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Lauenburg Streuobstwiese als „Quell‘ der Aromen und Düfte“
Lokales Lauenburg Streuobstwiese als „Quell‘ der Aromen und Düfte“
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20:10 19.08.2014
Arno Josef Dirker von der gleichnamigen Edelbrennerei aus Mömbris in Südhessen, erntete auf der Ratzeburger Streuobstwiese Reiser von Primitivpflaumen für seinen Betrieb.
Ratzeburg

Ehre, wem Ehre gebührt, lautet ein deutsches Sprichwort. Dieses lässt sich wohl auf beide „Parteien“ anwenden, die sich nun auf der Ratzeburger Streuobstwiese an der Ortsgrenze der Kreisstadt zu Einhaus trafen. Arno Josef Dirker, Eigentümer der gleichnamigen Edelbrennerei aus dem südhessischen Mömbris (www.dirker.de), kam nach Ratzeburg, um Reiser von Primitivpflaumen für seinen eigenen Betrieb zu ernten.

Auf 14 Hektar seines Familienbetriebes hat der Mann aus Hessen mehr als 10 000 Obstbäume angepflanzt und stellt mit 14 Angestellten jährlich 60 000 Flaschen mit Obstschnäpsen und Obstlikören her. Etwa 50 zum Teil hochdekorierte Brände hat er auf seiner Preisliste, vor allem Apfelbrände, darunter sortenreine von Golden Delicious und Cox orange, aber natürlich auch Williams-Christ-Brand, Kirschwasser und Mirabellenschnaps gehören zu Dirkers Angebot. Hinzu kommen auch „exotische“ Produkte wie der Geist von Knoblauch, Steinpilz oder Haselnuss. Ein Umsatzrenner ist sein Feldzwetschgenwasser, im Holzfass gelagert.

„Die Zeit ist schnelllebig, die Kunden wollen immer wieder etwas Neues. Insofern stellen wir jeden Monat neue Destillate her“, sagt Dirker, der stets auf der Suche nach neuen aromareichen Sorten ist.

So kam es schon vor längerer Zeit zu einem Kontakt zwischen seiner Brennerei und Pflaumenexperte Peter Schlottmann, der die Streuobstwiese in Ratzeburg betreut. „Der Besuch von Herrn Dirker ist ein weiterer Schritt zur Erhaltung der Sippen, denn mit Nutzung der Gehölze kommt es zur Ausbreitung und deren Schutz“, erklärt Schlottmann, der seine rund 600 Pflaumenbäume vor allem für die Forschung pflegt. „Viele von ihnen haben besondere Gene, die sie immun machen gegen schwierige Krankheiten, oder sie sind Selbstbefruchter, was in einer künftigen Zeit mit Bienenarmut sehr wichtig bei der Züchtung neuer Sorten werden kann“, erklärt Schlottmann.

Aber auch der Erhalt alter Sorten ist ein wichtiges Ziel für die Streuobstwiese. Vor allem in den vergangenen 30 Jahren seien sehr viele Obstsorten ausgerottet worden. Dirker berichtet: „Unsere Familie hatte ursprünglich Obstplantagen betrieben. Doch als in den 1970er Jahren der Verkauf von Frisch- und Tafelobst stagnierte, habe ich das überschüssige Obst zum Haltbarmachen vergoren und destilliert oder als Wein verkauft. Seit dieser Zeit bin ich auf der Suche nach Obst mit mehr Aroma und höherem Zuckergehalt, ohne gespritzt werden zu müssen.“

Die Ratzeburger Streuobstwiese bezeichnet Dirker als „eine Genbank von unwiederbringlichen Ressourcen und somit ein Quell‘ der Aromen und Düfte“.

Schlottmann schlug Dirker eine Liste vor von zwei Dutzend Zwetschen, Kricken, Wiecheln, Kreeken, Kreeten, Spillingen, Kirschpflaumen und Schlehen. Dirker begnügte sich zunächst mit je zehn Reisern von vier bis fünf Sorten. Reiser sind Zweige, die zur Pflanzenveredelung auf andere Pflaumenbäume aufgepfropft werden. Im nächsten Jahr kann dann schon geerntet werden und Dirker sich „zu geistvollen, geistreichen Kunstwerken inspirieren lassen“. Möglicherweise ziert demnächst Peter Schlottmanns Charakterkopf das Etikett eines besonderen Edelbrandes vom gelben Spilling . . .

unk

Internationaler Ruf
Wissenschaftlich hoch angesehen ist die Streuobstwiese. So kamen erst am 15. August dieses Jahres vier Botaniker der Universität Groningen aus den Niederlanden zu Forschungszwecken nach Ratzeburg.



Volksfestcharakter hat dagegen der alljährliche Pflaumentag auf der Streuobstwiese, der jetzt wieder am Sonnabend, 23. August, stattfindet.

LN

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