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Lauenburg Wirtschaftsförderung vor Herausforderungen
Lokales Lauenburg Wirtschaftsförderung vor Herausforderungen
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19:48 09.01.2019
Ulf Hahn (47) ist seit Ende 2014 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Herzogtum Lauenburg. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Früher verknüpfte man die Arbeit einer guten Wirtschaftsförderung immer mit den Erfolgen bei einer entsprechenden Flächenvermarktung. Sprich: Je mehr (Neu-)Ansiedlungen von Unternehmen ein Kreis oder eine Kommune vorweisen konnte, desto besser war deren Ruf – und mit ihr derjenige der Wirtschaftsförderer. Doch diese Zeiten sind vorbei.

„Wir sehen unsere Aufgabe nicht mehr nur in der Bereitstellung von Flächen für ansiedlungswillige Firmen, sondern verstärkt auch in der Hilfe bei der Ausbildung, bei Neugründungen, in der Nachfolgeregelung in Betrieben, bei der Digitalisierung, im Umwelt- und Klimaschutz sowie in der Stärkung des Regionalmanagements“, sagt Ulf Hahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Herzogtum Lauenburg (WFL).

Am Ende der Fahnenstange

Klaus Schlie, Landtagspräsident für die CDU in Kiel und Aufsichtsratsvorsitzender der WFL, bestätigt diese Aussagen: „Es war ein insgesamt erfolgreiches Jahr für die WFL, weil das bisherige Hauptgeschäft Flächenverkauf und Gewerbeansiedlung überproportional gestiegen ist. Es hat ja auch zu Neuansiedlungen und zu neuen Arbeitsplätzen geführt.“

Luftaufnahme des Gewerbegebietes in Elmenhorst-Lanken. Quelle: WFL/hfr

Was potenzielle Flächen für Unternehmen angeht, ist man nahezu am Ende der Fahnenstange angelangt. „Wir sind fast ausverkauft“, so Hahn (siehe Beistück). Im eigenen Bestand und in dem der Städte habe man „nur noch ausgewählte Restflächen“. Etwa in Geesthacht im Gewerbegebiet Nord, in Alt-Mölln, Elmenhorst-Lanken, Büchen oder Schwarzenbek.

Das just eingerichtete Gewerbegebiet im Westen Ratzeburgs bei ATR wird von der schleswig-holsteinischen Landgesellschaft vermarktet und dabei von der WFL unterstützt. Übrigens sehr erfolgreich, laut Hahn. Der erste Bauabschnitt ist fast ausgebucht, der zweite werde kurzfristig angegangen. In Geesthacht gehen 2019 etwa sieben Hektar Fläche an der Mercator-Straße in die Erschließung und werden dann auch von der WFL vermarktet.

Keine Gewinnerzielungsabsicht

In Grabau bei Schwarzenbek (nördlich des Lupus-Parks an der B207), einem interkommunalen Gewerbegebiet, sollen rund zehn Hektar überplant und nach Möglichkeit ab 2020 erschlossen werden. „Insofern“, sagt Hahn, „können wir nur noch an einigen, dafür aber gut gelegenen Stellen etwas anbieten“. Größere neue Gebiete – vor allem im Südkreis – „benötigen viel Vorlauf und viel Ausdauer“. Planerische und naturschutzrechtliche Belange würden immer komplexer und Gemeinden gelte es, gut und intensiv zu betreuen.

Das Gewerbegebiet in Geesthacht. Im Vordergrund sind die Erweiterungsflächen zu erkennen. Quelle: WFL/hfr

Vielerorts ließen sich Gewerbeflächen höchstens noch durch Tausch oder Umwidmung rekrutieren. So müssten für verkaufswillige Landwirte geeignete Alternativflächen gefunden oder die hohen Anforderungen von Umwelt- und Klimaschutz erfüllt werden.

Von der Flächenvermarktung „lebt“ die WFL, eine kreiseigene Gesellschaft, die keine Gewinnerzielungsabsicht hat, aber sich (und ihre Kosten) möglichst selbst tragen soll. „Das gelingt uns, aber wir können uns nicht nur darauf konzentrieren, sondern müssen den Fokus auch auf andere Bereiche legen“, weiß Hahn um die Notwendigkeit etwa einer verstärkten Beratung hiesiger Unternehmen. Allein in 2018 hat die WFL ein Dutzend Veranstaltungen für die Unternehmerschaft im Kreis organisiert.

