Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Wie Platt in Mölln ein modernes Image bekommt
Lokales Lauenburg Wie Platt in Mölln ein modernes Image bekommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 27.10.2019
Das Image von Plattdeutsch aufpolieren. Thorsten Börnsen ist das mit dem Bandcontest „Plattbeats“, hier ein Bild vom Finale in der Kieler Pumpe, durchaus gelungen. Quelle: Florian Klein
Mölln

Er ist zweisprachig aufgewachsen. Zuhause wurde Platt und Hochdeutsch gesprochen. Dann studierte er zumindest im Nebenfach Literatur und Niederdeutsch. Nach dem Studium machte er in Hamburg Stadtführungen auf Platt. Und schließlich übernahm er 2016 die Leitung des Zentrums für Niederdeutsch in Mölln. Menschen wie Thorsten Börnsen ist es zu verdanken, dass ein eingefleischter und gar nicht mal so kleiner Kreis von Menschen in Schleswig-Holstein auch heute noch Plattdeutsch intensiv und regelmäßig spricht. Das ist auch der Institution zu verdanken. In diesem Jahr feiert das Zentrum Jubiläum – es besteht ein Vierteljahrhundert.

Thorsten Börnsen. Quelle: hfr

„Platt ist meine Muttersprache“, sagt Börnsen. Das sei sein Motor, sich für die Sprache einzusetzen. Das Jubiläum ist zum großen Teil sicher auch seinem Vorgänger zu verdanken. Volker Holm war seit der Gründung im Jahre 1994 dabei. Er hat das Zentrum aufgebaut und in Gang gebracht. Auch sei es ihm zu verdanken, dass man immer eine Antwort auf Fragen rund ums Plattdeutsche erhielt. Er leitete das Niederdeutschzentrum in Holstein 20 Jahre lang, kümmerte sich um Verwaltung und Finanzen. Und auch jetzt im Ruhestand hilft Holm mit wertvollen Tipps und gutem Rat weiter. Mit den Plattnet-Nachrichten sorgt er dafür, dass Neues aus der niederdeutschen Kulturwelt Verbreitung findet.

Interview mit Helga Walsemann (80)

Lübecker Nachrichten:Wie geht es dem Plattdeutschen denn im Augenblick?Helga Walsemann: Im Moment geht es der Sprache rundum gut. Viele, die Plattdeutsch lieben sprechen es eben auch. In den Ämtern gibt es jeweils einen Kreis von etwa 25 Leuten, die sich treffen und die Sprache pflegen.

LN: Hand aufs Herz, woran mangelt es denn?Walsemann:Es mangelt natürlich an Lehrern und Zulauf. An der Hochschule wird zwar noch ausgebildet, vor allem in Flensburg. Doch es bringt am meisten, wenn Lehrkräfte einen privaten Background haben. Doch im Gegensatz zur Westküste wird hierzulande kaum noch Platt in den Familien gesprochen.

LN: Wie kann man gegensteuern, um Platt am Leben zu halten?Walsemann:Es ist wichtig der Sprache ein moderneres Image zu verschaffen. Das macht vor allem Herr Börnsen am Zentrum für Niederdeutsch. Ich denke etwa an den Bandcontest. Nur so kann man auch junge Menschen erreichen. Es dürfen eben nicht immer die Selben sein, die sich um die Sprache kümmern. Wir brauchen Austausch und neue Mitstreiter.

LN: Was glauben sie? Wie wird es dem Platt in 25 Jahren gehen?Walsemann: Ich denke, wenn wir alle so weitermachen, wird Platt noch in 25 Jahren da sein. Die Klientel wird allerdings kleiner sein. Wir dürfen nicht nach lassen. Und ich bin noch immer motiviert.

Vor nunmehr 25 Jahren wurden das Zentrum für Niederdeutsch auf Initiative des Landes in Schleswig in Leck und das für Holstein, zunächst in Ratzeburg und mittlerweile in Mölln, gegründet. Die Aufgaben waren von Anfang an vielfältig: Die Förderung und Vernetzung niederdeutscher Akteure und Kulturschaffender gehörten ebenso dazu wie Fort- und Weiterbildungsangebote von Lehrkräften und Erziehern.

