Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Lauenburg So möchte Groß Schenkenberg Menschen aus der Stadt anlocken
Lokales Lauenburg

So möchte Groß Schenkenberg Menschen aus der Stadt anlocken

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:30 31.10.2021
Sechs Jahre lang hatte der Traditionsvereins SC Rothenhausen keinen Spielbetrieb mehr. Ein neuer Versuch Anfang des Jahres sorgte für eine neue Herrenmannschaft und vier Kinder- und Jugendmannschaften. Für Trainer Frank Möller ist die Nachfrage überwältigend.
Sechs Jahre lang hatte der Traditionsvereins SC Rothenhausen keinen Spielbetrieb mehr. Ein neuer Versuch Anfang des Jahres sorgte für eine neue Herrenmannschaft und vier Kinder- und Jugendmannschaften. Für Trainer Frank Möller ist die Nachfrage überwältigend. Quelle: Lisa-Marie Pohlmann
Anzeige
Groß Schenkenberg

Voller Freude rennen Jungen und Mädchen über den Rasen, jagen dem Ball hinterher und jubeln laut, wenn sie ein Tor erzielen. Das Geschehen wird stolz von den Eltern beobachtet, die am Rand des Spielfeldes stehen. Es ist eine Szene, die in dieser Art schon lange nicht mehr auf dem Sportplatz der Gemeinde Groß Schenkenberg zu sehen war, musste der SC Rothenhausen doch seinen Spielbetrieb 2015 einstellen, weil ihm die Mitglieder ausgingen.

Groß Schenkenberg schafft Angebote für Familien

Dass es für den ländlichen Raum im Kreis hin und wieder schwierig wird, ist nichts Neues. Die Landflucht sei auch in Groß Schenkenberg bekannt, sagt Bürgermeister Bernd Paschen. Deswegen gebe es das Amtsentwicklungskonzept vom Amt Sandesneben-Nusse, das in verschiedenen Themenbereichen beleuchte, wie beispielsweise der Verkehr der Zukunft in den amtsangehörigen Gemeinden aussehen werde. „Ob die Prognosen aber so genau auf Groß Schenkenberg passen, wage ich zu bezweifeln“, äußert der Bürgermeister. Er setzt sich aber auch aktiv dafür ein, seine Gemeinde für Menschen aus Lübeck, Hamburg, Bad Oldesloe und anderen Städten attraktiv zu gestalten. Deswegen freut es ihn umso mehr, dass der SC Rothenhausen nun wieder Zulauf bekommt – und das sogar auch aus Lübeck.

Home@Metropolregion – der Newsletter für Segeberg, Stormarn, Lauenburg und Hamburg

Alles, was die Region umtreibt – jeden Montag gegen 18 Uhr in Ihr Postfach. Hier anmelden für den kostenlosen Newsletter!

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Angebote auf dem Dorf auch für Städtler interessant

„Wir haben hier jemanden, der die 13 Kilometer aus Lübecks Innenstadt extra zu uns kommt“, erzählt Trainer Frank Möller stolz, „das ist Wow.“ Der Spieler habe es schon bei anderen Vereinen in und um Lübeck probiert, doch so richtig gefallen hätte es ihm erst beim SC Rothenhausen. „Vielleicht war Corona unser Glück“, sagt der Trainer, „vielleicht hatten sie die Faxen dicke, weil sie raus wollten.“ Denn nachdem Mitte Mai dieses Jahres die seit 2017 sporadisch kickende Hobbymannschaft der Herren einen Aufruf zur Mannschaftsbildung startete, war der Zulauf mit 27 Leuten überraschend stark. Damit konnten sie den Spielbetrieb für die Herrenmannschaft nach sechs Jahren wieder anmelden.

Hier mischen sich die E- und F-Jugend mit ihren Trainern. Noch ist das Fußballspiel hier frei und offen, da die Kinder die Regeln erst noch lernen müssen. Quelle: Lisa-Marie Pohlmann

Weil bei ihnen Jugendförderung aber auch ein zentrales Thema ist, verteilten sie Flyer und informierten über Instagram und Facebook, dass sie für Kinder- und Jugendmannschaften noch Spielerinnen und Spieler suchen. Mit Erfolg: „Zum ersten Training kamen 40 bis 50 Kinder aus den Nachbardörfern, aber auch aus den Städten“, erzählt Frank Möller. Mit einem derartigen Zulauf hatte niemand gerechnet. Prompt bildeten sich die G-Jugend – die jüngsten Spieler –, die F-, E- und D-Jugend. „Dass gerade so ein kleiner Dorfverein Zukunft hat, ist überwältigend“, sagt der Trainer.

