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Lauenburg Schwarzenbeker Hallenbad unter Vorbehalt
Lokales Lauenburg Schwarzenbeker Hallenbad unter Vorbehalt
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18:45 29.03.2019
Die Stadtvertretung Schwarzenbek tagt. Quelle: Holger Marohn
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Schwarzenbek

Die Schwarzenbeker Stadtverordneten wollen die Planung eines Hallenbades für Schwarzenbek weiter vorantreiben, allerdings mit angezogener Handbremse. Es besteht Angst vor ausufernden Folgekosten. Das wurde während der Sitzung am Donnerstagabend deutlich.

„Die laufenden Kosten sind am Ende die Kosten, die uns umbringen, und nicht der Bau “, warnte CDU-Fraktionsvorsitzender Gerhard Moldenhauer. Die Schließung des alten Bades habe man 2003 beschlossen, weil der damalige Zuschussbedarf pro Jahr 260 000 bis 270 000 Euro betragen habe. Dieser Betrag dürfe nun auch nicht weit überschritten werden, so Moldenhauer.

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Zum Auftakt der Diskussion hatte FWS-Fraktionsvorsitzender Bernhard Böttel gewarnt: „Wir reden hier von einem Schwimmbad, das vier Bahnen hat und nur wenig für die Öffentlichkeit nutzbar ist. Wir müssen realistisch bleiben.“ Das Projekt sei nur zu realisieren, wenn sich herausstellt, dass wir das Geld für den Zuschussbedarf von 600 000 bis 700 000 Euro auf 20 Jahre haben“, so Böttel. Wir bauen schließlich unter anderem auch noch eine neue Feuerwehr.

Amtsausschuss will Hallenbad unterstützen

FDP-Fraktionsvorsitzender Helmut Stolze forderte, eine Art zweiten Boden in den Beschluss mit einzuziehen, und bezog sich auf Böttel. „Wir können Ihren Ausführungen folgen. Niemand ist gegen ein Schwimmbad in Schwarzenbek“, sagte Stolze. „Aber Würde es nicht Sinn machen, für den Fall dass die große Lösung nicht zustande kommt, zumindest über die Lösung eines reinen Lehrschwimmbades als Alternative nachzudenken?“

SPD-Chef Maik Picker forderte Unterstützung auch bei den laufenden Kosten: „Auch die SPD kann sich allen anschließen. Nur uns geht das nicht weit genug. Wir brauchen Kooperationen auch bei den dauerhaften Kosten“, so Picker. Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig hatte zuvor informiert, dass der Amtsausschuss des Amtes Schwarzenbek-Land vor wenigen Tagen beschlossen habe, das Projekt Schwimmbad Region Schwarzenbek in Sachen Kooperation, Finanzierung, Fördermittel und Standort weiter voranzubringen.

Damaliger Fehlbedarf hochgerechnet

Bei der favorisierten Schwimmbadvariante mit vier 25-Meter-Bahnen und einem Hubboden geht es um eine Investition von sechs bis sieben Millionen Euro. Der Betrieb würde ein jährliches Defizit von fast 370 000 Euro verursachen. Einsparpotenzial wird bei den Personalkosten gesehen. Für den Kapitaldienst, als Tilgung und Zinsen für die Investitionskosten, kämen ohne Berücksichtigung möglicher Investitionskostenzuschüsse noch einmal 390 000 Euro auf 20 Jahre jährlich hinzu.

Der vom CDU-Politiker angesprochene damalige Fehlbedarf würde unter Berücksichtigung der Inflationsrate heute zwischen 326 000 und 340 000 Euro entsprechen. Kosten für Zinsen und Tilgung der Baukosten oder Abschreibungen waren damals nicht mit einkalkuliert.

„Es muss Ruhe einkehren“

Ein von der FDP als Minimallösung ins Gespräch gebrachtes reines Lehrschwimmbecken als Not-Alternative hätte einen Zuschussbedarf von fast 170000 Euro zuzüglich knapp 225000 Euro Kapitaldienst.

Letztlich beschlossen die Stadtverordneten einstimmig, die Pläne zunächst einmal weiter zu verfolgen, sich aber auch nach Partnern für die laufenden Kosten umzusehen.

Richtig Druck auf dem Kessel war beim Thema Schulentwicklung. Anlass war ein Antrag der FWS, den Beschluss über eine organisatorische Zusammenlegung der Grundschule Nordost mit der Grundschule der Grund- und Gemeinschaftsschule aufzuheben. „Es muss Ruhe einkehren“, forderte Bernhard Böttel.

Schulzentrum statt Kulturzentrum

Und Fraktionskollege Michael Jagusch ergänzte: „Womit will Schwarzenbek denn noch punkten. Wir holen die Menschen hier her und dann haben wir auch die Verpflichtung, ihnen die Grundlage für die Schulbildung ihrer Kinder zu geben.“ Jagusch forderte, andere Pläne zu überdenken: „Vielleicht wäre ein Schulzentrum Berliner Straße besser als ein Kulturzentrum Berliner Straße - auch wenn man damit von früheren Plänen abrückt.“

Die SPD signalisierte Unterstützung für den Aufhebungsantrag, genauso wie Teile der CDU. Entsprechend war dann auch das Abstimmungsergebnis. Über alles Weitere soll nun im Sozial- und Kulturausschuss beraten werden.

Nicht viel zu hören war während der Stadtversammlung von dem, was sich nach der Kommunalwahl noch als stolze fünfköpfige Grünen-Fraktion präsentiert hatte. Wegen „fehlender sachorientierter Arbeit“ hatten sich Wolfgang und Maike Thiel sowie Roswitha Bellmann aus der Fraktion verabschiedet. Bellmann kam gar nicht zur Sitzung, die Thiel nahmen nicht an der Diskussion teil. Und auch von der Grünen-Restfraktion war den Abend über nichts zu hören.

Auf LN-online.de gibt es die Stadtverordnetensitzung noch einmal zum Nachlesen in unserem LIVE-Ticker.

Holger Marohn

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