Es war einst eine karge und arme Heidelandschaft, die Region um Brunsmark. Doch dann entschieden die zum damaligen Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg gehörenden Herren, auf den weiträumigen Heideflächen Wald zu begründen.
Die Revierförsterei Brunsmark wurde gegründet und zunächst Pflanzgärten zur Anzucht von Bäumen angelegt und im Lauf der folgenden Jahrzehnte vor allem Kiefern, Fichten und Lärchen gezogen und gepflanzt. An die Heidelandschaft erinnern gut 260 Jahre nach der Gründung der Revierförsterei nur noch ein paar Flurnamen wie „Haidkoppel“ und „Auf der Heide“ oder die Sangesgruppe „Brunsmarker Heidelerchen“.
„Diese Art der Bestandsgründung entsprach dem damaligen Holzbedürfnis und den damals etablierten Kenntnissen der Pflanzenzucht“, sagt Henner Niemann, Leiter der Kreisforsten, beim Spaziergang durch den heutigen Wald und macht an einer mächtigen Lärche Halt. Ein Baum, der noch heute als Zeitzeuge der ersten Waldgeneration gilt. Pflanzen, pflegen, ernten – mehr als zweihundert Jahre lang war dies die gute forstliche Praxis. „Für die Ansprüche und Zielsetzungen der damaligen Zeit hatte sich diese Bestandsbewirtschaftung bewährt. Sie lieferte das benötigte Holz und die gewünschten Erträge“, sagt der Forstexperte.
Künstliche Vorausverjüngung
Doch drei Waldgenerationen nach der Gründung der Brunsmarker Revierförsterei hat sich die forstliche Praxis grundlegend gewandelt. Bereits ab den 70er Jahren hat in den Kreisforsten ein Umdenken eingesetzt – ohne politischen Druck. Baumarten, die auf den lauenburgischen Böden natürlicherweise vorkommen würden, wurden gefördert. Es war der Beginn des naturnahen Waldumbaus. „Die damalige Art von einseitigem Wald hat nach heutigem Verständnis und Erkenntnis jedoch erhebliche – vor allem ökologische – Nachteile“, sagt Niemann.
Zunächst wurden Fichtenbestände großfläßig geräumt und durch Eichen ersetzt. Seit den 90er Jahren ist man noch einen Schritt weiter. Schon lange, bevor der vorhandene Baumbestand seine Hiebreife, also Erntereife, erreicht, werden Sprösslinge standortgerechter Baumarten, vor allem der Buche im Schutz des Altbestandes gepflanzt. Vorbau nennt sich diese künstliche Vorausverjüngung eines Bestandes.
Kahlschläge sind Geschichte
Während sich die jungen Bäume unter dem Schirm alter Fichten geschützt vor brennender Sonne, Sturm oder Austrocknung des Bodens entwickeln können, wird der Altbestand sukzessive genutzt, also je nach Bedarf und Reife gefällt und verwertet. „Hinzu kommen in den entstehenden Lücken und Löchern andere Baumarten wie Eichen, Ebereschen, Kiefern, Lärchen, Weiden oder Birken aber eben auch Fichten, die sich durch natürlich eingetragene Samen von Mutterbäumen auf diesen kleinen Lichtungen ansiedeln“, sagt Niemann. „Das Ziel unseres Waldumbaus sind reichstrukturierte, artenreiche, Wälder. Der Buchenvoranbau, ergänzt durch Naturverjüngung leistet dazu seinen Beitrag.“
Nur, wo es erforderlich ist, würden die Förster und Waldarbeiter steuernd eingreifen. Gleichwohl sei es jedoch auch wichtig, diesen – wenn auch im Vergleich zu Buchenwäldern ökologisch nicht so wertvollen – Fichtenbestand als eben solchen Schutzschirm selbst zu schützen. Auch ein Grund, warum im Waldgesetz größere Kahlschläge inzwischen verboten sind. In einem FSC-zertifizierten Wald wie den Kreisforsten sind sogar nur bis 0,3 Hektar, also 3000 Quadratmeter, zulässig.
Kohlendioxidbundung gegen den Klimawandel
Großkalamitäten, also Schadensereignisse, durch Sturm, Waldbrand oder auch Schädlingsbefall würden die Fichten zwar schneller verschwinden lassen, aber dadurch eben auch diesen noch Jahrzehnte benötigten Schutzschirm zerstören. Und auch ökologisch hätte das negative Auswirkungen. Zwar binden die nachwachsenden Laubbäume ebenso Kohlendioxid wie die vorhandenen Fichten – aber das eben erst mit zunehmendem Alter und damit in vielen Jahrzehnten.
Und in dieser Übergangszeit binden auch die Fichten mit ihrem Wachstum weiter Kohlendioxid. Werden die Nadelbäume dann in entsprechender Größe als gesunde Bäume geschlagen und als Bauholz verwertet, bleibt das Kohlendioxid im Gebälk von Häusern oder Wänden nachhaltig gebauter Häuser noch viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte gebunden.
Waldumbau kostet Geld
So ganz der Natur überlassen können die Kreisforsten diese Verjüngung allerdings nicht. „An größeren Freiflächen muss auch schon mal ein Hochsitz aufgestellt werden und der Bestand an Rehwild reguliert werden, um die jungen Bäume vor dem Verbiss zu schützen“, macht Niemann keinen Hehl aus der begleitend erforderlichen Jagd.
Doch der Waldumbau sei auch eine Kostenfrage, sagt Niemann. Geld, das für den Vorbau benötigt wird, muss durch die Bewirtschaftung der Wälder, also vor allem den Holzverkauf, erst verdient werden. Auch aus diesem Grund sei es wichtig, den angesichts der Schäden derzeit mit Fichtenholz überschwemmten und dadurch einem deutlichen Preisverfall unterliegenden Holzmarkt nicht zusätzlich planlos zu beliefern, beschreibt Niemann die ökologische und wirtschaftliche Strategie der Kreisforsten.
Kreis lädt zum Waldsymposium
„Was wir jetzt mit unserer naturnahen Waldbewirtschaftung machen, tun wir für künftige Generationen. Und das nach bestem Wissen und Gewissen“, sagt Niemann. So wie eben auch die ersten Mitarbeiter der Brunsmarker Revierförsterei im Jahr 1755. Ob mit dem Aufbau standortgerechter in Artenspektrum und Struktur möglichst vielfältig Wälder ein auf die Klimaveränderungen hinreichend angepasster Wald entstehe, müssten die kommenden Jahrhunderte zeigen.
Wie es mit den Kreisforsten weitergeht, ist auch am Donnerstag Thema eines Treffens von Forstexperten in Ratzeburg. Mehr als 160 Interessierte haben sich zu dem Lauenburger Waldsymposium in der Gelehrtenschule angemeldet. Auf dem Podium sitzen Experten aus allen Bereichen der Forstwirtschaft. Die Lübecker Nachrichten werden berichten.
Holger Marohn