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Lauenburg Schwarzenbeks Bürgermeister nun ein Grüner
Lokales Lauenburg Schwarzenbeks Bürgermeister nun ein Grüner
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08:50 26.05.2011
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Schwarzenbek

Schon lange habe er grüne Themen nicht nur im Kopf, sondern auch auf dem Schreibtisch, sagt Bürgermeister Frank Ruppert (49) und nimmt nacheinander ein paar Hefter mit Projektunterlagen in die Hand. "Es waren aber tatsächlich die aktuellen Ereignisse in Japan, die mich bewogen haben, einer Partei beizutreten." Nach einer kleinen Pause lässt der Bürgermeister es heraus: "Ich bin in die Partei Bündnis90/Die Grünen eingetreten." Damit ist er der erste hauptamtliche grüne Bürgermeister in Schleswig-Holstein.

Er möchte damit Flagge zeigen und Farbe bekennen, sagt Ruppert. Und er wolle sich von seinen Kindern später nicht fragen lassen müssen, was er eigentlich damals getan habe, als die Welt allmählich erkannte, dass die Atomkraft nicht beherrschbar sei. "Ich habe 2009 privat den Klimagipfel in Kopenhagen besucht und mich verstärkt mit ökologisch ausgerichteten Projekten beschäftigt, auch in meinem Amtsbereich", betont der frisch ergrünte Ruppert. In Schwarzenbek seien bereits einige Energiesparprojekte angeschoben worden. Kleine wie Zeitschaltuhr-gesteuerte Büro-PCs und größere wie das Klimaschutzteilkonzept für den Schulkomplex.

Ein Parteibeitritt betrifft jedoch den ganzen Menschen, und deshalb wird im Hause Ruppert demnächst auch das zweite Auto abgeschafft, kündigt der Bürgermeister an. Sein bevorzugter Dresscode entspreche zwar nicht dem grünen Klischee, aber das sei ohnehin längst passé, sagt Ruppert und zupft lächelnd an seinem Oberhemd: "Hundert Prozent Ökotex, und in Schwarzenbek gekauft."

Im Amt wolle er so neutral bleiben, wie er es immer war. Viele hätten ihm geraten, lieber parteilos zu bleiben, berichtet Ruppert weiter. Weil er vielleicht hier und da als Parteimitglied angreifbarer sein könne. "Aber das halte ich aus", sagt er gelassen. Und fügt grinsend hinzu: "Ja, ich dürfte manchen überrascht haben."Auf jeden Fall seien die ersten Reaktionen der Vorsitzenden der Ratsfraktionen positiv gewesen: "Die sehen das überwiegend professionell."

Von Matthias Wiemer

Hinweis: Diesen Artikel aus dem LN-Archiv haben wir im Januar 2020 neu exportiert. Ursprünglich war er am 26. Mai 2011 erschienen.