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Lauenburg Einen Guten für den Kulturpreis gefunden
Lokales Lauenburg Einen Guten für den Kulturpreis gefunden
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08:38 18.11.2018
Der Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg wurde Ebrahim Sharghi (2.v.l.) für seine „(Kunst-)Zeichen für den Frieden“ verliehen. Quelle: Dorothea Baumm
Mölln

All you need is love. Das haben die Beatles 1967 gesungen. Die Welt hat’s gern gehört und die Beatles hat der Hit ein bisschen reicher und bekannter gemacht. Love, love, love – (geldbringende) Kultur. Ob Ebrahim Sharghi ein Fan der Fab Four ist, wissen wir nicht. Das ist an dieser Stelle aber auch egal. Was wichtig ist, ist die Überzeugung des im Iran geborenen Künstlers: „Ohne Liebe geht gar nichts“, sagte er gegen Ende seiner Dankesrede. Bedankt hat Sharghi sich, weil ihm am Sonnabend im Möllner Stadthauptmannshof der Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg verliehen wurde.

Hier gibt es noch mehr Eindrücke von der Verleihung der Preise der Stiftung Herzogtum Lauenburg

Thomas Biller, der die Laudatio für Sharghi hielt, zitierte Wolf Biermann. Der hatte mal gesagt, „auch die Guten brauchen ab und an einen Guten“. Hier und heute habe die Jury der Stiftung einen Guten gefunden, befand Biller, „dazu meine Gratulation.“ Übrigens, von wegen Love, love, love: Der gut aufgelegte Laudator hat es fertiggebracht, en passant seiner Frau Gesine eine Liebeserklärung zu machen, denn „die beste Ehefrau, die ich mir vorstellen kann“ war es, die ihn überhaupt erstmals auf Sharghi aufmerksam gemacht habe.

Florian Klein erhielt den Förderpreis für junge Künstler der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Melina Waliczek bekam einen Sonderpreis für ihre sensiblen Fotoporträts krebskranker Frauen. (Links im Bild Kleins Laudator Axel Michaelis, rechts Stiftungs-Präsident Klaus Schlie.) Quelle: Dorothea Baumm

Warum Sharghi? Wieso überhaupt bekommt jemand den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg? „Der Kulturpreis wird regelmäßig – Ausnahmen sind möglich – im Herbst verliehen. Der Preis besteht aus einer Bronzerelief-Plastik von Karlheinz Goedtke und einer Urkunde. Der Preis ist inzwischen mit 3000 Euro dotiert.“ So ist es auf der Website der Stiftung zu lesen. Wert legt die Jury darauf, dass sich der Preisträger – egal, ob es nun eine Einzelperson oder eine Gruppe oder Institution ist – um die Kulturentwicklung der Region besonders verdient gemacht hat.

Projekt Friedensschilder

Das trifft, befand die Jury, auf Ebrahim Sharghi in besonderem Maße zu. Seit 24 Jahren ist er schon in Deutschland, seit 23 Jahren lebt er in Mölln. Papier und Bleistift in der Hand halten, bedeutet für ihn, malen zu müssen. Das ist seine Leidenschaft von Kindesbeinen an. Aktuell liegen ihm seine Friedensschilder am Herzen. Zwei gibt es bereits, eines in Ratzeburg, eines in Mustin. Ein Drittes ist derzeit in Kittlitz – und mit Kittlitzern – in Arbeit. Die Arbeiten, die gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden, stehen für Menschlichkeit, für Demokratie. Und für Liebe.

Klaus Schlie, Präsident des Landtages S-H, vor allem aber Präsident der Stiftung, sagte in seiner Rede, mit diesem Preis werde ein Zeichen gegen Intoleranz, politischen Populismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt. „Kultur prägt Menschen und ermöglicht Lebensqualität“, und vor allem mache erst die Kreativität der Beteiligten „Kulturvielfalt und Kultiviertheit in unserer Region erlebbar“. Kultur, betonte Schlie, schaffe Sinnförderung und sei ein „unumstoßbares Merkmal von Humanität“.

Kunst bringt Menschen zusammen

Jörg-Rüdiger Geschke, der die Veranstaltung moderierte, sprach nicht nur als Vorstandsmitglied der Stiftung, sondern auch als Jurymitglied. „Wir hatten eine schwierige Aufgabe bei großer Wertschätzung für alle eingereichten Arbeiten zu meistern.“ Was letztlich den Ausschlag für Sharghi gegeben habe, war, dass er „mit seiner Kunst die Menschen zusammenbringt“. Seine Arbeiten seien von hoher künstlerischer Qualität, und er sei in hohem Maße der Region verhaftet.

Übrigens stand der Festakt ganz im Zeichen der Jubiläen. Der Kulturpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Da er 1978 zum ersten Mal vergeben wurde (damals übrigens an den Möllner Kirchenmusikdirektor Karl Lorenz), jährte sich die Preisvergabe am Sonnabend zum 40. Mal. Und auch für den Förderpreis für junge Künstler war es ein Jubiläum, denn der wurde zum zehnten Mal verliehen.

Immer im Einsatz für die Kultur

Stichwort Förderpreis für junge Künstler also: Über den durfte sich der 22-jährige Florian Klein freuen. LN-Lesern ist der Name geläufig; der Chemiestudent schreibt regelmäßig als freier Mitarbeiter für die Lauenburg-Ausgabe. Klein ist Mitglied in zwei Bands. Mit „about blank“, deren Frontman er ist, hat er allein in diesem Jahr bereits 24 Konzerte gespielt.

