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Lauenburg Wo der Engel vom Himmel schwebt
Lokales Lauenburg Wo der Engel vom Himmel schwebt
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12:13 02.07.2019
Bevor der historische Taufengel in Brunstorf herabschwebt, wird das Taufbecken in den Ring links im Bild eingesetzt. Quelle: Norbert Dreessen
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Brunstorf

Wer in der Elisabeth-Kirche in Brunstorf getauft wird, ist meist noch zu jung, um zu begreifen, welche Besonderheit hier mit einer Taufe verbunden ist. Aber die Eltern, Paten und Angehörigen können es ihm oder ihr ja später erzählen: Das Wasser für diesen bedeutenden Moment im Leben bringt ein Engel herab, der vom Himmel schwebt.

Der Begriff „Himmel“ ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber der barocke Taufengel, der an einer Kette hängt, wird per Elektromotor immerhin von der Decke heruntergelassen. Dieser Engel war 1738 von dem Grafen zur Lippe gestiftet worden, im Laufe der Jahrhunderte aber wurmstichig geworden. Man entfernte ihn und stellte ihn auf dem Kirchenboden ab.

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Taufengel kann sich bewegen

Bei einer Grundsanierung des Gotteshauses 1971 erhielt der Taufengel dann durch die Hand des Restaurators Botho Mannewitz seine ursprüngliche Schönheit zurück. Zunächst wurde er fest installiert, erst seit zwei Jahren kann er sich bewegen. „Wir dachten zunächst, die Decke sei nicht stabil genug, um den Motor zu tragen, aber da gab es gar keine Probleme“, erzählt Angelika Gogolin, seit sechs Jahren Brunstorfs Pastorin. Der Engel hält auch noch eine Posaune in der Hand. Die bläst er zum Versprechen an die Täuflinge, dass sie eines Tages auferstehen.

Urkundlich erstmals erwähnt wird eine Siedlung namens Brunstorf anno 1299. Eine Kirche in diesem Ort taucht zum ersten Mal 1319 in einem Schreiben des Ratzeburger Bischofs auf, doch dürfte sie wohl schon zeitgleich mit dem Dorf entstanden sein.

Nach der „Mutter der Armen“ benannt

Die heutige Kirche in Brunstorf wurde nach der Heiligen Elisabeth, der „Mutter der Armen“ benannt. Das Bauwerk wurde 1777 errichtet, ist das älteste Gotteshaus in der Umgebung und steht auf den Resten einer Vorgängerkirche. Von dieser zeugen noch die großen unbehauenen Feldsteine, die an der Nordwand zu sehen sind. Einen ersten größeren Umbau gab es 1858. Damals wurde die Empore erweitert, außerdem die Deckenkonstruktion erneuert. Gleichzeitig wurde das Mittelschiff nach oben durch ein hölzernes Gewölbe geschlossen. Das wiederum wurde mit einem Sternenhimmel bemalt. Zwei Rundbogen-Fenster an der Altarseite wurden zugemauert, Holzfenster durch gusseiserne ersetzt, die Kirchenbänke neu gefertigt.

Nürnberger Bildhauer schuf Altartisch

113 Jahre später, also 1971, wurde die nächste größere Renovierung in Angriff genommen, die Kirche erhielt dabei im Inneren ihr heutiges Aussehen. Bildhauer Heinz Heiber aus Nürnberg schuf einen freistehenden Altartisch aus einem Ziegelsockel mit einer Eichenplatte sowie die Kanzel aus gleichem Material. Er gestaltete auch die Taufstele aus Lindenholz. Die alten, recht unbequemen Kirchenbänke wurden 1971 durch Stühle ersetzt. Sie gestatten nun vielfältige Arten der Bestuhlung je nach Gottesdienstform. Bei normalen Gottesdiensten stehen etwa 200 Plätze zur Verfügung, doch es können durchaus mehr werden.

Glocke im Hamburger Hafen gefunden

Drei Glocken, gegossen 1681, bildeten ursprünglich das Geläut der Brunstorfer Kirche. Die größte und die kleinste waren allerdings schon bald geborsten und unbrauchbar geworden. 1697 wurden sie deshalb zu einer neuen, 150 Kilogramm schweren Glocke gegossen. Die läuten noch heute in der Elisabeth-Kirche. Wo die mittlere Glocke von 1681 geblieben ist, ist nicht bekannt.

1817 kamen zwei größere Glocken hinzu, 375 und 550 Kilogramm schwer. Die zwei größeren Glocken mussten 1917 als Kriegsmaterial zum Einschmelzen abgegeben werden. Nach dem Krieg fand man die größere von beiden im Hamburger Hafen wieder, wo sie für die Schmelze gelagert war. 1919 wurde sie zurückgekauft. 1942 musste sie erneut abgegeben werden, konnte aber wieder, nun schon zum zweiten Mal, nach Kriegsende heil zurückgeholt werden und hängt seitdem an ihrem Platz.

Noch etwas älter als die Kirche in Brunstorf ist übrigens das Pfarrwitwenhaus, das 1765 erbaut wurde und damit das älteste Haus im Dorf ist. Das Pastorat selbst ist vergleichsweise jung, es wurde erst 1966 errichtet.

Norbert Dreessen

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