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Lauenburg Weihnachtswunsch: iPads für die ganze Klasse
Lokales Lauenburg Weihnachtswunsch: iPads für die ganze Klasse
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08:00 25.12.2019
Sie wünschen sich iPads für alle. Teamleiter Peter Kube (2.v.r.) und Bildungsbegleiter Torsten Franke (l.) mit den Teilnehmern der Beruflichen Bildung im Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow.
Sie wünschen sich iPads für alle. Teamleiter Peter Kube (2.v.r.) und Bildungsbegleiter Torsten Franke (l.) mit den Teilnehmern der Beruflichen Bildung im Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow. Quelle: Silke Geercken
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Schwarzenbek

In seinem Beruf Bestätigung finden, Erfolge feiern, Kontakt zu Kollegen. Für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Die Teilnehmer der Beruflichen Bildung im Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow sind noch auf dem Weg dorthin. Ein großer Wunsch für den Unterricht am Beruflichen Förderzentrum in Schwarzenbek sind iPads für die ganze Klasse und den Teamleiter. Sie hoffen nun auf ein Geschenk aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“.

Teilnehmer erhalten 27 Monate Förderung

In den Werkstätten des Lebenshilfewerks sind rund 900 Menschen mit Behinderung beschäftigt, 40 von ihnen nehmen an einer beruflichen Förderung teil. Die Berufliche Bildung ist eine Art Berufsschule für die Menschen mit Handicap. Sieben Teilnehmer aus Mölln, Geesthacht und Schwarzenbek sind derzeit einen Tag pro Woche im Schwarzenbeker Förderzentrum, um sich mehr Qualifikationen anzueignen: für ihre Arbeit in den Werkstätten, für ihren Alltag, für ihr Selbstbewusstsein. Die Förderung geht über einen Zeitraum von 27 Monaten. Robert (35) arbeitet im Bereich Küche und Hauswirtschaft, Jan (18) in der Tischlerei, Timon (21) in der Abteilung Verpackung, Sebastian (19) in der Schlosserei. Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Mathe, Lesen und Rechtschreibung, sondern die Teilnehmer erhalten auch praktische Angebote, lernen etwas über Arbeitsrecht und Ernährung oder was soziale Kompetenz ist.

Hier können Sie spenden

Das Spendenkonto Verwendungszweck:„Hilfe im Advent“

Kontoinhaber: LebenshilfewerkKreis Herzogtum Lauenburggemeinnützige GmbH

IBAN : DE12 2305 2750 0086 0860 30

Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg.

Im eigenen Tempo arbeiten

Manche Teilnehmer haben feinmotorische Störungen. Ihnen fällt es schwer, einen Laptop zu bedienen. Deshalb wünscht sich Teamleiter Peter Kube für seine Schützlinge einen Klassensatz iPads. „Hier können die Teilnehmer mit Wischen vieles erreichen. Jeder kann in seinem eigenen Tempo arbeiten, Lern-Apps individuell nutzen, mit Bildern und Textbausteinen arbeiten. iPads sind barrierefreier“, sagt Kube. Ein Konzept für die Nutzung im Unterricht gibt es bereits. Die Stormarner Werkstätten Bad Oldesloe haben es erstellt. Es beschreibt diverse Einsatzmöglichkeiten, der Teilnehmer erhält Zugang zu neuen technischen Methoden des Lernens. Warum es gerade ein iPad sein muss, dem „Mercedes“ unter den Anbietern, erklärt Bildungsbegleiter Torsten Franke: „Die Bedienerfläche ist logisch und einfach aufgebaut, ermöglicht eine intuitive Bedienung. Es gibt insgesamt 75 000 Lern-Apps. Zum Beispiel ermöglicht die Talker-App Menschen, die nicht sprechen können, eine Kommunikation mit der Umgebung.“

Robert will in der Küche helfen

Natürlich ist dieser Klassensatz (zehn iPads) eine teure Anschaffung. Die zehn Geräte kosten 6000 Euro, dazu kommen die Kosten für die Schulung der Teamleiter sowie die Einrichtung der Geräte, insgesamt also rund 8000 Euro. Ein Teilnehmer, der ganz stark auf die Erfüllung dieses großen Wunsches hofft, ist Robert. Er macht gerade eine von der Industrie- und Handelskammer anerkannte Qualifizierung im Bereich Küche und Hauswirtschaft. 140 Stunden muss er nachweisen. Ein dicker Ordner zeigt, was er bisher geleistet hat. „Das könnte ich alles auf das iPad übertragen. Das macht doch einen viel besseren Eindruck“, sagt der 35-Jährige. Wenn er die Prüfung bestanden hat, will er sich in der Gastronomie oder Großbetrieben bewerben. Vielleicht hat er Glück – qualifizierte, helfende Hände werden dort ja momentan besonders gebraucht. Aber auch für die anderen Teilnehmer sei die Nutzung der iPads ein Gewinn, so Simone Bewersdorff (Fachabteilung Rehabilitation im Lebenshilfewerk). „Ihre Medienkompetenz wird geschult, und sie können erstmalig etwas ganz alleine und selbstständig machen, ohne fremde Hilfe. Das wäre eine große Bereicherung für ihr Leben.“

Lebenshilfewerk

Die Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gemeinnützige GmbH mit Sitz in Mölln wurde im Jahr 2001 gegründet. Sie ist in drei verschiedenen Tochtergesellschaften operativ tätig: Lebenshilfewerk Kreis Herzogtum Lauenburg, Lebenshilfewerk Hagenow und die Schneiderschere, die integrative Kitas und Kindergärten betreibt, pädagogische Frühförderung oder familienentlastende Dienste anbietet.

Die weiteren Angebote neben diesen (früh)kindlichen sind Arbeit und berufliche Bildung sowie Wohnen und Freizeit.

Beim gesamten Lebenshilfewerk arbeiten 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um aktuell 1600 Menschen mit oder ohne Behinderung (Letztere vor allem in den Inklusionskindergärten) kümmern. Insgesamt liegt die Zahl der Gesamtplätze aller Fachbereiche bei 1900. Die letzten Umsatzzahlen liegen bei 44 Millionen Euro.

Von Silke Geercken