Allein dafür, in einer Band zu spielen, heimst natürlich niemand einen Preis der Stiftung Herzogtum Lauenburg ein. Was also hat Florian Klein noch auf die Beine gestellt? Eine Menge, wie sein Laudator Axel Michaelis berichtete. „Er ist Gründungsmitglied und Sprecher der 2014 gegründeten KulturCommunity. Er ist maßgeblich an der Organisation der drei Pegasus-Festivals und der drei beach-unplugged-Veranstaltungen im Rahmen des Kultursommers am Kanal beteiligt gewesen.

Kultur selbst machen und koordinieren

Weiterhin koordiniert und begleitet er die Poetry-Slam-Veranstaltungen im Stadthauptmannshof, im Bogarts und in Geesthacht.“ Mittlerweile mische er auch bei der Organisation des Kultursommers am Kanal mit. Und so ganz nebenbei hat er zwischen der mündlichen und schriftlichen Abitur-Prüfung auch noch die Proben für das Musical „Arabische Nächte“ absolviert. Da kann es ja nicht so doll geworden sein mit der Reifeprüfung? Denkste. Florian Klein hat sein Abi in der Tasche. Mit einem Notendurchschnitt von 0,8, herzlichen Glückwunsch dazu. Und jetzt den Förderpreis, nochmal herzlichen Glückwunsch.

Wie es weiterging bei der Preisverleihung, das hat der umtriebige Preisträger nicht mehr mitbekommen, denn er musste ruck-zuck nach Hamburg. Dort stand er schon am Nachmittag mit „about blank“ auf der Bühne im Musikbunker am Heiligengeistfeld: Halbfinale im SPH-Bandcontest.

Mutiges und Mut machendes Fotoprojekt

Einen Sonderpreis verlieh die Stiftung an Melina Waliczek. Die junge Frau hatte ein ebenso mutiges wie Mut machendes Fotoprojekt initiiert. Sie hat an Brustkrebs erkrankte Frauen aus der Region fotografiert.

Klaus Schlie, Vorstandsmitglied der Stiftung und Präsident des Landtages S-H, hatte die Ehre, dem Ehrenpreisträger Prof. Eckardt Opitz zu gratulieren. Quelle: Dorothea Baumm

Schließlich gab es noch den Ehrenpreis der Stiftung. Der ging an Eckardt Opitz, für dessen Lebenswerk. „Wenn man für sein Lebenswerk geehrt wird, stimmt einen das doch etwas nachdenklich“, sagte der in seiner launigen Dankesrede. Zuerst sprach er den anderen Preisträgern seine Glückwünsche aus. Und er sagte, wer hier und heute einen der Preise der Stiftung erhalten hätte, könne anschließend erhobenen Hauptes das Haus verlassen. Denn: „Ehrungen gibt es andauernd. Das Bundesverdienstkreuz zum Beispiel wird tausendfach verliehen. Aber diese Preise hier, die werden nur einmal vergeben, das ist eine ganz besondere Auszeichnung.“

Lesbare Geschichte des Herzogtums

Die Stiftung würdigte mit der Auszeichnung die Forschung des Wissenschaftlers Opitz zur Geschichte des Herzogtums. Stiftungs-Vorstandsmitglied Detlev von Bülow zitierte in seiner Laudatio Horaz, der sagte: „Ich habe ein Werk ausgeführt, dauerhafter als Erz.“

Sind Frauen im Kreis kulturlos?

Anlässlich der 25. Verleihung des Kulturpreises des Stiftung Herzogtum Lauenburg ist Dr. Christel Happach-Kasan ins Grübeln geraten. Der Preis wird seit 1978 verliehen. Von 1979 bis 1982, also vier Jahre in Folge, ging der Preis an Frauen. Seit 1983 aber wurde keine Frau mehr mit dem Kulturpreis bedacht. „Unter den bis heute 25 Ausgezeichneten sind gerade mal vier Frauen, die für würdig befunden wurden“, stellt Happach Kasan fest. Und sie fragt: „Haben die Frauen bei uns im Kreis keine Kultur?“

Die Antwort auf diese – zugegebenermaßen rhetorische – Frage gibt sie sofort selbst. „Ich meine nein.“ Die FDP-Politikerin, die übrigens selbst Mitglied im Stiftungs-Vorstand ist, mahnt: „Es ist Zeit, dass die Stiftung sich darauf besinnt, dass Frauen als Kulturschaffende wie auch als Organisatorinnen herausragende kulturelle Arbeit bei uns im Kreis erbringen. Die Stiftung sollte dies würdigen.“ Ihre Forderung schmälere in keiner Weise die Verdienste der aktuellen Preisträger, das wollte Happach-Kasan betont wissen.

Ein Stichwort, dass der so Geehrte gern aufgriff. „Nachhaltigkeit, das ist ja nun ein Modewort, deswegen benutze ich es auch (man darf ja den Politikern nicht alles überlassen)“, hob er an, und erklärte, im Sinne der Nachhaltigkeit seines Wirkens wolle er nun noch eine „lesbare Geschichte des Herzogtums“ verfassen. Das sei sein Blick in die Zukunft: „Wenn man 80 wird, sollte man auch das tun, und nicht immer nur zurückblicken.“

Stiftung, Kulturknotenpunkt, Akademie, Fördern und mehr

Dorothea Baumm

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