Andere Fokussierung

Auch im Aufsichtsrat, so dessen Vorsitzender Klaus Schlie, sei man sich klar, dass die Fokussierung der WFL künftig anders gesetzt werden müsse. Die Beratung – vor allem energetisch –stehe ganz oben. „Das ist auch Auftrag des Kreistages!“

„Die Themen Ausbildung und Fachkräfte haben einen besonders hohen Stellenwert“, erläutert Ulf Hahn. So werde man auch im kommenden Jahr die Broschüre „Dein Start in die Zukunft – Ausbildungsberufe im Kreis Herzogtum Lauenburg“ herausbringen. Mittlerweile in vierter Auflage. Zuerst skeptisch von der Agentur für Arbeit beäugt, doch mittlerweile akzeptiert als kompetenter Partner in Sachen Lehr- und Jobvermittlung. „Wir wollen mit unseren Aktivitäten keine Konkurrenz sein, sondern Ergänzung: sowohl für die Schulen mit ihren ausbildungsreifen Jugendlichen als auch für die Betriebe.“

Ganz wichtig ist derzeit die „digitale Transformation“, also die adäquate Umsetzung wirtschaftlicher Prozesse und Entwicklungen durch oder mittels moderner Kommunikationstechnik wie Smartphones, künstliche Intelligenz (KI) oder Gentechnik oder auch der Block Chain Technologie (eine nicht manipulierbare Internet-Kommunikation).

Gefahr für „Mittelpartner“

Dabei müsse man, so Hahn, nicht nur die reine Kommunikation, sondern auch die interne Prozess- und Organisationsebene beachten, die Vermarktungsebene mit Kundenkontakten oder neue digitale Geschäftsmodelle. „Wir hatten jüngst einen Berater in einer Veranstaltung, der die Unternehmen darauf hingewiesen hat, dass sie möglicherweise ein ,Mittelpartner’ seien. Also noch zwischen dem Produzenten und dem Endverbraucher ihr Geschäft machen. Noch! Manchmal gibt es da zwei, drei oder vier ,Mittler’, die in einer neu gestalteten Wertschöpfungskette überflüssig sein könnten.“

Hier müssten Unternehmen überlegen, wie groß ihre Zukunftschancen seien. Und gegebenenfalls neue Wege, Alternativen für ihr Geschäftsmodell suchen. „Dabei können wir helfen, den Firmen mit oder durch Experten neue Konzepte nahezubringen oder zu entwickeln“, sagt Hahn. Beispielsweise müssten Wirtschaft und Wissenschaft noch besser kooperieren. Hier sieht er vor allem im GITZ, dem Geesthachter Informations- und Technologiezentrum, einen guten Partner und eine gute Ausgangsposition.

Weitere Schwerpunkte künftiger Arbeit sieht Hahn im Umwelt- und Klimaschutz, wo die WFL als Schnittstelle zu den Unternehmen agieren will, nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“. „Viele Firmen machen diesbezüglich schon viel. Aber wir können Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Das dient auch der Eigen-PR der Firmen.“

Gute Lebensqualität im HanseBelt

Letztlich sei auch der Kampf gegen den Fachkräftemangel zu nennen. Hier will die WFL gemeinsam mit den anderen Wirtschaftsfördereinrichtungen der benachbarten Kreise Stormarn, Segeberg, Ostholstein und der Hansestadt Lübeck am Image des HanseBelt feilen. „Wir müssen sehen, dass wir dauerhaft gute Fachkräfte anlocken oder hierbehalten. Das geht, wenn wir ihnen die gute Lebensqualität vermitteln.“

Sicherlich würde man in Süddeutschland mehr Geld verdienen, dafür seien dort die Lebenshaltungskosten viel höher. „Hier kann man exzellent leben, in Natur und gesunder Umgebung.“ In Zusammenarbeit mit den Nachbarkreisen im Süden Schleswig-Holsteins könne und müsse man sich positionieren in der Hamburger Metropolregion und zur boomenden skandinavischen Region in Dänemark, Schweden und Finnland. Stichwort Regionalmarketing.

Das Bewusstsein, in einer ökonomisch-ökologischen wertvollen Region zu leben, nämlich im HanseBelt, das müsse in den kommenden Jahren noch mehr verstärkt und verinnerlicht werden.

Joachim Strunk

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