Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Wenn China nach Dänemark klingt
Lokales Lauenburg Wenn China nach Dänemark klingt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:37 08.06.2018
Bucky Halker (USA) spielt am Donnerstag in der Begegnungsstätte Protestsongs der Arbeiterklasse.
Mölln

Es kling asiatisch. Das empfindet jeder so, der am idyllischen Garten der Begegnungsstätte vorbeigeht oder auf einem Stuhl sitzt. Die Chinesin Sangka zupft die Zuhörer auf dem zitherartigen Instrument namens Guzheng gedanklich in ihre Heimat. Die pentatonischen Tonleitern klingen meditativ. Dann setzt der volkstümliche dänische Gesang von Karen Mose Nørgaard ein – klar, sauber intoniert, unverstärkt. Als Jesper Falch einen funkigen Beat und Anja Præst Mikkelsen mittels tiefer Bassklarinette die Bassline dazu spielen, sitzt niemand mehr still. So groovig und frisch kann Folk klingen. Akkordeon von Jesper Vinther Petersen und Guzheng von Sangka harmonieren, als wäre es nie anders gewesen.

Die Erkenntnis, dass Musik als universelle Sprache kulturelle Grenzen spielend überwindet, ist fast jedem klar. Auf dem Möllner „Folksfest“ wird diese Phrase Realität. Zuhörer und Musiker aus aller Welt erlebten bei der Eröffnung überraschende Klänge und Begegnungen. Heute geht es weiter.

Marktbühne

Live Musik heute: 14.45 Sambalegria, 15.10 Duo Etienne, 15.30 Bäckafall, 17.30 Bucky Halker, 18 Uhr Phønix feat. SangKa, 19 Uhr Polkabjørn & Kleine Heine, 21.30 Mauricio Presidente.

Infos: www.15.folksfest-moelln.de

„Ich kenne die Band: Aber so habe ich sie noch nie gehört“, sagt Jörg-Rüdiger Geschke, selbst Gitarrist. Er engagiert seit Jahren die Bands für das „Folksfest“. Und bereits die Stimmung und das Miteinander des ersten Abends haben ihn und Mitorganisator Mark Sauer für den großen Aufwand im Vorfeld entschädigt. „Ich habe noch nie mit jemandem zusammen gespielt, den ich vorher noch gar nicht kennengelernt habe“, sagt er über die Begegnung mit dem US-Amerikanischen Folksänger Bucky Halker. Spontan kam der am Donnerstagabend zu Geschke und fragte ihn, ob man zusammen einen Song spielen wolle. Sofort ging es los.

Halker ist ein solider Vertreter der US-Folkmusik. Alte Singer-Songwriter-Schule, sicheres Gitarrenspiel und eine sonore Stimme. Der Mann in Karohemd, Weste und mit weißer Mähne bringt Gesellschaftskritik, Musikhistorie und Politik in Einklang. Jeder Song wird anmoderiert. Songs, in denen er sich über den Klerus lustig macht, dabei betont, das der Harfe spielende Möllner Pastor Matthias Lage natürlich nicht gemeint sei, sowie Parts zum Mitsingen brechen schnell das Eis. Lieder über Armut, Ungerechtigkeit und die Arbeiterklasse hören auch Schüler des Marion Dönhoff-Gymnasiums am Freitagmorgen. Und das Duo Etien (FR), das Bäckafall-Quartett (SE) sowie Polkabjørn & Kleine Heine (NOR) brachten den Schülern auf dem Schulberg Musik und Humor aus ihrem Heimatland mit.

„Das Eröffnungsfest ist nie wie im Vorjahr. Denn die Musiker sind nicht gezwungen, kurz nach ihrer Ankunft zu spielen“, sagt Geschke. Er war es am Donnerstagabend, der zusammen mit seinen Musikerkollegen den Anfang machte. Lieder über das Meer und das Tanzen boten Geschke (Gitarre), Lorenz Stellmacher (Akkordeon) und Uwe Thomsen (Violine) vom Trio Saitenbalg dar. Auch sie ernteten gleich Applaus der Musiker im Garten.

Chinesen, Schweden, Dänen, Norweger und Amerikaner rückten etwas näher und zückten Smartphones und Kameras, um den Moment festzuhalten. Für den optimalen Rahmen sorgten die vielen freiwilligen Helfer des „Folksfests“. Sie verkauften Speisen und Getränke, organisierten auch das Catering für die Künstler – etwa für die Franzosen Edwige und Philippe Etienne, die sich am Donnerstagmorgen bereits um vier Uhr auf den Weg nach Mölln gemacht hatten.

Am Freitagabend begeisterte das Radiokonzert in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur im historischen Ambiente des Möllner Stadthauptmannshofs. Heute, am Sonnabend, beginnt die Musik auf dem Marktplatz bereits um 14.45 Uhr. Headliner des Abends ist „Mauricio Presidente“ aus Berlin.

 Florian Grombein