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17:58 20.11.2018
Die Scherer-Bünting Orgel hat Mölln verlassen. Erik Winkel (v. l.), Michel Lagrand von der Firma Flentrop und Hartmut Ledeboer vom Orgelbauverein tragen eine der größten Orgelpfeifen aus der Kirche. Quelle: FOTO: Grombein
Mölln

Der Blick hoch zur Orgel verstört. Der Scherer-Bünting Orgel in der Möllner Nicolaikirche fehlen die Pfeifen. Drei Männer tragen unten im Kirchenschiff gerade eine der großen zwischen 20 und 30 Kilogramm schweren, hohlen Metallröhren raus zu einem Transporter mit holländischem Kennzeichen. Die zweieinhalb Jahre dauernde Sanierung bei der Firma Flentrop im holländischen Zaandam wird 1,7 Millionen Euro kosten. Für diese lange Zeit wird die Kirchengemeinde ohne den Klang einer der ältesten Orgeln der Welt auskommen müssen.

„Das wird eine harte Zeit. Ich muss mit einer Truhenorgel mit drei Registern auskommen“, sagt Thimo Neumann, Kantor in St. Nicolai. Sie sei wesentlich leiser. Außerdem gebe es noch ein E-Piano und ein Harmonium. „Alles andere muss der Chor ausgleichen“, sagt Neumann und lacht. Nachdem am 25. September feierlich die erste Pfeife der Möllner Scherer-Bünting-Orgel ausgebaut worden ist, sind jetzt die letzten noch in Mölln verbliebenen Pfeifen aus dem Prinzipalregister des Pedals mit einem speziellen Laster abgeholt und in die Werkstatt der Firma Flentrop in den Niederlanden geschafft worden.

Orgel ist weltweit einzigartig

Seit Bau der Orgelim 15. Jahrhundert wurden diverse Erweiterungen, Umbauten und Restaurierungen vorgenommen. Die wichtigsten im Zeitraum 1555 bis 1558 durch Jacob Scherer und von 1754 bis 1766 durch Christoph Julius Bünting. Von Jacob Scherer, dem Stammvater der gleichnamigen Orgelbauerdynastie, verfügt Mölln über mehrere fast komplette Register. Das ist weltweit einzigartig. „Mich begeistert die enorme Klangvielfalt dieser Orgel, in der so viele musikalische Epochen harmonisch zusammen klingen“, sagt Hartmut Ledeboer, Vorsitzender des Möllner-Orgelbau.

Beteiligt an den Kosten sind mit 600 000 Euro der Bund und mit 300 000 Euro das Land Schleswig-Holstein. Die Stadt Mölln hat 100 000 Euro beigesteuert und der Kirchenkreis 150 000 Euro. Weiterhin gab es Einnahmen aus Spenden von über 292 000 Euro durch das Engagement des Orgelbauvereins.

Pfeifen sind zu groß für den Fahrstuhl

„Aufgrund ihrer Größe sind diese kostbaren Pfeifen noch in der St. Nicolaikirche eingelagert gewesen“, erklärt Hartmut Ledeboer, Vorsitzender des Möllner-Orgelbauvereins. Da die Pfeifen für den Transport im Fahrstuhl zu groß sind, müssen sie per Hand über die Brüstung zum Marktplatz hinuntergereicht werden. Dabei packten wieder Mitglieder des Orgelbauvereins St. Nicolai mit an, die auch schon in den ersten Wochen die Arbeiten der Orgelbauer tatkräftig unterstützt hatten. Damit ist dann die Phase des Abbaus der Orgel abgeschlossen. Während in der Werkstatt bereits die genauen Untersuchungen des übrigen historischen Pfeifenwerks laufen, sucht der Orgelbauverein für diese Pfeifen weiterhin Paten, um mit deren Spenden die noch fehlende Lücke in der Finanzierung der Restaurierung zu schließen. Ziel der Restaurierung ist eine handwerklich meisterhafte Ausführung in Anlehnung an das historische Konzept C. J. Büntings. Mit der Firma Flentrop konnte eine traditionsreiche Orgelbaufirma verpflichtet werden, die bereits an St. Jakobi in Lübeck (2013) und in der Katharinenkirche in Hamburg (2009 – 2013) tätig war.

Die Scherer-Bünting Orgel hat Mölln verlassen. Erst im März 2021 soll das Instrument aus dem 14. Jahrhundert wieder zurück nach Mölln kommen.

Finanzierungslücke von250 000 Euro

„Von den 1,7 Millionen Euro fehlen noch etwa 15 Prozent, die von zukünftig einlaufenden Spenden abgelöst werden sollen“, erklärt Ledeboer. „Die Lücke auf der Empore wird uns daran erinnern, dass nicht nur baulich noch einiges vor ihrer Rückkehr zu tun ist, sondern wir auch noch Hilfe von weiteren privaten Stiftungen und Personen benötigen“, sagt Pastor Matthias Lage. Die Finanzlücke von 250 000 Euro müsse geschlossen werden. „Wir werden unsere Orgel vermissen und freuen uns dann um so mehr, wenn sie neu erklingen wird“, so Lage. Stichtag für die Rückkehr soll der 21. März 2021 sein. Bei der Möllner Scherer-Bünting-OrgeI handelt es sich um eine der wertvollsten Orgeln mit Pfeifen, die sogar zu den ältesten weltweit gehören. Manche der 2731 Pfeifen stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert.

Florian Grombein

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