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Lauenburg 35 Brutpaare ziehen 75 Küken groß
Lokales Lauenburg 35 Brutpaare ziehen 75 Küken groß
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16:29 24.09.2018
"Meister Adebar" fühlte sich auch in diesem heißen Sommer 2018 sehr wohl im Lauenburgischen. Quelle: Nabu/Hfr
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Ratzeburg

Trudel und Heinz-Achim Borck, die hiesigen Gebietsbetreuer des Nabu für den Weißstorch, sind mit der abgelaufenen Brutsaison im Kreis Herzogtum Lauenburg sehr zufrieden. „Trotz der großen Sommerhitze haben wir mit 35 Brutpaaren und 75 flüggen Jungstörchen ein gutes Ergebnis erzielt“, erklären die beiden Möllner.

Damit zählten die ehrenamtlichen Storch-Experten acht Paare mehr als im vergangenen Jahr – die allesamt stolze Eltern wurden. Sieben Paare hatten dieses Mal keinen Erfolg. Die Zahl der Jungstörche stieg gegenüber 2017 um einen auf 75. Von den 166 bekannten Nestern im Kreisgebiet wurden 56 angenommen und genutzt.

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„Es konnte nur besser werden“

„Nach dem katastrophalen Jahr 2017, als es extrem nass und kalt war, konnte es diesmal eigentlich nur besser werden“, erklärt Jörg Heyna, Nabu-Storchenbetreuer aus Flensburg, der die Zahlen aus allen Kreisen Schleswig-Holsteins zusammentrug und dadurch einen Überblick für das ganze Land gewann.

„Meister Adebar“ im Lauenburgischen

Die große und andauernde Hitze und Trockenheit hatten die Vögel dagegen nicht von der Fortpflanzung abgehalten. „Dieses Jahr kann man eigentlich als normal bezeichnen – was die Zahl der Bruterfolge betrifft. Das lag zum einen daran, dass die meisten Störche schon sehr früh aus ihrem Winterquartier zurückkehrten“, so Heyna. Im Kreis Herzogtum Lauenburg war der Nusser Storch der erste (am 30. Januar), es folgten kurz darauf seine „Kollegen“ aus Berkenthin und Krüzen. Der letzte Heimkehrer erschien erst am 20. April.

Ausreichendes Nahrungsangebot

„So konnten die Tiere dann auch bald mit der Brut beginnen“, erzählt Heyna weiter. Und bis in den April und Mai hinein gab es auch noch ein ausreichendes Kleintierangebot wie Käfer und Insekten zur Fütterung der geschlüpften Küken. Die Entwicklung des Nahrungsangebots verlief landesweit dabei auch unterschiedlich – was sich wiederum auf die Entwicklung der Küken auswirkte.

Beispielsweise verdoppelte sich die Zahl der später flüggen, also ausgeflogenen Stelzvögel im Kreis Schleswig-Flensburg um 30 Tiere auf 63. In anderen Kreisen im Landessüden wie Segeberg oder Herzogtum Lauenburg waren die Zuwachsraten wesentlich geringer.

Daten und Fakten

Von den insgesamt 35 erfolgreichen Brutpaaren war jenes aus Gülzow in diesem Jahr am erfolgreichesten. Es zog vier Junge auf. Des Weiteren zählten die Storchbetreuer sieben Einer-, 14 Zweier- und zwölf Dreier-Gelege. Auch brüteten acht Paare mehr als im Vorjahr, insgesamt wurden 75 (2017: 74) Jungvögel aufgezogen. Sieben Paare hatten keinen Bruterfolg. Im Tierpark Krüzen sind zwei weitere Junge aufgewachsen. Doch als fütterungsabhängige Zootiere finden sie keinen Eingang in die Nabu-Statistik.

In Langenlehsten registrierte das Ehepaar Borck eine Horstneubesetzung, wo erfolgreich zwei Junge aufgezogen wurden. Aus Breitenfelde wurden dagegen die ersten drei Jungen als verendet gemeldet und in Wiershoop wurden vier Eier aus dem Nest geworfen. In Walksfelde wurde ein verletzter Jungstorch eingefangen und zur weiteren Aufzucht nach Eekholt gebracht. Aus Sahms wurden insgesamt zwei verletzte Altvögel gemeldet.

In Güster und Schulendorf hielten sich kurz Störche auf, die in Schweden beringt wurden. Die Ergebnisse der Ablesungen stehen hier aber noch aus.

Nur gefühlt früher abgereist

 Nachdem die meisten „Klapperstörche“ also schon recht früh bei uns gelandet waren, machten sie sich gefühlt auch zeitig wieder auf den Weg zurück in Richtung Afrika. „In diesem Jahr sind viele der Störche bereits Ende Juli in den Süden gestartet“, sagt Trudel Borck, „es wurden sogar Abflüge als Familienverband beobachtet.“

Diesen gefühlten Eindruck kann Jörg Heyna dagegen nicht bestätigen. „Das können wir anhand der sogenannten ,Senderstörche’ nachverfolgen. Tatsächlich war die Abreise bei den meisten allenfalls ein bis zwei Tage früher.“ Außerdem gebe es immer noch etliche Nachzügler, wie beispielsweise zwei Störche in oder bei Sandesneben. „Das sind diejenigen, die nach Spanien fliegen. Dort sind sie nach einer bis anderthalb Wochen. Die trödeln rum ohne Ende!“

Jetzt beginnt die Reparaturzeit

Während der Absenz der Störche im Winterhalbjahr kümmern sich die Nabu-Helfer um die maroden Nester. Bereits Anfang Februar wurden einige Hilfsmaßnahmen durchgeführt. So erfolgten Neuaufsetzungen von Plattformen in Langenlehsten, Lauenburg sowie in Anker, wo das Nest abzustürzen drohte. In Lauenburg hatten Störche schon mehrmals auf dem Schornstein des Betonwerkes ein Nest aufgebaut und gebrütet. Um eine bessere Neststabilität zu erreichen, wurde mit Unterstützung der Lauenburger Feuerwehr eine Plattform aufgesetzt und befestigt.

In Alt-Mölln, Bälau, Horst, Kehrsen, Kittlitz, Klinkrade, Krummesse, Labenz und Schmilau wurden die Nester je nach Bedarf verkleinert und gereinigt. Diese Nester sind auch mit Füllmaterial für die neue Brutsaison ausgestattet worden. Bedingt durch die Trockenheit des Sommers konnten bereits im August Rückschnitte der Nester in Koberg und Hamfelde durchgeführt werden, wobei die Arbeit in Hamfelde wegen eines Wespennestes schnell abgebrochen werden musste.

Für das kommende Halbjahr sind ebenfalls mehrere Hilfsmaßnahmen eingeplant. Nach Möglichkeit werden die Arbeiten noch in diesem Herbst fortgesetzt, spätestens im nächsten Frühjahr. Trudel und Heinz-Achim Borck danken in diesem Zusammenhang den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und allen anderen Unterstützern wie Storchennestbesitzern, Privatleuten, Firmen und Feuerwehren des Kreises. Ein ausdrücklicher Dank gilt der Firma Manske Baumaschinen, Breitenfelde, für die freundliche Unterstützung der Schutzbemühungen.  

Joachim Strunk

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