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Lauenburg Sanierung der Schwarzenbeker Realschule kostet Millionen
Lokales Lauenburg Sanierung der Schwarzenbeker Realschule kostet Millionen
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13:27 27.06.2019
Die Realschule in Schwarzenbek ist ab 1963 in mehreren Bauabschnitten entstanden. Seit dem Umzug der Schule in das sanierte Gymnasium steht der Komplex weitgehend leer. Um das Gebäude wieder nutzen zu können, sind erhebliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Quelle: Holger Marohn
Schwarzenbek

 Seit fast zehn Jahren steht die alte Realschule Schwarzenbek leer. Damals zog die in Grund- und Gemeinschaftsschule umbenannte Bildungseinrichtung in das sanierte Gebäude des alten Gymnasiums um. Für eine weitere Nutzung des alten Realschulgebäudes liegen nun die Fakten auf dem Tisch.

Etwa 6,1 Millionen Euro würde eine Sanierung des über 50 Jahre alten Gebäudekomplexes aus den 60er Jahren kosten. Das rechnete der Aumühler Architekt Karl-Arnim Samsz den Kommunalpolitikern jetzt im Sonderausschuss vor. Mit inbegriffen wäre dabei der Umbau der Räumlichkeiten für eine Nutzung für die Stadtbücherei, die Volkshochschule, die Förderschule und Teile der Stadtverwaltung.

Mit 3100 Quadratmetern würde insgesamt allerdings nicht ganz so viel Platz zur Verfügung stehen, wie von den Nutzern gewünscht. Noch nicht kalkuliert sind in der Berechnung die durch die Nutzungsänderung möglicherweise erforderlichen Stellplätze.

Die Realschule

7. April 1959 – Die Stadtvertretung beschließt die Umwandlung des Aufbauzuges zur Mittelschule (später Realschule).

17. März 1961 – Die ersten Schulabgänger der Mittelschule werden entlassen.

4. Mai 1963 – Die Grundsteinlegung für den Bau einer Mittelschule (später: Realschule) erfolgt.

23. Oktober 1965 – Der erste Bauabschnitt der Mittelschule wird eingeweiht.

1. Januar 1966 – Die „Mittelschule“ heißt jetzt „Realschule“.

Sommer 2009 – Aus der Realschule wird auf Geheiß der Landesregierung zusammen mit der Compeschule eine Grund- und Gemeinschaftsschule.

September 2010 – Die Grund- und Gemeinschaftsschule zieht mit ihrem Gemeinschaftsschulteil von der alten Realschule in das für neun Millionen Euro sanierte Gymnasium um. Die alte Realschule steht leer.

2013 – Es gibt erste Ideen zur Folgenutzung der Realschule als Bildungszentrum für Stadtbücherei, Volkshochschule und Förderschule. Die Sanierungskosten werden auf 5,3 Millionen Euro geschätzt, die Kosten für einen Neubau auf 9,2 Millionen Euro.

2014 – Ein Anbau der Realschule, der sogenannte Pavillon, wird zur Kita umgebaut.

2015 – Die Realschule wird zur Flüchtlingsunterkunft für 130 Menschen umgebaut. Aus geschätzten Umbaukosten von 300000 Euro werden 1,4 Millionen Euro. Ein Flüchtling zieht dort nie ein.

Die Kosten für die leer stehende Realschule betragen pro Jahr etwa 70 000 Euro.

Neben den Umbauten würde das Gebäude energetisch saniert und Fahrstühle für eine Barrierefreiheit eingebaut werden. Aufgrund der erforderlichen Schadstoffsanierung müsste die im Pavillon-Trakt untergebrachte Kita während der Bauphase geschlossen oder umgesiedelt werden.

Das alles kostet allerdings nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Zeit. Allein bis zu einer endgültigen Entscheidung der politischen Gremien und die möglicherweise europaweite Ausschreibung der Fachplanungsleistungen würden nach Samsz’ Schätzung zwölf Monate ins Land gehen. Hinzu kommt die eigentliche Planungszeit für die Fachdisziplinen von der Haustechnik bis zum Statiker von etwa sechs Monaten sowie weitere zwölf Monate für die abschließenden Abstimmungen mit den Nutzern, die Kostenberechnungen und den Bauantrag.

Die Realschule in Schwarzenbek ist ab 1963 in mehreren Bauabschnitten entstanden. Seit dem Umzug der Schule in das sanierte Gymnasium steht der Komplex weitgehend leer. Um das Gebäude wieder nutzen zu können, sind erhebliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Quelle: Holger Marohn

Auf die Baugenehmigung werde man dann etwa drei bis vier Monate warten müssen und anschließend weitere sechs Monate für die Ausschreibung und Vergabe benötigen. Die reine Bauzeit schätzt Samsz auf ein Jahr, so dass das Gebäude frühestens in knapp vier Jahren zur Verfügung stehen würde.

