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Lauenburg Gerichtsurteil: Möllner Pflegeheim wird geräumt – was passiert jetzt mit den Bewohnern?
Lokales Lauenburg Gerichtsurteil: Möllner Pflegeheim wird geräumt – was passiert jetzt mit den Bewohnern?
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16:42 30.08.2019
Sie wollen in ihrem Heim bleiben: sitzend von links Bewohnerin Margarete Schrenk, Bewohnerin Waltraud Kleinfeld und Bewohnerin Petra Hülsmann sowie stehend Mitarbeiterin Neethu George, Pflegerin Sabine Steinberg, Bewohner Karl-Heinz Karlsson und Betreuer Fakharadin Ibrahim. Quelle: Lennard Schröder
Alt Mölln

Aufgrund von „Gefahr für Leib und Leben“ soll das Senioren- und Pflegeheims „Zu den Ziegelwiesen“ in Alt Mölln geschlossen werden. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein gab der Betriebsuntersagung für das Heim in einem Beschluss Recht. Bis zum Freitag, 6. September, muss das Heim geräumt sein. Wiederkehrende erhebliche Mängel, welche von der Wohn- und Pflegeaufsicht des Kreises festgestellt worden seien, hätten zu dieser Entscheidung geführt, berichten Pfleger und Angehörige des Heims. Die Bewohner hingegen fühlten sich im Heim absolut wohl, die Mängel seien kein Grund für die Schließung des Heimes.

In mehreren Gutachten wurden Mängel festgestellt, nun muss das Heim „Zu den Ziegelwiesen“ in Alt-Mölln schließen. Die Bewohner fühlen sich jedoch dort wohl und wollen ihr Zuhause nicht verlieren.

„Als ich hierher kam, ging es mir gesundheitlich wirklich schlecht, jetzt geht es mir viel besser und ich fühle mich hier im Heim sehr wohl“, sagt die Bewohnerin Margarete Schrenk bei einem Treffen zwischen Bewohnern, Pflegern und Angehörigen. „Dieses Heim ist wie ein Sechser im Lotto, ich gehe hier nicht weg!“, sagt Schrenk weiter und bekommt dafür von allen Anwesenden Beifall. Den Tränen nahe erzählen die Anwesenden, wie zufrieden sie mit dem Heim sind und dass sie die Betriebsuntersagung nicht nachvollziehen können. Die familiäre Atmosphäre wird betont, man fühle sich hier zuhause.

Versorgung mit Medikamenten und Nahrung bemängelt

Doch die Wohn- und Pflegeaufsicht des Kreises sehe dies anders, erzählen die Mitarbeiter des Heimes. In einem seit Januar dieses Jahres andauernden Gerichtsprozesses wären Mängel am Heim festgestellt worden, die jetzt zum Räumungsbefehl geführt hätten.

Räumungsbefehl mit nur zwei Wochen Vorlauf

Die Heimverwaltung könne Beanstandungen bei der Pflegedokumentation zum Teil nachvollziehen, die Betreuung der Bewohner sei aber sehr gut und sogar besser als in einigen anderen Heimen. „Das Gerichtsurteil erreichte uns am 26. August, bis zum 6. September müssen hier alle raus“, sagt Petra Simon von der Heimverwaltung. Die 26 Bewohner sind fassungslos, viele wissen nicht, wo sie nach dem 6. September bleiben sollen. Angehörige berichten, es sei höchst schwierig, so kurzfristig Plätze in Heimen in der Umgebung zu bekommen. Auch die insgesamt 18 Mitarbeiter sind von dem Aus des Heims betroffen.

Ist hier bald Schluss? Die Bewohner fühlen sich im Senioren- und Pflegeheim „Zu den Ziegelwiesen“ in Alt-Mölln wohl, trotzdem soll es nächste Woche geschlossen werden. Quelle: Lennard Schröder

Behörde: Gefahr für Leib und Leben

Tobias Frohnert, Pressesprecher der Kreisverwaltung, erklärt auf LN-Nachfrage die Sichtweise der Behörde: „Die Mängel im Heim bestanden seit Längerem und waren teils gravierend.“ In mehreren Gutachten sei eine „Gefahr für Leib und Leben“ festgestellt worden. So wird auch die zügige Schließung des Heims begründet, man wolle die Bewohner nicht länger als nötig in Gefahr lassen. Das Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichts habe keinen Ermessensspielraum zugelassen.

Im Gerichtsbeschluss, der den LN vorliegt, wird unter Anderem die Versorgung von Medikamenten, Nahrung und Flüssigkeit bei einzelnen Bewohnern bemängelt. Eine Hausärztin, die einige Bewohner im Heim betreue, sagte auf Anfrage, sie sei mit der Versorgung ihrer Patienten im Heim hingegen stets zufrieden gewesen.

Für die Suche nach einer neuen Unterkunft würden die Bewohner und Angehörige Hilfe von der Wohn- und Pflegeaufsicht des Kreises erhalten. „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten daran, die jetzigen Bewohner in anderen Heimen unterzubringen“, so Frohnert weiter. Plätze gebe es im Kreis genug.

Behörde sieht Mängel, Bewohner nicht

Auch eine Bewertung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, kurz MDK, sorgt für Diskussionen. Dabei hätte das Heim „Zu den Ziegelwiesen“ laut eigenen Angaben Ende vergangenen Jahres eine Gesamtnote von 2,7 erhalten. Während dies im Heim positiv gewertet wird, interpretiere man die Note beim Kreis anders. „Die meisten Einrichtungen liegen im Bereich 1 bis 2, eine 2,7 weist da schon auf erhebliche Mängel hin“, so Frohnert von der Pressestelle des Kreises. Für eine Nachfrage zu diese Bewertung war die zuständige Krankenkasse bis zum Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Viele Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter wollen die in den Gutachten festgestellten Mängel nicht glauben. „Ich habe noch nie so ein schönes Heim gesehen, die meisten festgestellten Mängel stimmen so nicht“, sagt Pflegerin Sabine Steinberg. Sie und viele Weitere wollen für den Erhalt des Heims kämpfen. Was bis zum 6. September und darüber hinaus mit Heim, Bewohnern und Mitarbeitern passiert, bleibt ungewiss.

Von Lennard Schröder

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