Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Schwarzenbeks Verwaltung fordert Sanierung der Realschule
Lokales Lauenburg Schwarzenbeks Verwaltung fordert Sanierung der Realschule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 17.11.2019
Die Realschule in Schwarzenbek ist ab 1963 in mehreren Bauabschnitten entstanden. Seit dem Umzug der Schule in das sanierte Gymnasium steht der Komplex weitgehend leer. Um das Gebäude wieder nutzen zu können, sind erhebliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Quelle: Holger Marohn
Schwarzenbek

Wenn am kommenden Donnerstag die Schwarzenbeker Stadtverordneten tagen, steht ein Dauerbrenner auf der Tagesordnung, der Politik und Verwaltung seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt: die ehemalige Realschule. Ein Jahr hatte ein Sonderausschuss zu der Zukunft des Gebäudekomplexes getagt. Dann hatte er sich aufgelöst, ohne sich für zwischen der Sanierung oder einem an die künftige Nutzung ausgerichteten Neubau entscheiden zu können.

Einig war sich der Ausschuss lediglich darin, dass das Grundstück im Stadtzentrum im Eigentum der Stadt verbleiben soll. Das Gebäude steht leer, seitdem die zur Gemeinschaftsschule umstrukturierte Realschule 2010 in das sanierte alte Gymnasium gezogen war. Lediglich ein Anbau wird derzeit als Kita genutzt.

Während die Politik nun in der Sitzung der Stadtverordneten am 21. November entscheiden will, hat sich die Verwaltung von Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig klar positioniert. „Im Hinblick auf die Machbarkeitsstudie der Firma steg, die ausdrücklich bei einer Ertüchtigung des Gebäudekomplexes eine ressourcenschonende Mittelverwendung bestätigt, sowie der geringeren Haushaltsbelastung wird verwaltungsseitig empfohlen, die Sanierung und den Umbau des Objektes zu einem Bildungszentrum voranzubringen“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Das Problem ist allerdings, dass Neubau (11,2 Millionen Euro) und eine Sanierung (6,1 Millionen Euro) des in weiten Teilen fast 60 Jahre alten Komplexes der berühmte Vergleich von Äpfel mit Birnen ist. So hatte das Planungsbüro in seinem Konzept deutlich gemacht, dass bei einem Umbau des Bestandsgebäudes mit 3100 Quadratmetern nicht nur weniger Platz als für die neuen Nutzungen eigentlich erforderlich zur Verfügung stehen würde, sondern auch Kompromisse bei der Nutzung an sich einzugehen wären.

Bei dem deutlich teureren Neubau hingegen würde nicht nur das gesamte Areal einschließlich der benachbarten zum Abbruch vorgesehenen Kita sinnvoll überplant werden können, sondern mit knapp 50 Prozent mehr Fläche auch die gewünschten 4500 Quadratmeter entstehen und dennoch ein Großteil des Grundstückes für eine anderweitige Nutzung übrig bleiben. Als Nutzer des neuen Gebäudes – unabhängig von der Variante – wären die Stadtbücherei, die Volkshochschule und Teile der Stadtverwaltung. Für die Sanierung ist ein Zeitraum von viereinhalb Jahren einschließlich Bau veranschlagt. Aufgrund des langen Zeitraumes muss für die Förderschule eine andere Heimat gefunden werden.

Realschule Geschichte

Der Gebäudekomplex der alten Realschule wurde 1962 fertiggestellt und 1989 um einen Anbau (Pavillon) erweitert. 2010 zog die zur Gemeinschaftsschule umstrukturierte Realschule in das sanierte alte Gymnasium um.

2014 entstand im Pavillon und der alten Hausmeisterwohnung die Kita „Pavillon“. 2015 wurde das Hauptgebäude zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut, ging aber nie in Betrieb. Derzeit werden von der Grund- und Gemeinschaftsschule Räume für Flex-Klassen genutzt.

