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Lauenburg Seeadlerschützer widersprechen BUND
Lokales Lauenburg Seeadlerschützer widersprechen BUND
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09:52 26.10.2018
Der Seeadler ist eine besonders geschützte Vogelart nicht nur in Schleswig-Holstein. Quelle: LN-Archiv
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Lauenburg

Je größer ein Untersuchungsraum für ein Infrastrukturprojekt ist und je mehr Gutachten und Kartierungen als erforderlich angesehen werden, desto umfangreicher, zeitaufwendiger und letztlich auch teurer wird die Planung eines Projektes. Gerade den Umwelt- und Naturschutzverbänden kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Beim Scoping-Termin zur östlichen Ortsumgehung von Lauenburg ist dabei der BUND nun aber offenbar deutlich über das Ziel hinausgeschossen. So hatte BUND-Vertreter und Hans-Heinrich Stamer gefordert, dass auch der Seeadler in die Liste der zu kartierenden Vögel aufgenommen wird. Aufgrund des großen Revieres eines Seeadlers hätte das möglicherweise eine deutliche Ausweitung des Untersuchungsraumes bedeutet. Begründung des BUND-Vertreters: Der Seeadler sei dort regelmäßig gesichtet worden und „Seeadler werden regelmäßig auf Straßen totgefahren“.

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Seeadlerschützer widersprechen BUND

Letztlich wurde die Forderung nicht nur von den Planern während des Scoping-Termines abgelehnt, sondern auf Nachfrage im Nachgang zu der Veranstaltung auch der fachlichen Begründung des BUND-Vorstandsmitgliedes gleich von mehreren Seeadler-Experten widersprochen.

„Dass Seeadler im Straßenverkehr umkommen, kommt sehr selten vor“, sagt das WWF und Seeadlerschutz-Projektgruppen-Vorstandsmitglied Thomas Neumann aus Mölln. Viel gefährlicher seien die Hochgeschwindigkeitsstrecken der Bahn. Es seien gerade Jungtiere, die noch nicht gelernt hätten, selbst zu jagen. Diese würden auf an den Gleisen umgekommene Tiere aus sein. Konkreter wird sogar noch Seeadlerschutz-Geschäftsführer Bernd Struwe-Juhl: „Bislang ist uns in 30 Jahren aus Schleswig-Holstein nur ein Straßenverkehrsopfer bekannt geworden, da Straßenränder nicht zu den bevorzugten Nahrungshabitaten der Seeadler gehören“, sagt Struwe-Juhl. Viel häufiger seien Todesfälle von Mäusebussaden und Eulen wie Waldkauz, Schleiereule, und Uhu, die dort das Mäuseangebot in der Straßenbegleitvegetation nutzen, so Struwe-Juhl.

Unabhängig von den Seeadler-Experten zweifelte Anwohner und Nostorfs Bürgermeister Dirk Spiewok die von Stamer beschriebenen regelmäßigen Sichtungen in dem Bereich an. „Einen Seeadler habe ich da noch nie gesehen. Und ich wohne hier“, sagte Spiewok. „Ein zufälliges Überfliegen eines Seeadlers spielt für die zu führenden Untersuchungen keine Rolle“, sagt Dr. Ulrich Mierwald vom Kieler Institut für Landschaftsökologie.

Holger Marohn