiten der letzten Ruhe für kleinere kirchgemeindlichen Friedhöfe kaum noch möglich. „Kommunale Stellen haben da etwas andere Stellschrauben“, so Jacob. Doch genau an diesen „Stellschrauben“ möchten die Gemeinden möglichst nicht drehen. Salems Bürgermeister Herbert Schmidt wurde deutlich und sagte offen, dass auch dieser jüngste Salemer Dialog dazu diene, dass sich Menschen bei der Wahl ihrer Ruhestätte noch um-entschließen und sich für den örtlichen Friedhof entscheiden. Einige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der umliegenden Gemeinden teilen offensichtlich die Sorge um die Kostenentwicklung der Friedhöfe und informierten sich ebenfalls bei der Veranstaltung.

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Eigene Vorstellungen für „die Zeit danach“

Insgesamt interessierten sich gut 80 Gäste am Toten- oder auch Ewigkeitssonntag für das Thema der letzten Zukunftsplanung.

„Die Kultur hat sich gewandelt, die Menschen haben sich verändert“, erklärte Dr. Leisner die heutige Vielfalt an Wünschen für die letzte Ruhestätte. Durch die AIDS-bedingten Todesfälle seit den frühen 90er Jahren seien immer mehr jüngere Menschen gestorben, die eigene Vorstellungen für „die Zeit danach“ entwickelt hätten. „Die Menschen wollen das anders und sind immer individualistischer. Sie möchten ihre Asche verstreut wissen, zu einem Diamanten gepresst werden oder ohne Sarg in der Natur aufgehen“, so Dr. Leisner.

Neue Konzepte gefragt

Um die bestehenden Friedhöfe mit vertretbaren Kosten aufrecht erhalten zu können, sind neue Konzepte und auch Satzungsanpassungen mögliche Wege. „Wir können gemeinsam darüber nachdenken, neue Grabpflegeformen in die Satzungen aufzunehmen“, so Herbert Schmidt. Viele Menschen möchten ihren Angehörigen dauerhaft die Grabpflege erleichtern oder gänzlich ersparen. Friedhöfe könnten, dort, wo es möglich ist, mehr parkähnlichen Charakter erhalten und neue Konzepte aufnehmen. „Ein Friedhof kann, wenn er von der Gestaltung dazu einlädt, auch ein Garten Gottes sein“, meinte Barbara Leisner, die Friedhöfe auch als Ort von Kultur empfindet: „Friedhöfe sind auch ein Lernort für Kinder; sie sollten für die Gemeinschaft erhalten werden“.

Fortbestand Jahrzehnte gesichert

Tatsächlich suchten nicht wenige Besucher des Salemer Dialogs nach einer verlässlichen Aussage zur Zukunft des örtlichen Friedhofes. Diese kam von Pastor Andreas Wegenhorst: „Der Glaube an die Schöpfung und die Auferstehungsbotschaft stehen in jeder Friedhofssatzung. Unser Kern ist nicht an den Leib gebunden. Bevor ein Friedhof entwidmet wird, müssen alle Grabverträge abgelaufen sein und es wird auch Rücksicht genommen, wenn Ehepartner noch nebeneinanderliegen möchten.“ Mit dieser Aussage ist der Fortbestand des Friedhofes in Salem zumindest für die kommenden 20 bis 30 Jahre gesichert.

Von Thomas Biller