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Lauenburg Thies’sches Haus in Wohltorf: Und plötzlich war’s denkmalgeschützt
Lokales Lauenburg Thies’sches Haus in Wohltorf: Und plötzlich war’s denkmalgeschützt
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13:21 18.04.2019
Das Thies’sche Haus in Wohltorf ist nun nicht nur Gemeindezentrum, sondern auch Kulturdenkmal. Quelle: Lothar Neinass
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Wohltorf

Im Jahr 1867 wurde das Thies’sche Haus am Dorfteich als Kleinbauernhaus mit einem Verkaufsladen errichtet. Bauherr war Jochen Adolph Thies. Alte Wohltorfer erinnern sich noch an die Schwestern Ida und Frieda Thies, die in dem Laden Lebensmittel verkauften. Nichts war abgepackt. Alles lagerte in Schubladen. Die Einkäufe wurden in Tüten abgefüllt. Moderne Kühlschränke gab es damals nicht. Als Zugabe gab es für Kinder, die ihre Eltern oder Großeltern begleiteten, bunte „Bonsches“ aus einem großen Glas. Die Familie Thies hatte keine Nachfolger. So vererbte sie das Gebäude im Jahr 1987 an die Gemeinde Wohltorf.

Vom Lebensmittelladen zum Gemeindehaus

Die Gemeinde wusste nicht, was sie mit dem Erbe anfangen sollte. Die Kommunalpolitiker entschieden sich zunächst für einen Verkauf. Der kam aber wegen der Auflagen der Gemeinde nicht zustande. Auf Drängen des damaligen Gemeindevertreters Adolf Aust entschied die Gemeinde dann, das Gebäude zum Gemeindehaus umzubauen. Der Gemeindevertretung war bei allen Überlegungen klar, dass sich am Äußeren so gut wie nichts ändern sollte. Auch die hundert Jahre alte Einrichtung des Kaufmannsladens sollte erhalten bleiben.

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Hier lesen Sie eine Reportage aus unserer Serie „Hinter alten Mauern“ über das Thies’sches Haus.

Rund 500 000 Mark hat die Gemeinde in den Umbau gesteckt. Im ehemaligen Stall entstand ein Veranstaltungsraum. Hier trifft man sich vormittags zu Kursen der Volkshochschule oder zur Seniorengymnastik. Abends treffen sich in dem Raum die Mitglieder der Gemeindevertretung zu Sitzungen. Im Erdgeschoss residieren der Bürgermeister und seine Sekretärin zu Sprechstunden. Im Obergeschoss haben das DRK und die Gemeinbücherei ihre Räume. „Das Thies’sche Haus hat sich zu einem lebendigen Zentrum unserer Gemeinde entwickelt“, sagt Bürgermeister Gerald Dürlich.

Denkmalschutz: Überraschende Nachricht aus Kiel

Überrascht war er, als er vom Landesamt für Denkmalpflege aus Kiel die Nachricht bekam, dass das „Thies’sche Haus einschließlich der Linden auf dem Grundstück“ zum Kulturdenkmal erklärt worden ist. Es gab weder einen Antrag der Gemeinde, noch war sie vor der Entscheidung um eine Stellungnahme gebeten worden. „Für uns war das älteste Gebäude in Wohltorf inzwischen zu einem Juwel geworden, welches wir schützen und pflegen wollen. Doch ohne unsere Beteiligung wurden Haus und Grundstück zum Kulturdenkmal.“

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Der Grund für diese überraschende Entscheidung war eine Gesetzesänderung. Nach den Worten von Bürgermeister Gerald Dürlich ist das Haus Thies bereits seit 1988 als „einfaches Kulturdenkmal“ registriert. Im Jahr 2015 wurde das Denkmalschutzgesetz geändert. Die Unterscheidung zwischen einfachen und besonderen Kulturdenkmälern wurde aufgehoben. Und das Landesamt für Denkmalpflege hat das Thies’sche Haus als Denkmal eingestuft.

Für Bürgermeister Gerald Dürlich ist die Entscheidung des Denkmalamtes kein Problem, denn die Gemeinde will das Gebäude dauerhaft unterhalten und pflegen. „Vielleicht bekommen wir für notwendige Unterhaltungsarbeiten künftig auch Zuschüsse“, hofft Gerald Dürlich.

Lothar Neinass