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Lauenburg Smartphone-Unterricht für Fünftklässler
Lokales Lauenburg Smartphone-Unterricht für Fünftklässler
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17:47 05.03.2019
Zwei Schülerinnen an der Lauenburgischen Gelehrtenschule schauen auf ein Handy. Die künftigen Fünftklässler werden ab dem neuen Schuljahr im "Eigenständigen Umgang mit digitalen Medien" unterrichtet - unter anderem durch Informatik-, aber auch Ethik- und Philosophie-Lehrkräfte. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

 „In den letzten Monaten haben wir zahlreiche Vorfälle registriert, wo unseren Schülern extrem gewalttätige oder pornografische Videos auf ihr Smartphone geschickt wurden“, sagt Thomas Engelbrecht. Der Schulleiter der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG) in Ratzeburg sieht darin ein großes Problem – vor allem für die Psyche der Kinder, die damit oftmals völlig überfordert sind.

Deshalb reagiert die LG und führt ab dem nächsten Schuljahr im August einen speziellen Unterricht „Eigenständiger Umgang mit digitalen Medien“ extra für Fünft- und Sechstklässler der neuen G9-Jahrgänge ein.

LG-Schulleiter Thomas Engelbrecht. Quelle: LN-Archiv

Durch die jetzt offizielle Einführung von G9 zum Herbst haben die Gymnasien eine zusätzliche Verfügungsstunde in der Kontingentstundentafel vom Land bekommen. Die derzeitigen Fünftklässler sind zwar de facto auch schon G9er – also Schüler, die ihr Abi in der 13. Klasse machen –, werden aber aktuell noch nach dem G8-Lehrplan unterrichtet.

Technische und reflektorische Behandlung

Diese wöchentliche Verfügungsstunde soll dafür genutzt werden, den Kindern den „richtigen“ Umgang mit ihren Handys beizubringen. Und zwar fächerübergreifend. Engelbrecht: „Das sind Lehrkräfte verschiedener Disziplinen wie Informatik, Ethik oder Philosophie, die im Jahresverlauf wechseln, je nachdem, ob es eher auf der Informations- oder Technikebene zugeht“.

Als Beispielthemen für den technischen Bereich nennt der Schulleiter: Was ist das Geschäftsmodell eines Messenger-Dienstes wie WhatsApp, Facebook oder Instagram? Wie generiere ich sichere Passwörter? Was hilft mir beim Hausaufgabenmachen? Urheber- und Persönlichkeitsrechte.

Auch in der schon lange bestehenden Computer-AG der Schule, hier zwei Schüler bei der „Arbeit“, widmet man sich den spezifischen Problemen digitaler Medien. Quelle: Joachim Strunk

Auf der Reflexionsebene geht es um Themen wie Computerspielverhalten; Wie verändert sich das Freizeitverhalten? Influencer und Lobbyisten im Netz; Wie gehe ich mit Fake-IDs um?

Auch Schulsozialarbeiter im Boot

An der LG ist damit federführend die Deutsch- und Geschichtslehrerin Susanne Baudach betraut. Sie ist „Koordinatorin für schulfachliche Aufgaben“, an der LG sind das „Schulentwicklung“ und „Digitalisierung“. Baudach erarbeitet nun einen „kleinen Lehrplan“ für den besagten „Smartphone-Unterricht“.

Neben den Fachlehrern ist auch Schulsozialarbeiter Peter Linnenkohl involviert. Er soll dort sein ohnehin schon bestehendes Projekt „Handyführerschein“ integrieren oder „Zehn Gebote einer digitalen Ethik“ entwickeln.

Planspiel „Cybermobbing“

Übergeordnet, also nicht in dem Spezialunterricht für Fünft- und Sechstklässler integriert, sind zudem auch Angebote zu sehen, wo Polizei, Jugendgerichtshilfe oder der Ratzeburger Amtsgerichtsdirektor Dr. Frank Rose in die Schule kommen, um mit dem siebten Jahrgang ein Planspiel zum Thema „Cybermobbing“ zu machen, in dem die Schüler in verteilten Rollen möglichst authentisch erleben, was Ursachen und Konsequenzen für „Täter“ und „Opfer“ sein können.

Das Angebot der LG in dieser Hinsicht ist übrigens nicht einmalig, sondern wird in vielen Schulen im Land angeboten. Thomas Schunck, Sprecher des Kieler Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (MBWK), erklärte auf Anfrage: „Der Umgang mit digitalen Medien ist eine Querschnittaufgabe für die Schulen in Schleswig-Holstein“.

Brief an die Eltern

Angesichts der jüngsten Verbreitung extrem gewalttätiger Videos über digitale soziale Netzwerke hat das Bildungsministerium den Schulen einen Musterbrief an die Hand gegeben, den betroffene Einrichtungen an besorgte Eltern schicken. Der Wortlaut:

Liebe Eltern,

am tt.mm.2019 sind bei Schülerinnen und Schülern unserer Schule Videodateien aufgetaucht, welche über digitale soziale Netzwerke (vor allem über private Messenger-Dienste auf dem Smartphone) verbreitet wurden.

Diese Videos zeigen extrem gewalttätige und sehr verstörende Szenen, in welchen auch Kleinkinder schwer misshandelt werden. Die Videos bzw. deren Verbreitung stellen mutmaßlich eine Straftat nach § 131 StGB und vor allem eine erhebliche Gefährdung des Kindeswohls dar und wirken unter Umständen traumatisierend auf die Zuschauer – auch auf Erwachsene.

Wir als Schule haben alle notwendigen Schritte eingeleitet, insbesondere die Schulaufsicht, das Bildungsministerium sowie die örtliche Polizei eingebunden und angemessene Unterstützungsangebote für die betroffenen Schülerinnen und Schüler eingerichtet. Frau Ministerin Prien hat ihrerseits dazu bereits Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Ich bitte Sie nun darum:

Ihre Kinder kurzfristig in angemessener Weise für den Umgang mit unbekanntem Material in sozialen Medien zu sensibilisieren,

jeden auftretenden Fall im vorgenannten Sinne bei der örtlichen Polizei zur Anzeige zu bringen sowie

mich als Schulleiter/-in über jeden auftretenden Fall im zu informieren.

Gerne weise ich Sie an dieser Stelle darauf hin, dass Sie als Eltern die ihrem minderjährigen Kind ein digitales „smartes“ Gerät zur dauerhaften eigenen Nutzung überlassen, verpflichtet sind, die Nutzung dieses Gerätes durch das Kind bis zu dessen Volljährigkeit zu begleiten und zu beaufsichtigen. Die Verantwortung für die Nutzung liegt auch inhaltlich bei Ihnen als Erziehungsberechtigten.

Unterstützen Sie uns bitte darin, dass unsere Schule auch weiterhin ein Ort von Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen bleibt.

Einen „validen landesweiten Überblick über das Handeln aller Schulen in dieser Frage“ habe er nicht, „aber wir wissen, dass es an den Schulen im Land eine Vielzahl von Medienprojekten und Vorhaben sowie Unterrichtsprozessen zur Stärkung der Medienkompetenz gibt“.

So arbeiteten viele Schulen auch mit dem Offenen Kanal zusammen, um Medientage für Schülerinnen und Schüler anzubieten und auch Eltern einzubinden. Letztere spielten zudem ebenfalls eine Rolle beim Thema Medienkompetenz und -erziehung (siehe Musterbrief der Schulen an Eltern).

Joachim Strunk

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