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Lauenburg Überfall zum Ladenschluss: Kassiererin in Ratzeburg bedroht
Lokales Lauenburg Überfall zum Ladenschluss: Kassiererin in Ratzeburg bedroht
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22:17 23.01.2015
Am Donnerstagabend gegen 19.50 Uhr wurde in Ratzeburg in der Heinrich - Hertz  Straße der Aldi Markt überfallen. Die Täter konnten unerkannt flüchten. Quelle: Christian Nimtz
Ratzeburg

Drei bisher unbekannte Männer haben am Donnerstagabend kurz vor Toresschluss den Aldi-Markt in der Ratzeburger Max-Planck-Straße überfallen. Dabei haben die Täter Bargeld in unbekannter Höhe erbeutet. Dieser Überfall ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Gegen 19.50 Uhr, also zehn Minuten, bevor der Einkaufsmarkt schließt, sind noch drei junge Männer im Geschäft. Und eine 26-jährige Angestellte an der Kasse. Zudem ist auch noch eine 38-jährige Angestellte im Dienst. Wo genau diese Mitarbeiterin sich zu diesem Zeitpunkt aufgehalten hat, ist nicht bekannt.

Die drei jungen Männer wollen offenbar eine Tafel Schokolade kaufen, doch als sie zum Bezahlen an die Kasse kommen, die nur wenige Meter vom Ausgang entfernt ist, ändern sie ihr Vorhaben. Während einer der drei Männer plötzlich hinter der Kassiererin steht und ihr „einen Gegenstand“ in den Rücken drückt, fordern alle drei Männer von der verdutzten jungen Frau, die Kasse zu öffnen und das Geld herauszurücken.

Doch die Kassiererin kommt dem Begehren der Männer wohl nicht schnell genug nach. Sie schlagen auf die Kasse, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Dabei springt die Kassenlade auf. „Jeder der Männer hat in die Kasse gegriffen und Bargeld herausgenommen. Insgesamt ist die Beute aber gering gewesen“, erklärt die Pressesprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg, Sonja Kurz. Danach sollen die Täter nach Angaben der Kassiererin in aller Seelenruhe und ohne Hast den Einkaufsmarkt verlassen haben. Ein Mann und eine Frau, die zu dieser Zeit ihre Einkäufe gerade in ihren Autos verstauten, bestätigen das. Erst als die Täter mitbekommen, dass sie von Menschen auf dem Parkplatz gesehen werden, setzen sie ihre Flucht in Richtung Heinrich-Hertz-Straße im Laufschritt fort. Dann verliert sich ihre Spur. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb erfolglos.

„Bei dem Überfall wurde niemand verletzt. Auch die Angestellten mussten nicht ärztlich versorgt werden“, sagt die Polizeisprecherin. Allerdings hat die Angestellte eine erste Beschreibung der drei Männer abgegeben. So fahndet die Polizei nun nach drei Männern im Alter von 25 bis 30 Jahren mit südländischem Aussehen, gepflegtem Äußeren und drei-Tage-Bart. Ein Täter, etwa 1,75 Meter groß, soll einen schwarzen Pullover mit grauem Muster getragen haben. Er war nicht maskiert. Ein zweiter Täter, etwa 1,80 Meter groß, war dunkel gekleidet und trug einen schwarzen Pullover und eine Wollmütze auf dem Kopf. Der dritte Mann war 1,75 Meter groß, war ebenfalls nicht maskiert und trug eine schwarze Kapuzenjacke.

Die Kriminalpolizei in Ratzeburg bittet Zeugen, die die drei Männer noch auf der Flucht in der Heinrich-Hertz-Straße, Bahnhofsallee oder Matthias-Claudius-Straße gesehen haben oder in diesem Zusammenhang ein verdächtiges Fahrzeug in Tatortnähe bemerkt haben, sich mit ihr unter Telefon 04541/8090 zu melden.

Auf Nachfrage wollte sich Aldi nicht zu dem Vorfall äußern. Nach LN-Informationen soll es allerdings schon seit längerer Zeit eine Anweisung geben, große Scheine nicht in der Kasse zu lagern. Es gab sogar Zeiten, die noch nicht so lange zurück liegen, in denen Aufkleber an den Fenstern der Einkaufsmärkte klebten mit dem Hinweis, dass kein Geld in der Filiale gelagert werde. Da Aldi offenbar grundsätzlich keine Stellungnahmen abgibt, bleibt auch unklar, wie das Unternehmen seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen künftig vor solchen Überfällen bestmöglich schützen will.

Geäußert haben sich einige Kunden, die tagtäglich in Ratzeburg einkaufen und auch öfter bei Aldi sind. Auf die Frage, ob sie Angst habe, dort am Abend einzukaufen, antwortete Silke Grbbecker-Wiemer: „Ich werde meine Einkaufsgewohnheiten dadurch aber nicht ändern.“

Christina Fasel aus Ratzeburg sagt: „Wer macht so etwas nur? Das muss doch schlimm für die Angestellte sein, die das miterleben musste.“

Markant-Leiter erlebte mehrmals Überfälle
Marktleiter Marco Ripke leitet den Markant-Markt gleich neben Aldi in der Max-Planck-Straße. Von dem Überfall hat Ripke nichts mitbekommen. Er sei erst von der Polizei aufgesucht worden, als der Überfall schon längst vorbei war. Und da wollte die Kripo wissen, ob diese drei Täter eventuell schon bei ihm im Markt gesehen worden seien. „Natürlich macht man sich Gedanken“, sagte Ripke den LN.


Mehrere Überfälle habe er als Marktleiter schon erlebt. „Vor solchen Taten kann man sich nicht schützen. Man kann aber sehr wohl dafür sorgen, dass die Beute der Täter nicht sehr groß
ausfällt. Dafür gibt es auch Anweisungen aus der Zentrale. Man muss versuchen, die Ruhe zu bewahren und sollte auf keinen Fall versuchen, den Helden zu spielen. Das kann ganz leicht nach hinten los gehen und außerdem sind die Unternehmen doch gegen solche Überfälle versichert“, sagte Ripke. jeb

Jens Burmester