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Lauenburg Unterhaltungen am Krankenbett: Ratzeburger Besuchsdienst hilft seit 30 Jahren
Lokales Lauenburg Unterhaltungen am Krankenbett: Ratzeburger Besuchsdienst hilft seit 30 Jahren
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08:13 24.12.2018
Renate Augustin hat 1985 die Leitung der Evangelischen Frauenhilfe Ratzeburg übernommen. Sie hat den Besuchsdienst am DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg aufgebaut. Quelle: Foto: Ines Langhorst/HFR
Ratzeburg

Eben noch haben sie gefeiert, haben mit Tannengrün auf den Stationen ein frohes Weihnachtsfest gewünscht. Jetzt atmen sie durch, die Frauen des Besuchsdienstes im DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg. Vor 30 Jahren hat Renate Augustin diesen Arbeitszweig neu in der Evangelischen Frauenhilfe Ratzeburg etabliert. Der Dienst am Menschen ist geblieben, die Frauenhilfe selbst gibt es nicht mehr.

Evangelische Frauenhilfe Ratzeburg

Die Evangelische Frauenhilfe in Ratzeburg war ein eingetragener Verein. Die Mitglieder finanzierten ihre ehrenamtliche Arbeit über die Jahresbeiträge größtenteils selbst. Jede Ratzeburger Kirchengemeinde gab außerdem einen Zuschuss. Der Krankenhausbesuchsdienst ist zusammen mit der Krankenhausbücherei der jüngste Arbeitszweig der Frauenhilfe. Außerdem gehörten die Finanzierung von Elternbriefen sowie die Altenbegegnungsstätte dazu. Um die 60 Frauen haben sich in Ratzeburg für die Frauenhilfe engagiert. 1985 hat Renate Augustin die Leitung Evangelischen Frauenhilfe in Ratzeburg übernommen, nachdem ihr Mann, Dr. Hermann Augustin Propst im damaligen Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg wurde.

Frau Augustin, können Sie sich noch an Ihren ersten Besuch im Krankenhaus erinnern?

Nein, nicht wirklich. Aber an dieses mulmige Gefühl, vor der Zimmertür zu stehen, zu klopfen und die Klinke herunterzudrücken, ohne zu wissen, wer einen dort erwartet. Welche Geschichte dieser Mensch hat. Ob ich in diesem Moment wohl das Richtige sage. Da hatte ich doch Hemmungen.

Und wie ist das heute?

Ich habe ja Erfahrungen gemacht und fühle mich sicher. Ich kann mich schnell auf die Patienten einstellen. Einige Menschen sind zunächst skeptisch, was den Besuch angeht. Aber oft heißt es dann am Schluss, es sei doch nett mit mir gewesen. In einem Einzelzimmer lassen sich natürlich intensivere Gespräche führen als im Vierbettzimmer. Da bringe ich dann vielleicht nur eine Abwechslung in den Krankenhausalltag.

Was machen Sie während eines Besuchs?

Das ist unterschiedlich und kommt auf den Gesundheitszustand der Patienten an. Ich suche über eine Kleinigkeit, wie das Wetter, das hübsche Nachthemd oder den Blumenstrauß auf dem Nachttisch, das Gespräch. Einige Menschen freuen sich über eine Unterhaltung, andere brauchen eine Kleinigkeit aus dem Kiosk. Es kommt aber auch vor, dass ich einfach da bin, eine Hand halte oder nur einen kleinen Kartengruß verschenke. Immer versuchen wir als Besuchsdienst, uns ganz auf die Menschen, die wir besuchen, zu konzentrieren. Meistens gelingt uns das gut.

1988 ist der Besuchsdienst ins Leben gerufen worden. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Eine wichtige Veränderung ist, dass die Patienten heute weniger Tage im Krankenhaus liegen als vor 30 Jahren. Meistens sehen und sprechen wir sie nur einmal. Gespräche über den Glauben kamen am Krankenbett recht schnell auf. Das verändert sich und wird weniger. Die Frauenhilfe Ratzeburg selbst gibt es nicht mehr, der Besuchsdienst steht unter der Leitung der Krankenhausseelsorge. Durch die veränderten Strukturen haben sich auch unsere Fortbildungen verändert. Ich hatte gute Kontakte zu Referenten, die uns vor Ort fachlich sehr hochwertig geschult haben.

In welchen Bereichen haben Sie die Ehrenamtlichen geschult?

Ganz praktische Themen wie „Nähe und Distanz am Krankenbett“, damit ein Gespräch für beide Beteiligten gut gelingt. Aber auch allgemeinere Themen wie „Leib und Seele – vom ganzheitlichen Denken in Bibel und Medizin“. Mediziner des Krankenhauses haben uns ihre Arbeitsbereiche erklärt. Einige Ärzte informierten uns über Krankheitsbilder oder den richtigen Umgang mit beispielsweise Krebspatienten. Mit dem Einzug der Krankenhausseelsorge des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg kümmern sich nun die Pastorinnen um die Fortbildung der Ehrenamtlichen.

Sie haben die Evangelische Frauenhilfe all die Jahre ehrenamtlich geleitet, besuchen regelmäßig die Patienten im Krankenhaus und sind auch sonst vielfältig engagiert. Warum schenken Sie so viel Ihrer Zeit für andere Menschen?

Von Beruf bin ich Gemeindepädagogin. Als ich meinen Mann heiratete, wurde ich Pastorenfrau und durfte keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Das war damals nicht erwünscht. Mein Mann war als Gemeindepastor in Nordschleswig und in Hamburg-Blankenese, bevor er auf das Amt des Propstes in Ratzeburg berufen wurde. Ich habe mich an allen Orten, wie die meisten Pastorenfrauen meiner Generation, ehrenamtlich eingebracht. Die Frauenhilfe ist mein Herzstück hier in Ratzeburg gewesen – der Besuchsdienst ist es bis heute. Es ist für mich selbstverständlich, anderen Menschen Zeit zu schenken. Der christliche Glaube sagt, dass ich Verantwortung für meinen Nächsten habe so wie es im ersten Korintherbrief in der Bibel heißt: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“

30 Jahre Besuchsdienst im DRK Krankenhaus Ratzeburg-Mölln

Die Krankenhausseelsorge im Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg

Ines Langhorst

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