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Lokales Lauenburg

Schwarzenbeks Sterbeammen zeigen Wege aus der Trauer

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13:30 13.01.2022
Sterbeamme Nadine Beyer mit ihrem „Koffer voller Ideen und Symbolen“. Ihre Beratungsstelle befindet sich im Ärztehaus an der Hamburger Straße in Schwarzenbek.
Sterbeamme Nadine Beyer mit ihrem „Koffer voller Ideen und Symbolen“. Ihre Beratungsstelle befindet sich im Ärztehaus an der Hamburger Straße in Schwarzenbek. Quelle: Silke Geercken
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Schwarzenbek

Als vor mehr als 18 Jahren die 13 Monate junge Tochter von Nadine Beyer wegen einer Blutvergiftung während der Therapie eines gutartigen Gefäßtumors starb, war die Schwarzenbekerin kurz davor, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie suchte damals verzweifelt „Antworten zum Leben“ und fand sie in der Ausbildung zur zertifizierten Sterbeamme. Seit 2011 hat die ehemalige Bankkauffrau eine eigene Beratungsstelle in Schwarzenbek. Die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ möchte sie für Messe-Aufsteller und Beratungszuschüsse verwenden.

Wege aus der Trauer

Mit ihrer Kollegin Heike Vetter möchte die Sterbeamme die Ratsuchenden ermutigen, in Zwiesprache mit den Verstorbenen zu bleiben. „Ein Mensch hat sich verabschiedet, aber er ist hoffentlich nicht verloren“, so Beyer, Mutter von zwei Töchtern (22 und 16 Jahre). In ihren Beratungsstunden zeigt sie viele Wege auf, aus der Trauer herauszukommen und einem lebenswerten Leben entgegen zu blicken. „Dem Körper kann man im Trauerfall Gutes tun, aber oft kommen Herz und Seele nicht mit“, sagt Beyer. Sie muss es wissen, denn der Tod seines Kindes ist wohl das schwerste Unglück, das einem Menschen widerfahren kann. Aber die Sterbeammen bieten nicht nur Rat und Trost bei Verlust eines Menschen, sondern jeder, der mit Ängsten kämpft, findet offene Ohren bei den Sterbeammen. Die privaten Kosten für die Beratung betragen 60 Euro für 90 Minuten.

Für diese Projekte sammelt „Hilfe im Advent“

Insgesamt haben sichsieben Projekte aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg um Spenden aus der Aktion „Hilfe im Advent“ beworben:

Doris und Michael Schmied sammeln seit Jahren auf Schwarzenbeks Wochenmarkt, um Bedürftigen ein Weihnachtsgeschenk zu spendieren. Jetzt sammeln LN-Leser mit.

Die Bürgerstiftung Ratzeburg will ein Repair-Café eröffnen, das auch Treffpunkt im Stadtteil werden soll. Hier fehlen Werkzeug und Ausstattung.

Beate Stendell-Gerken leitet die KIBIS-Selbsthilfegruppe „Gemeinsam wandern – raus aus der Einsamkeit – für ein seelisches Gleichgewicht“ und kann für Fahrten eine Finanzspritze gebrauchen.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ Sandesneben und Umgebung braucht noch Geld, um einen Selbstbehauptungsworkshop zu finanzieren, der Kinder und Jugendliche dazu befähigt, selbstsicher Nein zu sagen und Selbstverteidigungstricks zu lernen.

Kai Losigkeit möchte im Möllner Don Bosco-Haus das Projekt „Café Paradiso mit Livemusik“ veranstalten, um den Bewohnern ein Gemeinschaftserlebnis zu ermöglichen. Für die Gagen braucht er Geld.Geigerin Karolin Broosch und Milana von Ruffin, Eigentümerin von Gut Basthorst, wollen ihre Konzertreihe „Musik ist systemrelevant“ fortsetzen. Deshalb hoffen sie auf Spenden, um den Musikern, die sonntags im Garten des Restaurants Pferdestall spielten, erneut ein Forum zu bieten und Zuhörer aus der Tristesse der Corona-Zeit zu holen.

