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Lauenburg TIER DER WOCHE
Lokales Lauenburg TIER DER WOCHE
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18:10 30.06.2018

Nur für den Fotografen scheint die Bachstelze hier durch eine Pfütze zu laufen, ansonsten stelzt sie nicht durch Bäche. Vogelnamen sind manchmal irreführend und beruhen dann vielleicht auf Fehlern früherer Beobachter. Sieht man am Ufer unserer naturnahen Bäche Hellbach oder Steinau eine Stelze laufen, dann ist es die gelbe Gebirgsstelze, die keineswegs auf Gebirge beschränkt ist.

Unsere schwarz-weiß-graue Bachstelze dagegen, die wegen ihres ständig auf und ab wippenden, langen Schwanzes auf Plattdeutsch Wippsteert genannt wird, läuft als typischer Kulturfolger viel lieber über Hofplätze, Rasenflächen oder Feldwege, auch weitab vom Wasser. Solche freien Flächen schreitet die Bachstelze mit ihren langen Beinen nach Insekten ab. Entdeckt sie eins, rennt sie ein paar Schritte vor und hat es dann meistens im Schnabel. Besonders ergiebig ist die Suche in der Nähe von Misthaufen und Silagelagern. Am häufigsten ist die Bachstelze deswegen in Dörfern, wo sie als Nischenbrüter auch Nistplätze in halboffenen Ställen, Schuppen und Scheunen oder in Holzstapeln findet.

Die Bachstelze ist ein beliebter Kuckuckswirt. Zur Eiablage muss das Kuckucksweibchen seine Scheu vor dem Menschen überwinden und der Bachstelze bis in die Dörfer folgen. In den vergangenen Jahren sind im Herzogtum Lauenburg zwei Nachweise von jungen Kuckucken in Bachstelzennestern bekannt geworden, einer in Salem an einer von Weinreben bewachsenen Hauswand und einer in Fortkrug in einem Blumenkübel vor der Haustür.

TEXT: KARSTEN GÄRTNER / FOTO: WOLFGANG BUCHHORN

LN