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Lauenburg Vom übergewichtigen Sportmuffel zum Bodybuilder
Lokales Lauenburg Vom übergewichtigen Sportmuffel zum Bodybuilder
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08:38 20.11.2015
Heute ist Georg Troll von Kopf bis Fuß durchtrainiert (links). Mit einer Diät und einem strengen Trainingsplan ist er innerhalb von eineinhalb Jahren zum Bodybuilder geworden. Quelle: Fotos: Schülermann, Hfr
Groß Grönau

Auf seinem Smartphone wischt Georg Troll aus Groß Grönau Bild für Bild seiner Facebook-Seite durch. Er ist fast 1,90 groß, trägt eine Glatze, sein T-Shirt spannt an Oberarmen und Brust. Er ist vom Training ein wenig verschwitzt. Auf seiner Seite hat Troll seinen sportlichen Werdegang dokumentiert. In nur 17 Monaten hat er es geschafft, vom Mann mit Hang zum Übergewicht zum Bodybuilder zu werden — mit heute 49 Jahren.

Vorher, nachher: Im Mai 2014 hatte Troll noch einen Hang zum Übergewicht. Sport spielte für ihn kaum eine Rolle. Nur knapp ein Jahr später ist alles anders. Quelle: privat

Hinter Georg Troll liegen Zeiten voller Entbehrungen und schweißtreibende Stunden im Fitnessstudio, von denen er in einer kurzen Trainingspause berichtet, als wäre tägliches Gewichtestemmen völlig selbstverständlich. Für ihn ist der tägliche Sport Routine geworden, doch das war nicht immer so.

„Ich habe mir das Training wie andere Termine auch in meinen Terminplaner eingetragen“, sagt Troll. Früher habe er sich oft eingeredet, keine Zeit zu haben — die berufliche Selbstständigkeit im Internet-Marketing, die Familie. Dann besuchte er mit Freunden die „Fibo 2014“, eine Fitnessmesse in Köln, und hatte eine Idee: „Bis zum nächsten Jahr will ich einen vernünftigen Body haben.“ So ein ambitioniertes Ziel sollte gut vorbereitet sein. Bevor Troll mit dem Training beginnen konnte, ließ er sich vom Arzt gründlich durchchecken. Nachdem der grünes Licht gegeben hatte, erarbeitete ihm sein Trainer einen Trainings- und Ernährungsplan: Zunächst vier Tage Sport pro Woche, beginnend mit der Körpermitte, abends keine Kohlenhydrate, dafür mehr Proteine.

Georg Troll bei einem Bodybuilder-Wettbewerb. Quelle: privat

Seine Leibspeise Pizza, seine „Achillesferse“, wie er sagt, gab es nur noch ein Mal in der Woche, stattdessen Salat oder Reis, etwas Hähnchen dazu. Sechs Mahlzeiten isst er am Tag. „Das ist mehr, als ich vorher gegessen habe“, sagt er, aber er esse kontrolliert und das, was sein Körper brauche. Im April stand die Messe an, aber Georg Troll hatte sein Ziel längst erreicht. Er war schlank, noch kaum ein Gramm Fett an ihm. Freunde, die ihn länger nicht gesehen hatten, dachten, er sei krank, erzählt er. „Traurig eigentlich.“ Er war aber auch muskulös und topfit.

Trolls Smartphone zeigt ein anderes Bild von ihm: Auf einer Bühne, eingeölt, unter Gleichgesinnten mit gestählten Körpern. Es ist Anfang November in Wiesloch (Baden-Württemberg) entstanden. In 17 Monaten hat es Georg Troll auf die Bühne der German Natural Bodybuilding & Fitness Federation geschafft — zur Deutschen Bodybuilder-Meisterschaft. Dafür hatte er zuletzt jeden Tag trainiert. Pizza war natürlich tabu. „Ich hatte null Chancen“, sagt Troll, „weil ich zu alt war“. Aber darum ging es dem Unternehmer nicht. Er wollte vielmehr ein Zeichen setzen, was auch mit Ende 40 sportlich möglich ist. Deshalb hat er auch seine Facebook-Seite „Projekt T Bodybuilding“ gegründet, die seinen Werdegang von Beginn an dokumentiert. „Ich stecke Leute gern mit positiven Impulsen an. Man muss ja nicht gleich in 17 Monaten zum Bodybuilder werden wollen, aber man kann was machen, sein Leben aufwerten.“ Man müsse bloß anfangen.

Mit Medikamenten und anderen Substanzen habe er nie nachgeholfen. „Meine Mittelchen sind Chili und Zimt, die Fett schmelzen lassen“, sagt Troll. Zwei Bandscheibenvorfälle hatte der Familienvater, bevor er mit dem Sport angefangen hatte. „Seit ich trainiere, war ich nicht ein Mal krank“, berichtet er. „Man bekommt ein ganz neues Lebensgefühl.“ Heute könne er sich endlich wieder Kleidung nach Farben aussuchen und nicht nach „Hauptsache XXL“, sagt er stolz. Im Januar wird Georg Troll 50. „Ich fühle mich gar nicht so“, lacht er. Mit seinem Geburtstag verbindet er ein weiteres Ziel: Im November nächsten Jahres möchte er bei den „Masters II“ teilnehmen, der Meisterschaft für Bodybuilder über 50 Jahre. „Bis dahin muss ich noch fünf Kilo Muskelmasse aufbauen“, sagt Troll. „Diesmal möchte ich einen Titel holen.“

Rückblickend sagt Georg Troll: „Manchmal denke ich, ich hätte mit 24 weiter machen sollen.“ Damals gab er den Kraftsport auf, widmete sich seiner Karriere und später der Familie. Ein Vierteljahrhundert später geht das alles Hand in Hand.

Georg Troll klappt die Hülle seines Smartphones zu und stemmt die Arme auf die Knie, um sich zu erheben. Die Pause ist zu Ende, es geht zurück an die Fitnessgeräte. Kontrolliert hebt er Gewichte — und beäugt dabei sich und jede seiner Bewegungen kritisch im Spiegel, seine Ziele fest im Blick.

Natural Bodybuilding
Das Formen des Körpers steht im Mittelpunkt des Bodybuildings. Für einen schnellen Trainigserfolg setzen einige Sportler allerdings auf gesundheitsgefährdende Substanzen für das schnelle Wachsen der Muskeln.



Training und Ernährung sind die zulässigen Mittel beim „Natural Bodybuilding“, dem Formen des Körpers im ursprünglichen Sinne. Im Zentrum des Trainings steht die Gesundheit und eine positive Einstellung.

Philip Schülermann