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Lauenburg Transport-Schiff fährt sich auf der Elbe fest
Lokales Lauenburg Transport-Schiff fährt sich auf der Elbe fest
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06:29 29.07.2019
Ein Schubverband hat sich am Sonntag auf der Elbe festgefahren. Quelle: TIMO JANN
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Geesthacht

Havarie auf der Elbe vor Krümmel: Ein Schubverband ist am Sonntagnachmittag aus noch ungeklärten Gründen auf Grund gelaufen. Als Schubverband bezeichnet man die temporäre Kombination eines Schubschiffes mit einem oder mehreren Leichtern (antriebslose Ladungsbehälter).

Nach einer Stunde gelang es dem polnischen Kapitän, das aus dem Antrieb und zwei Schubleichtern bestehende Schiff wieder aus eigener Kraft freizubekommen. Die drei Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Zahlreiche Menschen bestaunten das Manöver vom Ufer aus.

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Das Schiff verließ die Fahrrinne

Gegen 15 Uhr war der Schubverband elbabwärts unterwegs. Der hintere Leichter war mit Containern beladen, der vordere leer. Das Schiff kam aus Wittingen und hat Bremerhaven als Zielort. „Der ist plötzlich rechts abgebogen, als ginge es dort in einen Hafen“, berichtete ein Sportbootfahrer, der das Malheur live verfolgt hatte. Plötzlich saß der vordere Leichter auf Grund.

Ein Schubverband hat sich am Sonntag auf der Elbe festgefahren. Quelle: TIMO JANN

Wegen der anhaltenden Trockenheit führt die Elbe derzeit wieder extremes Niedrigwasser. Zwar ist die Elbe von der Geesthachter Schleuse bis zur Abzweigung in den Elbe-Seiten-Kanal schiffbar, doch die Fahrrinne darf auf keinen Fall verlassen werden.

Genau das war, warum ist unklar, dem Kapitän am Sonntagnachmittag passiert. Zeitweise lag der Schubverband 90 Grad gedreht quer in der Fahrrinne. Während ein Bootsmann mit einer Latte die Wassertiefe peilte, versuchte der Schiffsführer, mit seinen Fahrmanövern vom Grund freizukommen. Dabei war am Ufer zu hören, wie das Bodenblech des Leichters über den Grund schrammte. Gegen 16 Uhr schwamm der Leichter wieder frei, der Verband nahm wieder Fahrt Richtung Schleuse auf.

Rekord-Niedrigwasser droht

Der Pegel der Elbe in Höhe Lauenburg liegt aktuell bei 4,21 Metern, normal sind es 30 Zentimeter mehr. Weiter elbaufwärts sieht es dramatisch aus. In Neu Darchau wurden am Sonntag 74 Zentimeter gemessen, Tendenz fallend. 2018 wurde dort der niedrigste jemals gemessene Wasserstand mit 63 Zentimetern festgestellt. Da derzeit kein Wasser von oben nachkommt, könnte diese junge Rekordmarke nach Einschätzung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes schon in einer Woche eingestellt werden.

Ein Schubverband hat sich am Sonntag auf der Elbe festgefahren. Quelle: TIMO JANN

Frachter müssen über Kanäle ausweichen

Für die Schifffahrt ist auf der Elbe längst kein Durchkommen mehr. Frachter zwischen Hamburg und Magdeburg oder Berlin müssen über die Kanäle ausweichen. Dabei ist aktuell von dem Niedrigwasser nicht einmal nur die noch nicht ausgebaute Reststrecke bei Hitzacker unpassierbar.

Für Dresden wagen die Behörden aktuell gar keine Abschätzungen zur Entwicklung des Wasserstandes mehr. Touristenschiffe können dort nur noch eingeschränkt fahren.

Und auch Lauenburgs Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ musste seinen Fahrplan bereits ändern. „Wir hatten letztes Mal schon Schwierigkeiten, nach Hitzacker zu kommen, da mussten wir die Fahrt abbrechen“, erklärt Kapitän Markus Reich. „Es sieht nicht so aus, dass sich die Situation verbessern würde“, sagte er am Sonntag.

Timo Jann