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Lauenburg Wohin mit alten Frachtern aus Lauenburg?
Lokales Lauenburg Wohin mit alten Frachtern aus Lauenburg?
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14:56 13.03.2019
Im Hafen unweit von Lauenburgs Marina reihen sich mehrere Einhüllentanker aneinander. Für die Schiffe fehlt Ladung, eine Zukunftsperspektive haben sie nicht mehr. Quelle: TIMO JANN
Lauenburg

Im Hafen an der Marina und am Lösch- und Ladeplatz vor der Altstadt von Lauenburg reihen sich derzeit gleich mehrere Frachtschiffe aneinander. Ein für die Schifferstadt Lauenburg ungewohntes Bild. Bei den Schiffen im Hafen handelt es sich um Einhüllentanker, die seit 1. Januar keine Gefahrstoffe mehr transportieren dürfen und denen deshalb geeignete Ladung fehlt. Und die Besatzungen der Binnenschiffe am Lösch- und Ladeplatz sind alle deutlich älter als 60 Jahre und fahren nur noch sehr selten.

Schiffe müssen zugelassen sein

„Ein Problem sind die in Lauenburg liegenden Schiffe bisher nicht, es herrscht noch kein Platzmangel an den Liegestellen“, erklärt Tilman Treber, der Leiter des Lauenburger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA). Es werde aber darauf geachtet, dass alle Schiffe zugelassen sind und dem Verkehr jederzeit Liegemöglichkeiten angeboten werden können.

Auch am Lösch- und Ladeplatz liegen mehrere alte Frachter nebeneinander. Sie fahren nur noch selten. Quelle: TIMO JANN

Wie berichtet wird auf der Hitzler-Werft gerade der frühere Einhüllentanker „Dettmer Tank 51“ zum 23,50 Meter langen Schub-Schlepper umgebaut. Das Mittelschiff mit den Tankkammern wurde von Bug und Heck getrennt, die beiden Enden neu zusammengesetzt. Eine sinnvolle Nachnutzung für einen Einhüllentanker, die die Firma Rüdebusch bei Hitzler beauftragt hat. Mit dem Umbau sollen Schubleichter gefahren werden.

Als Schub-Schlepper ohne Mittelschiff wurden Heck und Bug eines alten Tankers auf der Hitzler-Werft neu zusammengefügt. Quelle: TIMO JANN

Andere Tanker dürften wohl demnächst bei Heiko Miersen landen. Der Hamburger Unternehmer betreibt in Deutschland die einzige Abwrackwerft. Mit den Verantwortlichen der Hitzler-Werft und der Firma Rüdebusch steht er in Kontakt.

Abwrackexperte mit im Boot

„Wir stehen da in engem Austausch. Wir suchen nach Lösungen, die teilweise noch gut erhaltenen Schiffe irgendwie vernünftig umnutzen zu können“, berichtet Miersen. Er ist sozusagen mit im Boot, weil er das Mittelschiff des alten „Dettmer Tank 51“ verwerten könnte. Sein Betriebsgelände in Hamburg befindet sich direkt neben dem Moorburger Kohlekraftwerk. „Wir liegen da an einem Kanal. Wenn der durch die Tide zweimal täglich trocken fällt, zerlegen wir dort Binnenschiffe“, berichtet Miersen. Er schätzt, dass das Aus für die Einhüllentanker 100 bis 150 Schiffe betrifft. Die meisten davon dürften in Nord- und Mitteldeutschland unterwegs sein, weil das Verbot zum Gefahrstofftransport für diese Schiffstypen auf dem Rhein schon länger gilt.

Heiko Miersen mit der dicken Hydraulikschere, mit der er Binnenschiffe zerlegen kann. Quelle: TIMO JANN

Etwa 300 Tonnen Stahl fallen bei einem gut 80 Meter langen Binnenschiff beim Abwracken an. Vor dem Zerlegen werden sämtliche Tanks und Leitungen gereinigt, um die Elbe nicht zu verschmutzen. Etwa eineinhalb bis zwei Wochen dauert es, so einen Frachter zu zerlegen.

Altmetall wird weiterverarbeitet

Der alte Stahl geht dann in die Stahlwerke nach Hamburg und Bremen oder in den Export und wird bei der Produktion neuen Stahls eingesetzt. „Wir schneiden das Material zum Großteil kalt“, erklärt Miersen. Er setzt dazu eine dicke Hydraulikschere ein. Eine Arbeit, die er sich auch in Lauenburg vorstellen könnte. „Mit der Werft hier arbeiten wir gut zusammen, das ist eine gute Partnerschaft. Da werden wir sicher noch neue Ideen entwickeln. Wir haben ja erst begonnen, unsere Kräfte zu bündeln“, meint Miersen. Voraussichtlich wird er den Rest des verkürzten „Dettmer Tank 51“ zerlegen, um zu einer genauen Kostenkalkulation für das gesamte Umbauprojekt des Einhüllentankers zu kommen. Vorteil: Aktuell sind die Schrottpreise gut.

Reeder hoffen auf neue Aufträge

Derweil hoffen die Reeder der betroffenen Schiffe noch auf kleine Wunder – etwa den Transport von Speiseöl, das noch in Einhüllentrankern verschifft werden dürfte. Da die Liegeplätze kostenlos sind, kostet der Unterhalt der Frachter nur wenig Geld. Und selbstständige Besatzungen, wie die der Frachter am Lösch- und Ladeplatz, haben auch keine hohen Lohnkosten.

Timo Jann

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