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Lauenburg Vorübergehend eine Kirche auf Stelzen
Lokales Lauenburg Vorübergehend eine Kirche auf Stelzen
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21:00 29.06.2018
Der Innenraum der St.-Georgs-Kapelle: Bis zu 120 Gottesdienstbesucher finden einen Sitzplatz. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Fuhlenhagen

Zu jenem Zeitpunkt befand sich Deutschland schon zwei Jahre lang im Ersten Weltkrieg. Fast alle Männer aus Fuhlenhagen waren als Soldaten an die West- oder Ostfront geschickt worden, doch nun durften sie nach Hause zurückkehren, um ihr Dorf wieder aufzubauen.

Ein einziger Bauernhof und die St.-Georgs-Kapelle – das war alles, was nach dem verheerenden Großfeuer im Frühjahr 1916 vom Dörfchen Fuhlenhagen übrig blieb. Für viele Männer aus dem Ort war die Brandkatastrophe jedoch ein Glücksfall.

Das war dringend nötig: Funkenflug aus einem Automotor hatte am 7. April 1916 ein altes Reetdachhaus in Brand gesetzt, das Feuer griff dann nach und nach auf andere Häuser über. Auch die Kapelle in der Ortsmitte war betroffen. Der Westgiebel stand bereits in Flammen, als die Feuerwehr eintraf.

Nun muss gesagt werden, dass das kleine Gotteshaus sich damals in einem eher desolaten Zustand befand. Etliche Fuhlenhagener drängten die Feuerwehrleute also, das morsche Kirchlein einfach abbrennen zu lassen. Pastor Georg Burmeister aber kämpfte für „seine“ Kapelle und brachte den zuständigen Amtswehrführer Adolf Rick dazu, doch noch den Lösch-Befehl zu geben. Rick fiel das nicht schwer, denn er war nebenbei auch Kirchenältester.

Bis 1920 zogen sich die Bauarbeiten an der Kapelle hin. Damals wurde die gesamte Westseite erneuert. Im Jahr 2011 fand dann noch einmal eine Grundsanierung des Gebäudes statt. Die gestaltete sich sehr kompliziert, denn da auch das gesamte Fundament des Gebäudes neu gemauert wurde, musste das Fachwerkhaus vorübergehend auf Stelzen gestellt werden – man konnte also einige Wochen lang unter der Kirche hindurchkriechen.

Eine Kapelle hatte es in Fuhlenhagen schon im 13. Jahrhundert gegeben. Das jetzige Bauwerk stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1622. Die Zahl steht jedenfalls auf einigen Wappenfenstern hinter dem Altar. Bei der Renovierung 2011 wurden allerdings einige Holzbalken genauer untersucht und auf das Jahr 1580 datiert. Ob sie vor 1622 schon in einem anderen Gebäude Verwendung gefunden hatten, ist aber nicht bekannt.

Die historischen Wappenfenster weisen auf den Grafen Anton Gunther von Oldenburg und Delmenhorst sowie auf etliche seiner Amtmänner und Vögte hin. Fuhlenhagen und einige Nachbardörfer waren bis 1631 etwa 50 Jahre lang an den Grafen von Oldenburg verpfändet gewesen.

Älter als die Kapelle selbst ist das bunte Altarbild, das wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammt. „Es könnte schon einmal in einer anderen Kirche gehangen haben, aber man weiß darüber nichts Genaues“, erzählt Herbert Siemers vom Vorstand der örtlichen Kapellengemeinde. Beachtung verdient auch ein Holzschnittwerk, das zur gleichen Zeit wie der Altar entstand und den Heiligen Georg darstellt. Nach diesem christlichen Märtyrer ist die Kapelle schließlich benannt.

120 Sitzplätze bietet das Fuhlenhagener Gotteshaus. Richtig voll, sagt Siemers, sei es bei Hochzeiten und Taufen. Manchmal kommen aber auch Besucher von weither. Während unseres Rundganges schauen sich drei fachkundige Gäste aus dem fernen Papua-Neuguinea in der Kapelle um: Pastor Fuafone Misere, Gie Kalasa und Manane Giniso befinden sich gerade auf einer Studienreise durch Deutschland und werden hier im Norden von Dr. Carl-Heinz Schulz betreut. Der wiederum ist im Kapellenvorstand in Schretstaken aktiv und zeigte den Besuchern nun auch die allemal sehenswerte Kapelle im benachbarten Fuhlenhagen.

1000 Mitglieder

In Fuhlenhagen gibt es zwar die St.-Georgs-Kapelle und auch eine Kapellengemeinde, das Dorf gehört aber wie auch Elmenhorst und Groß Pampau zur evangelischen Kirchengemeinde Sahms. Die dortige Pastorin Katja Zornig fährt an jedem ersten Sonntag eines Monats nach Fuhlenhagen und hält dort ab 10 Uhr morgens in der kleinen Kapelle einen Gottesdienst ab. So wird es seit der Zeit der Reformation gehandhabt. Die Kirchengemeinde Sahms zählt rund 1000 Mitglieder.

Norbert Dreessen