Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg „Wir sind nicht still“: Große Demo in Ratzeburg
Lokales Lauenburg „Wir sind nicht still“: Große Demo in Ratzeburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Demonstration „Wir sind nicht still“ am Reformationstag in Ratzeburg. Quelle: Thomas Biller
Ratzeburg

Der Reformationstag als jüngster Feiertag in Schleswig-Holstein entwickelt sich im Kreis Herzogtum Lauenburg zu einem „Demonstrationstag“. Was im vergangenen Jahr in Berkenthin mit dem Bekenntnis „Wir sind nicht still“ begonnen wurde, fand jetzt seine Fortsetzung in Ratzeburg. Und für das nächste Jahr konnte der symbolische Staffelstab bereits spontan weitergegeben werden.

„Mut verbindet – Menschenwürde achten“ lautete der Untertitel der Veranstaltung in Ratzeburg. Ein Motto, das für so manche Teilnehmer sehr gut zum Reformationstag passte. So zitierte Gesine Biller, die gemeinsam mit Mark Sauer den Tag moderierte zur Begrüßung das Luther-Wort „hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Mit den Moderatoren waren gleich drei der zahlreichen Institutionen vertreten, die für Planung und Durchführung verantwortlich waren. Gesine Biller ist Vorsitzende des Begleitausschusses der Partnerschaft für Demokratie Stadt RatzeburgAmt Lauenburgische Seen, Mark Sauer Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V. in Mölln und gleichzeitig Pressesprecher der Stadt Ratzeburg.

Kundgebung und Kunst

Mehrere Kunstaktionen begleiteten die Veranstaltung auf der Ratzeburger Insel. Kulturpreisträger Ebrahim Sharghi hatte Kartons als Rucksäcke vorbereitet und mit Schlagwörtern wie „Intoleranz“, „Gewalt“, Rassismus“, Hass im Netz“ beschriftet, die von Teilnehmern zum Marktplatz getragen wurden. „Das symbolisiert, die Last, die wir alle tragen“, meinte Sharghi. Zum Ende der Kundgebung lud der Künstler ein, die Kartons mit verschiedenen Farben zu bespritzen, um die Wörter unkenntlich zu machen.

Stelzengänger und Musiker unterhielten den Demonstrationszug auf halber Strecke. Auf dem Marktplatz gaben auch die Trommler vom Gleis 21-Projekt „Drum Sound“ ein Intermezzo und Gesine Biller lud mit Bürgermeister Koech die Kinder ein, den Marktplatz mit Straßenmalkreide bunt zu gestalten.

Ebenfalls auf dem Marktplatz wurden die Plakate gezeigt, die während der Vorbereitungszeit entstanden sind und zum Teil sehr persönliche Bekenntnisse zu Mut und Menschenwürde abbilden.

Musiker Lukas Kowalski begleitete den Ausklang der Kundgebung und ließ sich von einzelnen Trommlern spontan begleiten.

Bürgermeister Gunnar Koech hatte sich direkt nach Übernahme der Amtsgeschäfte im Juni als Schirmherr auf die Seite der Organisatoren gestellt und die Stadt Ratzeburg als Veranstalterin auftreten lassen. „Das ist der Hammer“, freute sich der Bürgermeister über die vielen Teilnehmer und die gute Stimmung auf dem Marktplatz. „Wir, die in der Öffentlichkeit stehen, müssen verantwortlich mit unseren Worten umgehen, müssen Toleranz, Nächstenliebe und Orientierung vorleben“, so Koech. Und: „Auch wenn es ein ernstes Thema ist – mir macht es wirklich Spaß hier!“

Wir müssen laut sein

Spaß hatte nicht nur der Bürgermeister; zahlreiche Trommeln und Schlaginstrumente waren für die Teilnehmer der Kundgebung ausgegeben worden und sorgten für Rhythmus und weithin hörbare Energie. Dieser „Drum Circle“ wurde von Fazilitatorin Helga Reihl aus Lübeck angeleitet. Bürgermeister Koech integrierte auch Marten Koch, Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates, in sein Grußwort. Marten Koch unterstrich dabei die Bedeutung des Austausches von Jugendlichen in den Partnerstädten Ratzeburgs. Weitere Grußworte entrichteten Pröpstin Frauke Eiben – „Ich will mich nicht von dem Hass der Nazis anstecken lassen!“, Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff vom Amt Lauenburgische Seen – „Angst ist ein schlechter Ratgeber“. Bundestagsabgeordneter Dr. Konstantin von Notz (B’90/Grüne) aus Mölln sprach unter anderem über das jüngste Geschehen in Halle: „Wir müssen jeden Tag deutlich machen, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz hat. Wir dürfen keine schweigende Mehrheit sein, wir müssen laut sein!“

Teilnehmerzahl

Die Ratzeburger Willkommenskultur hatte die kostenlose kulinarische Versorgung für die Veranstaltungsteilnehmer übernommen. Nach Angaben der Veranstalter nahmen – wie im vergangenen Jahr in Berkenthin – gut 1000 Menschen am Demonstrationszug teil. Die Polizei ging von rund 800 Teilnehmern aus.

Kreispräsident Meinhard Füllner forderte: „Wir müssen die Demagogie der Populisten entlarven! Es kommt auf jeden einzelnen Bürger an, wenn die Demokratie angegriffen wird. Es ist der schleichende Prozess des Duldens und Hinnehmens, der an unseren Grundfesten nagt.“

„Mut Verbindet –Menschenwürde achten“ – unter diesem Motto gab es am Reformationstag in Ratzeburg ernste Worte, aber auch fröhliche Gesichter.

Staffelstab weitergegeben

Zum Ende der knapp zweistündigen Kundgebung stellte Moderatorin Biller den neuen Staffelstab „Wir sind nicht still“ vor, der auf Anregung von Bürgermeister Koech von der interkulturellen Kunstwerkstatt gefertigt wurde. „Bewerbungen für eine Weiterführung dieser Demonstration in 2020 werden ab sofort entgegengenommen“, sagte Biller und fügte spontan hinzu: „Ich habe hier einige Würdenträger einer befreundeten Nachbarstadt gesehen, die noch keinen Weihnachtsbaum aufgestellt hat“. Nach kurzer Rücksprache von Möllns Bürgermeister Jan Wiegels mit dem stellvertretenden Bürgervorsteher der Eulenspiegelstadt Ulrich Wosslick, nahm Wiegels den Staffelstab an. „Wir haben zeitgleich den Herbstmarkt in der Stadt, aber wir werden uns etwas einfallen lassen“, so Wiegels.

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Lauenburg finden Sie hier.

Von Thomas Biller

Lauenburg Herbstvergnügen mit Kunst und Kulinarik Kunsthandwerkermarkt im Schwarzenbeker Amtsrichterhaus

Genießen mit allen Sinnen kann man am Wochenende, 2. und 3. November, im Haus und im Park des Amtsrichterhauses. 40 Kunsthandwerker aus Norddeutschland stellen hochwertige Produkte aus und kulinarische Leckereien verführen zum Gaumenschmaus.

31.10.2019

Nichts ging mehr für viele Autofahrer, die die Landesstraße 208 zwischen Aumühle und Kuddewörde befahren wollten. Eine fehlerhafte Ausschilderung führte zu erheblichen Umwegen.

31.10.2019

Ehestreit mit fatalen Folgen: Weil er die Forderung seiner Frau nicht akzeptieren wollte, seine psychischen Probleme stationär behandeln zu lassen, zog er den Schal um ihren Hals enger und enger. Nun hat der 54-Jährige aus der Nähe von Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) dafür seine Strafe erhalten.

30.10.2019