Zahlen „relativ schockierend“

Auf eine vorangegangene Anregung der Politiker hatte der Planer auch einen kompletten und auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnittenen Neubau kalkuliert. Dieser wäre dann 4500 Quadratmetern Fläche um fast 50 Prozent größer. Er würde mit voraussichtlich 11,2 Millionen Euro allerdings auch deutlich teurer.

Heinz-Werner Rose (SPD) bezeichnete die Zahlen als „relativ schockierend“ und erbat sich und seiner Fraktion Bedenkzeit. Hans-Jürgen Stribrny (CDU) hingegen zeigte sich weniger überrascht. Er regte an, zumindest einmal drüber nachzudenken, das Grundstück an einen Investor zu geben und entwickeln zu lassen. Von diesem könne die Stadt die benötigten Räumlichkeiten dann zurückmieten. In einer früheren Diskussion hatte Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig den Wert des Grundstückes einmal mit 1,4 Millionen Euro beziffert.

Mit dem Umzug des Gymnasiums Schwarzenbek von der Berliner Straße in den Neubau an der Buschkoppel hatte in Schwarzenbek ein großer Verschiebebahnhof eingesetzt. Quelle: Holger Marohn

Eine Investoren-Idee, der Helmut Stolze überhaupt nichts abgewinnen mochte. „Die Politik hat eigentlich alles Tafelsilber verkauft, was die Stadt mal gehabt hat“, warnte Stolze. „Das letzte Schmuckstück der Stadt nun auch noch in fremde Hände zu geben, halte ich für nicht gut“. Auch Rüdiger Jekubik (SPD) schloss sich Stolzes Meinung an und verwies auf die bereits 2014 erstellte Machbarkeitsstudie. Diese habe ähnliche Ergebnisse gebracht, wie die aktuell vorliegende Ausarbeitung.

Fehlende Funktionsabläufe

Ausschussvorsitzender Oliver Panak (Grüne) bekräftige die aktuelle Pläne. „Wenn es eine sinnvolle Nutzung gibt, dann ist es das, was hier jetzt vorgestellt wurde“, so Panak. Matthias Schirmacher (Grüne) äußerte Bedenken gegen eine Sanierung des vorhandenen Gebäudes. „Wir verschenken da einfach viel Platz, wenn wir da jetzt rumsanieren.“ Wenn man alles abreißen würde und ein effektives Gebäude mit den benötigten 4500 Quadratmetern neu konzipieren würde, wäre „noch irre viel Grundstücksfläche übrig“.

Bis 2006 waren Realschule und Gymnasium in direkter Nachbarschaft. Dann begann der Verschiebebahnhof. Quelle: Holger Marohn

Stribrny verwies auf fehlende Funktionsabläufe für die künftige Nutzung bei einer Sanierung. „Dieses gesamte Grundstück ist so etwas von verbaut. Wir stoßen an jeder Ecke irgendwo an Kinken.“ Alles seien hier Provisorien und keine durchdachten auf Zukunft gedachte Lösungen. Außerdem gebe es dort noch die Kindertagesstätte.

Der CDU-Politiker forderte, das Grundstück „schier“ herzustellen, und dann ein durchdachtes Konzept einschließlich möglicher Tiefgaragenstellplätze zu entwickeln. Die Idee mit dem Investor sei für ihn dabei nicht in Stein gemeißelt, sondern nur eine mögliche Variante gewesen.

Entscheidung nach den Sommerferien

Jekubik verwies auf die Zeitschiene und die Zusagen an die Förderschule Centa-Wulf, nach einem Jahr Übergangslösung für das Schuljahr 2020/21 eine vernünftige Bleibe gefunden zu haben. Vor vier oder fünf Jahren werden in ein Gebäude auf dem Realschulgelände niemand einziehen.

Die Sommerpause wollen die Fraktionen nun nutzen, um weiter über das Thema und die vorgestellten Varianten zu beraten. Ende August trifft sich dann erneut der Sonderausschuss.

Hier gibt es mehr Informationen zu dem Thema Realschule:

Oktober 2013: Zukunft der leerstehenden Realschule weiter ungewiss

November 2013: Schwarzenbek behält die Realschule – vorerst

November 2014: Realschule Schwarzenbek Gutachten ist fertig

Januar 2015: Schwarzenbek hat endlich eine Vision für die Realschule

Mai 2015: Die unendliche Geschichte der Realschule

Juni 2015: Schwarzenbek wirbt um Mieter für die alte Realschule

August 2016: Realschule fertig: aber keine Flüchtlinge da

Januar 2019: Schulen in Schwarzenbek im Umzugsstress

Holger Marohn

Die Wirtschaftliche Vereinigung Schwarzenbek lädt vom 27. bis 29. Juni auf den alten Marktplatz ein.

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