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Lauenburg Der vierte Riss – Lauenburgische Schafhalter in Sorge
Lokales Lauenburg Der vierte Riss – Lauenburgische Schafhalter in Sorge
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19:05 23.04.2019
Mutmaßlich ein Wolf hat im Bereich zwischen Kühsen, Duvensee, Klinkrade (Foto) und Groß Boden etliche Schafe und Lämmer gerissen. Der Räuber entwickelt sich zur Bedrohung für Schafe. Quelle: Timo Jann
Klinkrade/Kühsen

 Hat erneut ein Wolf – vermutlich ein Einzelgänger, der auf seiner Durchreise aufgrund des guten Nahrungsangebots im lauenburgischen Nordkreis hängen geblieben ist – zugeschlagen? Nach ersten Rissen in Duvensee am vorletzten Sonntag und in Groß Boden am Dienstag danach hat er womöglich zu Ostern zehn Lämmer in Kühsen bei Jochen Martens und zwei Schafe in Klinkrade – Muttertier und Lamm – bei Till Schinkel getötet. Es wurden Proben genommen. Das Ergebnis der DNA-Untersuchung, die endgültige Klarheit darüber bringen soll, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, steht noch aus.

Schinkel, der sich eher als Nebenerwerbslandwirt bezeichnet, hat eine Herde von fast 40 Tieren, 20 Mutterschafe und 17 Lämmer. Die stehen auf verschiedenen Flächen in und um Klinkrade – allesamt zwar eingezäunt, doch der Flechtzaun aus Schafdraht ist nur einen Meter hoch. Es ist ein Leichtes für das Raubtier drüberzuspringen.

Bis knapp 1,40 Meter hoch ist der Zaun, der die Fläche für die Schafherde einzäunen soll, ausgerüstet mit einer starken Schlepper-Autobatterie, die Tausende Volt durch den manchmal kilometerlangen Zaun jagt. Quelle: Joachim Strunk

Tierarzt Dr. Eckard Bauer aus Krummesse war schnell vor Ort. „Das Muttertier war tot, ein Lamm musste eingeschläfert werden, das zweite hat überlebt.“ Für ihn ist es nicht verwunderlich, dass es jetzt zu diesen Vorfällen gekommen ist: „Der Wolf hat gerade einen reich gedeckten Tisch mit all den Lämmern, die geboren wurden und mit den anderen Schafen auf die Weiden kommen.“ Zäune seien sicherlich gut und wichtig, doch „da kommt ein Wolf drüber. Und wenn er drinnen ist, kommen die Schafe nicht mehr raus“.

Ein Problem der Gesellschaft

Jochen Martens, hauptberuflicher Schäfer mit mehreren Hundert Tieren auf etlichen Flächen in und um Kühsen, die er zum Teil selbst besitzt oder gepachtet hat, sieht in der aktuellen Situation ein gesellschaftliches Problem: „Der Wolf ist da. Daran lässt sich nichts ändern. Wenn es ihm gefällt, bleibt er. Wir Schäfer und Landwirte müssen uns – wie viele andere Berufe heute auch – mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen und die bestmögliche Lösung finden.“

Jochen Martens ist hauptberuflicher Schäfer und hat „mehrere Hundert Tiere“ auf etlichen eigenen oder gepachteten Flächen in und um Kühsen. Quelle: Jens Burmester

Für Martens lautet die einzige Lösung so: „Wir müssen unsere Zäune noch effektiver machen. Bis auf über 1,30 Meter hoch, meine sind 1,38 m und entsprechend elektrifiziert“ – mittels Schlepperbatterien mit bis zu 12 500 Volt oder übers feste Stromnetz mit 230 Volt.

„Vor allem die Wolfswelpen müssen von Anfang an mitbekommen, dass in der Nähe der Zäune die Luft vibriert“, sagt Martens. Alles sei eine Sache des Trainings, der Konditionierung der Jungtiere. Kollegen aus Brandenburg oder Sachsen hätten solche Zäune schon lange installiert. Und ein Züchter, um dessen Weiden sogar fünf Wolfsrudel lebten, habe seit fünf Jahren keinen einzigen Verlust mehr gehabt.

Keine abschreckenden Zäune bei bisherigen Angriffen

Martens: „Die Jungen müssen gleich erleben: Zaun heißt Strom, heißt Schmerz, heißt Vermeiden!“ Das sei die beste Möglichkeit, sich der Räuber zu erwehren. Bei den meisten erfolgreichen Angriffen scheinen die heutigen „Täter“ diese Erfahrung nicht gemacht zu haben. Der Kühsener Schäfer kann es nicht belegen, vermutet aber, dass der ,hiesige’ Wolf sehr viele Erfahrungen in verschiedensten Gebieten und Umgebungen gemacht hat, die ihn zu einem äußerst schlauen, gewitzten und auch rücksichtslosen Vertreter seiner Art werden ließen.

Zur Zeit ist „Lämmerzeit“: Die Muttertiere haben ihre Jungen zur Welt gebracht, gemeinsam grasen sie nun auf den lauenburgischen Wiesen. Quelle: Joachim Strunk

Während Till Schinkel aus Klinkrade dafür plädiert, Wölfe zu bejagen („Nur so lernen die Tiere wieder ihre Scheu vor dem Menschen und halten sich zurück“), glaubt Jochen Martens eher an die Erziehungsmethode. Den aktuellen Wolf zu vergrämen, zu vertreiben oder zu töten, sei viel zu schwierig, weil sich das Tier tagsüber in den Wäldern verstecke und nur nachts aktiv sei. „Bemerkenswert bei diesem Wolf, der nach Zeugenaussagen ein sehr großes Exemplar sein muss, ist, dass er niemals bisher an seinen ,Tatort’ zurückgekehrt ist, sondern immer woanders hingegangen ist“, so Martens.

Noch immer unter Schock steht Familie Schächterle in Groß Boden, wo vermutlich ein Wolf vergangene Woche 20 Schafe angefallen hat. Zwölf wurden getötet, weitere acht verletzt, erzählt Stephan, Sohn des erkrankten Züchters Raymond Schächterle. „Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Dazu kommt der emotionale Stress“.

Bis knapp 1,40 Meter hoch ist der Zaun, der die Fläche für die Schafherde einzäunen soll, ausgerüstet mit einer starken Schlepper-Autobatterie, die Tausende Volt durch den manchmal kilometerlangen Zaun jagt. Quelle: Joachim Strunk
Jochen Martens ist hauptberuflicher Schäfer und hat „mehrere Hundert Tiere“ auf etlichen eigenen oder gepachteten Flächen in und um Kühsen. Quelle: Jens Burmester
Zur Zeit ist „Lämmerzeit“: Die Muttertiere haben ihre Jungen zur Welt gebracht, gemeinsam grasen sie nun auf den lauenburgischen Wiesen. Quelle: Joachim Strunk

Joachim Strunk und Matthias Schütt

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