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Lauenburg Bund ehrt Petra Harms und Don-Bosco-Haus
Lokales Lauenburg Bund ehrt Petra Harms und Don-Bosco-Haus
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10:13 12.03.2019
Hohe Auszeichnung für Petra Harms (58) und das gesamte Don-Bosco-Haus in Mölln: Heute bekommt die Vorstandsvorsitzende des Trägervereins von Daniel Günther das Bundesverdienstkreuz verliehen.  Quelle: Grombein, Florian
Mölln

Sie konnte es fast nicht glauben. Doch in dem Brief aus Kiel stand es schwarz auf weiß: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ihnen auf Vorschlag des Ministerpräsidenten die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen hat“. Petra Harms, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins „Don-Bosco-Haus für das behinderte Kind“, setzt sich seit eineinhalb Jahrzehnten für Menschen mit Behinderungen ein. Doch auf eines besteht sie: Diese Auszeichnung im Jubiläumsjahr (50 Jahre) des Hauses gebührt dem ganzen Team.

„Das hat mich total überrascht. Ich war völlig geplättet und habe mich sehr gefreut“, sagt die 58-Jährige. Warum bekommt sie den Orden und nicht Ehemann Harry Harms, der Pädagoge und ideelle Kopf hinter der Einrichtung. „Wir sind eine Einheit. Ohne meinen Mann hätten wir die Modernisierungen und die tollen Förderkonzepte nicht erreicht“, sagt sie. Seit 2003 steuern sie die Geschicke des Hauses, das sich um Menschen mit geistigen und körperlichen Handicaps kümmert und ihnen die Teilhabe ermöglicht. Mit ihrer Arbeit könne man Schlösser öffnen und Menschen ins Leben begleiten, so Harms.

Zehn Häuser unter einem Dach

Das Don-BoscoHaus hat neun Häuser, die nach und nach saniert, vergrößert und modernisiert wurden. Das begann 2004 mit der Planung von Haus 7 und 8 und ging bis zur jüngsten Planung und Realisierung des Hauses 9 von 2016 bis 2017.

Der Brigittenhofsoll in Kürze unter dem Dach des Don-Bosco-Hauses als zehntes Haus geführt werden. Dann finden neben Kindern und jungen Erwachsenen mit Handicaps auch ältere Menschen mit hohem Pflegebedarf quasi unter einem Dach ein Zuhause.

163 Bewohner leben im Don-Bosco-Haus, 45 Bewohner im Brigittenhof. Mehr Informationen zur Einrichtung in Mölln gibt es im Internet unter www.donbosco-haus.de.

Petra Maria Anna Franziska Harms, wie sie mit vollem Namen heißt, wurde 1960 in Lingen im Emsland geboren. „Sie engagiert sich mit höchster Intensität für das Don Bosco-Haus, einer einzigartigen Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Mölln, erklärt die Landesregierung. Los ging ihr Engagement 2003. Die vorherige Leiterin verstarb. Das Don-Bosco-Haus steckte in finanziellen Schwierigkeiten. Petra und Harry Harms sei es gelungen, das Haus erneut auf eine finanziell solide Grundlage zu stellen. Der Trägerverein unter dem Dach der Caritas im Land hat heute 240 Mitglieder. Und im Don-Bosco-Haus bekommen die Bewohner viel mehr, als durch die Pflegeversicherung abgedeckt wird. Eine Bäckerei, in der Biobrot von Autisten hergestellt wird, einen Pferdehof in Harmsdorf, wo Menschen mit Behinderung Hippotherapie genießen, eine multimediale und mobile Bibliothek oder etwa eine Schaukel für Rollstuhlfahrer.

In diesem Jahr feiert das Don-Bosco-Haus 50-jähriges Bestehen.

Bei der Arbeit Wunder erleben

Petra Harms hat einen sehr persönlichen Bezug zur Arbeit. Ihr Bruder, der selbst ein Handicap hat, lebt seit 1996 im Don-Bosco-Haus. Nach dem Erwerb der Einrichtung hat sie 2009 als geschäftsführende Gesellschafterin auch die Pflegeeinrichtung Brigittenhof auf dem Gelände übernommen. Mit 280 Mitarbeitern ist das Don-Bosco-Haus der größte Arbeitgeber in Mölln und Umgebung. Im Brigittenhof sind noch einmal 55 Mitarbeiter tätig. Petra Harms: „Wir sind eine christliche Einrichtung und wir dürfen immer wieder Wunder erleben bei unserer Arbeit.“

So nutzt die Einrichtung so genannte Talker. Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht sprechen können oder mögen, kommunizieren über Tabletcomputer. Immer wieder zeigen sich die genannten kleinen Wunder mit Hilfe dieser Verständigung. So habe ein Rollstuhlfahrer nach seinem ersten Erlebnis in der Rollstuhlschaukel drei Wörter getippt: „Andreas, fliegen, glücklich“. Das hat alle Anwesenden berührt. Ein über 40 Jahre alter Autist habe durch die Hippotherapie im Sattel eines Pferdes das erste Mal richtig gesprochen – mit dem Pferd. „Das hat seine Mutter zu Tränen gerührt“, berichtet Harms.

Petra Harms glaubt noch an viele kleine und große Wunder. Und für die heutige Ehrung ist sie vor allem aus einem Grund dankbar: „Diese Ehrung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Florian Grombein

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