Sterbeammen arbeiten freiberuflich und finanzieren zusätzlich mit ihren Jahresbeiträgen den gemeinnützigen Schwarzenbeker Verein „Sterbeheilkunde“. Über den Verein erhalten Ratsuchende fachliche und unbürokratische Soforthilfe im Sterbe- oder Trauerprozess.

Bundesweit 140 Mitglieder

Der gemeinnützige Verein Sterbeheilkunde wurde 2008 von Sterbeammen gegründet und entwickelt. Der Verein, der auch Beratungen bezuschusst, finanziert sich über seine 140 Mitglieder, mit Seminaren und Fortbildungen und mit Spenden. Mit einem Theaterstück, Seminaren und Workshops für Jedermann unterstützt der Verein die persönliche Auseinandersetzung von Interessierten zu den Themen Sterben/Tod/ Trauer. Das Berufsbild der zertifizierten Sterbeamme möchte der Verein auch bundesweit fördern. Zu den Angeboten gehören das Projekt „Alles anders“. Hier unterstützt der Verein Erwachsene und Kinder im Sterbe- oder Trauerprozess. Dazu gehört auch die medikamentenfreie Versorgung von Ängsten vor dem Sterben. Mit dem Theaterprojekt „Haus des Lebens“ können sich Schulen, Vereine, Fachmessen oder Stadtbühnen der Thematik Sterben nähern. Acht Sterbeammen des Vereins haben dieses Stück schon mehrfach bundesweit aufgeführt. Mit dem Projekt „Offene Telefonberatung in Krisenzeiten“ können alle Bürger kostenfreie Gespräche mit Trauerhelfern des Vereins eine gewisse Zeit lang in Anspruch nehmen. Ziel ist die seelische Entlastung.

So können Sie helfen

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen. Die Spendensammlung der Lübecker Nachrichten und der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt.

Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen dafür stark machen, dass sich einsame Menschen nicht mehr isoliert fühlen und wieder Freude am Dasein haben. Der ePunkt sammelt die Spenden der LN-Leser und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter.

Der ePunkt ist eine Freiwilligenagentur und setzt sich für soziales Engagement ein.

Der Verein hat seinen Sitz in der Hüxtertorallee 7 in 23564 Lübeck, Tel. 04 51/ 305 04 05. Der ePunkt ist unter der E-Mail info@epunkt-luebeck.de zu erreichen.

Das Spendenkonto:

KreissparkasseHerzogtum Lauenburg

Kontoinhaber: ePunkt e. V. Lauenburg

IBAN:

DE22 2305 2750 0081 7742 00

BIC:

NOLADE 2 1 RZB

Verwendungszweck:

„Spende: Hilfe im Advent“

Der aktuelle Spendenstand:

8460Euro

Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Name und Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Angebote zur Corona-Krise

Die jüngsten Angebote liefen zur Corona-Krise und zur Flutkatastrophe im Ahrtal. Weitere Angebote von Nadine Beyer auch außerhalb der Praxisräume sind Spaziergänge „walk and talk“ (gehen und reden). Das Projekt „Einen versäumten Abschied nachholen“ erklärt Beyer so: „Wer sich von seinem Verstorbenen nicht gut verabschieden konnte, sei es wegen der örtlichen Entfernung, Konflikte, Corona-Regelungen, misst oft sehnlichst diese letzte Möglichkeit des gemeinsamen Kontakts, der herzlichen Anteilnahme und der persönlichen Abschiednahme.“ Auch nach dem letzten Atemzug sei eine längst notwendige Aussprache noch nachholbar, wenn Ungesagtes offengeblieben sei. Beyer: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass ein Abschiednehmen fühlbar nachgeholt werden kann, egal wie lange der Todesfall her ist. Ganz unabhängig von Friedhof, Familie, Trauergemeinde, einer Glaubensrichtung oder persönlicher Weltvorstellung.“ Übrigens: Das Beratungsangebot steht allen Ratsuchenden auch über die Feier- und Ferientage offen. Infos unter Telefon 0 41 51/83 44 110 oder info@sterbeammen-netzwerk.de

Von Silke Geercken