„Lerndorf mona“ bekommt Anfragen aus ganz Deutschland

Doch nicht nur der SC Rothenhausen erfreut sich großer Beliebtheit in und um Groß Schenkenberg, auch die freie Schule „Lerndorf mona“ kann sich vor Anfragen kaum retten. „Der Infoabend letzte Woche war voll“, sagt Christina Heyder, eine der beiden Vorsitzenden des Trägervereins „Moin Kinners“, und ergänzt, dass sie auch täglich Anrufe von Menschen bekämen, die wissen wollen, „was sie noch tun können, um einen Schulplatz bei uns zu bekommen“. Kay Knöll ist ebenfalls Vorsitzende des Vereins, auch sie freut die rege Nachfrage: „Wir bekommen inzwischen schon schriftliche Bewerbungsmappen von Familien“, sagt die Mutter.

Mehr zum Lerndorf mona

Die freie Schule nennt sich aus gutem Grund „Lerndorf mona“: mo-dern und na-turnah wollen sie nämlich sein. Dabei steht zu jeder Zeit die Individualität des Kindes im Vordergrund, dem ebenso die benötigte akademische Kompetenz mitgegeben werden soll. Das Konzept der geplanten Grund- und Gemeinschaftsschule sieht eine zehnjährige Schulausbildung vor. Genehmigt wurde es dieses Jahr, sodass das Lerndorf am 1. August 2021 die Einschulung von 27 Kindern feiern konnte. Davon sind fast die Hälfte in der ersten Klasse.

Unterstützt werden die Kinder von Lernbegleitern, die allesamt eine pädagogische Ausbildung genossen haben. Feste Klassenräume gibt es dabei nur bedingt, denn das Lerndorf mona ist zwar im Gemeindegebäude „Alte Schule“ eingemietet, doch gilt das nicht für den Unterricht. Der kann auch draußen auf einem Feld, im Wald oder ganz woanders stattfinden. Eben dort, wo es auch sinnvoll sei, den Kindern bestimmte Themen nahzubringen.

Erreichbar ist die freie Schule unter der 01 57/522 400 36 zu den Bürosprechzeiten von 8.30 bis 12 Uhr montags bis freitags oder unter info@lerndorfmona.de.

Das Einzugsgebiet des Lerndorfs mona umfasst das Herzogtum Lauenburg, reicht aber auch bis Bargteheide, Bad Oldesloe und Lübeck. „Es sind Familien aus München und Hessen aber auch schon zu uns gezogen“, erzählt Christina Heyder. Auf die Schule gehen aber auch viele Kinder aus Groß Schenkenberg und Klein Schenkenberg: „Das ist bunt gemischt“, sagt Kay Knöll.

Bürgermeister Bernd Paschen (v.l.) ist überzeugt vom "Lerndorf mona", das durch die beiden Vorsitzenden, Christina Heyder und Kay Knöll, des Trägervereins "Moin Kinners" ins Leben gerufen wurde. Quelle: Lisa-Marie Pohlmann

Bürgermeister setzt auf Ehrenamt

Die beiden Vorsitzenden von „Moin Kinners“ bemerken auch, dass das Projekt an sich viel Aufmerksamkeit bekommt, da sie scheinbar „am Puls der Zeit liegen“, schildert Christina Heyder ihren Eindruck. Dem schließt sich auch Bürgermeister Bernd Paschen an, der vom Projekt begeistert ist: „Da gibt es nur Vorteile, keine Nachteile.“ Hinzu kommt, dass die Schule im Gemeindehaus eingemietet ist. Das wird neben der Gemeindevertretung auch von der Freiwilligen Feuerwehr und dem Sportverein genutzt, dient zugleich auch als Treffpunkt fürs Seniorencafé. „Da helfen die Kinder auch sehr gern“, erzählt Kay Knöll. „Das bringt die Generationen wunderbar zusammen“, bestätigt Bernd Paschen.

Der Bürgermeister möchte mit der Gemeindevertretung zusammen eine Zukunft aufbauen, in der mit viel ehrenamtlichen Engagement eine lebenswerte Umgebung in der Gemeinde geschaffen werden soll. „Vorhandene Sport-, Freizeit- und Bildungsangebote im Ort tragen dazu bei, dass sich junge Familien für ein Leben auf dem Land entscheiden“, erklärt Bernd Paschen. Die Belebung von gemeinschaftlich genutzten Räumen – innen wie außen – trage dazu bei, dass soziale Verknüpfungspunkte zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Gesinnungen entstehen, die eine Gemeinde als Lebensort sehr attraktiv machen.

Von Lisa-Marie Pohlmann