Songcontest und Computerspiel auf Platt

Börnsen muss sich immer wieder Innovationen einfallen lassen, um Plattdeutsch auch einer jüngeren Klientel zugänglich zu machen. Sein wohl größter Erfolg seit 2016 ist die Schaffung eines Musikwettbewerbs. Das holsteinische Zentrum organisierte mittlerweile im dritten Jahr den länderübergreifenden Songcontest „Plattbeats“. Junge Amateurmusiker zwischen 15 und 30 Jahren sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Und damit auch Bands mit geringen Plattdeutschkenntnissen dabei sein können, gibt es eine Übersetzungshilfe. Auch eine CD mit den Bands ist schon aufgenommen und veröffentlicht worden.

Mittlerweile hat das Zentrum für Niederdeutsch einen eigenen Youtube-Channel. Dort gibt es unter anderem ein Tutorial auf Platt mit Begriffserklärungen. Und überdies arbeitet das Zentrum an einem Computerspiel auf Plattdeutsch. Bei all diesen Projekten spielen natürlich die Kosten eine Rolle. Denn auch das Budget ist überschaubar. Und Spenden darf das Zentrum nicht annehmen.

Niederdeutsches Autorentreffen in Mölln. Quelle: hfr

Trotzdem sind im vergangenen Vierteljahrhundert hunderte Lesungen, Konzerte und Vorträge organisiert worden. Die Zentren haben auf unzähligen öffentlichen Veranstaltungen mit Infoständen und Vorträgen über die Regionalsprache informiert. Sie haben in Zusammenarbeit mit den Sprecherverbänden, Politik und Verwaltung wichtige Projekte mit auf den Weg gebracht. „Hier sei nur auf die 41 Modellschulen im ganzen Land verwiesen, in denen Niederdeutsch von den ersten Grundlagen an systematisch aufbauend unterrichtet wird, und für die die Niederdeutschzentren gemeinsam mit der Landesfachberatung Niederdeutsch die Ansprechpartner sind“, erklärt Börnsen.

Junge Filmschaffende nutzen Plattdeutsch

Während in Leck der Weiterbildungskurs „Platt för de Lütten“ in erster Linie für pädagogisches Personal in Kitas und Kindergärten entstand, organisiert das Zentrum in Mölln mittlerweile im 13. Jahr den plattdeutschen Autorentag „Platt för hüüt un morgen“. Eine immer wichtigere Aufgabe in den vergangenen Jahren und zugleich größte Herausforderung für die Zukunft ist die Weitergabe der Sprache an die junge Generation. Im Norden gibt es etwa den Trailerwettbewerb „Plattspot“, bei dem sich junge Filmschaffende in Kurzfilmen mit niederdeutschen Themen auseinandersetzen. Neben eigenen Projekten sind die Zentren auch an der Durchführung anderer Initiativen wie dem Vorlesewettbewerb „Schölers leest Platt“ beteiligt.

Börnsen ist außerdem dankbar, dass er seit zwei Monaten junge Unterstützung hat. Im Zentrum Mölln geht ihm Nikos Saul als studentische Hilfskraft zur Hand. Er studiert derzeit Germanistik mit Schwerpunkt Niederdeutsch. „Es ist schön, dass es hier weitergeht. Vor allem, weil man oft das Gefühl hat, nach uns geht das Licht aus“, sagt Börnsen.

Von Florian Grombein

Um das überarbeitete Waldbrandkonzept zu überprüfen, setzte der Katastrophenschutz des Kreises eine große Waldbrand-Übung an.

28.10.2019

„Gegen das Vergessen“ ein Zeichen setzen: Heike und Hartwig Fischer haben im Herbst 1989 die Ereignisse an der Grenze zur DDR mit der Kamera dokumentiert. Jetzt sind ihre Bilder in Ratzeburg zu sehen.

27.10.2019

Ein Autofahrer hat am Sonnabend in Kastorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) die Kontrolle über sein Fahrzeug und dabei drei weitere Autos beschädigt. Danach durchbrach der Wagen eine Hecke und landete in einem Vorgarten. Die Insassen wurden schwer verletzt.

26.10.2019