Bereits im Juli 2009 sind erste Überlegungen zur Nachfolgenutzung des Objektes aufgestellt worden, im Jahr 2010 hat sich der damalige Haupt- und Planungsausschuss dafür ausgesprochen, „das Gebäude der alten Realschule nicht zu verkaufen und durch die Stadt weiterhin zu nutzen“.

In den städtischen Gremien wurde 2013 die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für eine Nutzung des Gebäudes als Bildungszentrum diskutiert. Seit Anfang 2015 liegt die Machbarkeitsstudie, welche über die Aktivregion mit EU-Mitteln finanziert wurde, zur Umnutzung und Wiederinbetriebnahme vor. Mit der Machbarkeitsstudie liegt jedoch kein abschließendes Nutzungskonzept vor.

Im Juli 2018 wurde ein Sonderausschuss zur Nachfolgenutzung der Realschule durch die Stadtverordnetenversammlung besetzt. Das Gremium hat sich seitdem mit einer Nachfolgenutzung der Realschule auseinandergesetzt und sich im August 2019 aufgelöst.

Während Befürworter der großen Lösung genau diese Vorteile sehen und auch vor den finanziellen Risiken einer Sanierung eines Gebäudes aus den frühen 60er Jahren, warnen Befürworter der Sanierung vor einer finanziellen Überlastung der städtischen Finanzkraft. Denn die Stadt hat auch noch weitere bauliche Verpflichtungen. Neben dem Bereich Kita zählt dazu auch ein neues Feuerwehrgerätehaus – für geschätzte bis zu 15 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung hat ihre Empfehlung vor allem mit finanziellen Daten hinterlegt. So hat das bis zu knapp 60 Jahre alte Gebäude nach einen restlichen Buchwert von 1,8 Millionen Euro, der im Haushalt der Stadt buchhalterisch abgeschrieben werden müsste. Auch müssten zwei für den Umbau zu Flüchtlingsunterkunft aufgenommenen zinsgünstige Kredite in der Gesamthöhe von 1,45 Millionen Euro umgeschuldet werden.

Auf die Unterschiede bezüglich der zur Verfügung stehenden Gebäudeflächen und die besseren Funktionsabläufe in einem Neubau nimmt die Stadtverwaltung keinen Bezug. Auch würde der Neubau bei einem Verzicht auf die Unterbringung der Förderschule deutlich kleiner und damit auch günstiger als die Ursprungsschätzung sein. Und ein neubau hätte haushaltstechnisch einen höheren Buchwert.

Die Entscheidung soll nun in der Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, 21. November, fallen. Die Sitzung im Festsaal des Schwarzenbeker Rathauses ist öffentlich und beginnt um 19 Uhr.

Realschule Links

Hier gibt es weitere Informationen zum Thema:

Oktober 2013: Zukunft der leerstehenden Realschule weiter ungewiss

November 2014: Gutachten ist fertig

Januar 2015: Schwarzenbek hat endlich eine Vision für die alte Realschule

Mai 2015: Die unendliche Geschichte der Realschule

Juni 2015: Schwarzenbek wirbt um Mieter die die alte Realschule

August 2016: Realschule fertig aber leer

Januar 2019: Schulen in Schwarzenbek im Umzugsstress

Juni 2019: Sanierung der Realschule kostet Millionen

September 2019: Zukunft der alten Realschule in Schwarzenbek weiter ungewiss

Von Holger Marohn

Zuckergehalt gut, Ertrag durchschnittlich, Preis unbefriedigend: Die Zuckerrüben werden jetzt kreisweit gerodet.

17.11.2019

Das Amt Sandesneben-Nusse stellt sich im Umweltschutz neu auf. Zurzeit laufen Planungen für ein neues Abwasserwerk, das Klärschlamm aus dem Amt und von Gemeinden darüber hinaus aufbereiten soll.

16.11.2019

Seit Wochen arbeiten die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei in Containern. Da der Brandschutz veraltet war, wird das Erdgeschoss im Rathaus modernisiert.

16.11.2019