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Lauenburg Sphärische Klänge auf Instrumenten aus Eis
Lokales Lauenburg Sphärische Klänge auf Instrumenten aus Eis
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19:39 19.01.2018
Sphärische Klänge und kuriose Instrumente auf der Bühne in Mölln: Der norwegische Perkussionist Terje Isungset entlockt unförmigen Eiselementen Klänge, die sich harmonisch in die Stücke einfügen.  Quelle: Neff, Grombein
Mölln

Es war im norwegischen Lillehammer. Terje Isugnset stand unter einem gefrorenen Wasserfall. Der Schlagzeuger fing an, auf Eiszapfen wie auf dem „Chimes“ genannten Instrument aus Metallstäben zu spielen. Das klang gut und war vor über 20 Jahren die Initialzündung für seine Eismusik.

Es sind sphärische Klänge, die über den Stadthauptmannshof schallen, während Zuhörer eingewickelt in Decken sitzen oder am Feuerkorb stehen. Und was der Künstler vorher im Interview beschrieben hat, stimmt: Es sind der Klang von Eis, das Rauschen von Wasser und die helle, klare und fein intonierte Stimme von Sängerin Maria Skranes, die zu einem Gesamtkonzept verschmelzen. Für Isungset hat das Wasser eine spirituelle Bedeutung. Weltweit spiele Wasser eine Rolle. Einige Menschen hätten zu wenig davon, andere zu viel – wenn man an Hochwasser und schmelzende Polkappen denke. Und auch unser Körper bestehe zum größten Teil aus Wasser. „Wir sind auf dieser Erde zu Gast“, sagt Isungset.

Terje Isungset und Maria Skranes bringen Eis zum klingen. Eine Assistentin (l.) sorgte dafür, das die Instrumente gut gekühlt wurden.

Die Musik auf Xylophonen, Hörnern und Trompeten aus Eis ist vom Klanspektrum her begrenzt, sagt er. Doch das sei wiederum eine Chance, die Musik mit anderen Elementen aufzufüllen. Der Rhythmus liegt dem Norweger im Blut. Temposchwankungen gibt es auch nicht, wenn er einen Eis-Schlegel im zerstoßenen Eis bewegt, um den Takt für Sängerin Maria Skranes vorzugeben.

In Mölln hat Isungset bereits dreimal gespielt. Es sind der Folkclub um Jörg-Rüdiger Geschke und seine Mitstreiter, die seit Jahren ausgesuchte Musiker in die Stadt holen. „Bei unseren ,Folksfesten‘ haben internationale Künstler erfahren, wie gut die Bedingungen für Livemusik sind“, so Geschke. Den jetzigen Auftritt unterstützte die Stiftung Herzogtum Lauenburg.

Der Eismusiker tritt mit Skranes sonst vor großem Publikum in Murmansk, Tokio oder München auf. Der Perkussionist ist einer der gefragtesten und interessantesten Musiker Skandinaviens. Etwa die Financial Times stellte Isungset als bisher einzigen Norweger in der Rubrik „First Person“ vor. 

Florian Grombein