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Lauenburg Segelflieger zeigte Feuerwehr den Weg zum Waldbrand
Lokales Lauenburg Segelflieger zeigte Feuerwehr den Weg zum Waldbrand
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21:34 09.07.2018
Zum großen Teil konnten die Einsatzkräfte nur unter Atemschutz arbeiten.
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Bröthen

Nicht wie ursprünglich gemeldet im Bereich zwischen Bergholz und Güster brannte es, sondern im so genannten „Gartenschläger- eck“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Bröthen (LN berichteten).

Benannt ist dieser Ort am Grenzknick nach Michael Gartenschläger, der in der Nacht zum 1.Mai 1976 von einem Sonderkommando der DDR-Staatssicherheit bei dem Versuch, einen Selbstschussautomaten vom Typ SM-70 vom Grenzzaun abzumontieren, erschossen wurde. Die Gedenkstätte, die an den damals 32-Jährigen erinnert, steht nur etwa zehn Meter vom Brandort entfernt am ehemaligen Grenzstreifen. Ein kleines Schild an der Straße und ein großer Findling mit Inschrift weisen auf diesen geheimnisvollen Ort hin, zu dem man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad gelangt.

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Das Luftbild wurde vom LSV Grambeker Heide zur Verfügung gestellt.

Die Feuerwehren hatten es da schon einfacher. Sie fuhren die etwa 1000 Meter auf der schmalen Betonpiste bis an die Einsatzstelle und versuchten zunächst mit Wasser, Schaufeln und Feuerpatschen, die Glutnester und Flammen zu bekämpfen. Weil aber das Löschwasser schnell knapp wurde, ließ Einsatzleiter und Amtswehrführer Marc Eggert eine mehrere hundert Meter lange Schlauchleitung zu einem Hydranten legen. Zudem wurde ein Pendelverkehr mit den Tanklöschfahrzeugen eingerichtet. 

Einem Segelflieger ist es zu verdanken, dass bei Bröthen nur etwa 3000 Quadratmeter Waldboden und Unterholz brannten und sich daraus nicht ein größerer Waldbrand entwickelte. Allerdings mussten die Feuerwehren längere Zeit suchen, bis sie nach einer zweiten Meldung des Piloten mit genauerer Ortsangabe den Einsatzort fanden.

Der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren aus Gudow, Büchen, Bröthen, Büchen-Dorf, Fitzen, Langenlehsten und Güster dauerte mehrere Stunden. In dem teilweise beißenden Qualm konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr nur unter Atemschutz arbeiten. An der Zufahrt zum Wald stand daher auch zur Sicherung der Einsatzkräfte ein Rettungswagen bereit. Ein Landwirt schob mit seinem Traktor eine Schneise in den Wald rund um den Brandherd, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten konnte.

Weil man auf Nummer sicher gehen wollte, hatten die Einsatzkräfte die lange Wasserleitung zum Hydranten nach dem Einsatz liegengelassen. So war gewährleistet, dass die Feuerwehr bei eventuell erforderlichen Nachlöscharbeiten sofort Wasser an der Einsatzstelle gehabt hätte.

Einsatzleiter Marc Eggert ging davon aus, dass möglicherweise eine Glasscherbe das Feuer entzündet haben könnte. „Das würde bei den derzeitigen Temperaturen völlig ausreichen“, so Eggert.

„Glücklicherweise haben wir hier nur Bodenfeuer, kein Wipfelfeuer. Aber die Arbeiten für uns als Feuerwehr sind natürlich bei diesen Temperaturen auch nicht ohne. Deshalb versorgen wir unsere Leute auch mit genug Flüssigkeit“, machte Eggert deutlich.

Zusätzlich war kurze Zeit später noch ein Trecker mit einem Wasserbehälter mit 12000 Liter Löschwasser gekommen – eine große Hilfe für die Feuerwehr.

Am Tag nach dem Brand war das ganze Ausmaß des Feuers sichtbar. Der Waldboden schwarz vom Ruß, überall lag verbranntes Holz. Aber die Feuerwehren hatten ganze Arbeit geleistet. Das Feuer war komplett gelöscht.

In diesem Bereich, allerdings auf der anderen Seite des Weges, hatte es vor einigen Jahren schon einmal gebrannt. Das erzählte ein ehemaliger Grenzschützer, der sich die Brandstelle am Sonntagmorgen ebenfalls ansah. Von dem damaligen Feuer ist heute längst nichts mehr zu sehen. Der Wald hat sich prächtig erholt. Und auch die Gedenkstätte für Michael Gartenschläger an der ehemaligen Demarkationslinie hat dieses Mal nichts von dem Feuer abbekommen.

Spuren der Grenze

In Leisterförde (MV) bei Langenlehsten findet man in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen innerdeutschen Grenze eine originale DDR-Grenzanlage mit Hundehütte, Bunker, Zaun und Selbstschussanlagen.

Michael Gartenschläger war ein politischer Häftling in der DDR und später vom Westen aus Fluchthelfer. Er wurde beim zweiten Versuch, eine Selbstschussanlage am Grenzzaun abzubauen, durch ein Spezialkommando der Stasi erschossen.

Jens Burmester