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Lübeck 100 Jahre Bauhaus: Als die Moderne nach Lübeck kam
Lokales Lübeck 100 Jahre Bauhaus: Als die Moderne nach Lübeck kam
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06:00 01.07.2019
Der Architekt und Stadtplaner Klaus Brendle vor den 20er-Jahre-Wohnblocks in der Helmholtzstraße. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Anfang 1928 kam Walter Gropius nach Lübeck, der Gründer des Bauhauses, der Mann, der die Architektur revolutioniert hatte. Er hielt einen Vortrag zum Thema „Das Wohnhaus des modernen Menschen“. An Selbstbewusstsein fehlte es dem damals 44-jährigen Stararchitekten nicht. Vielleicht wäre er gar nicht überrascht gewesen, dass im Jahr 2019 das hundertjährige Jubiläum seiner Gründung in Deutschland und anderswo mit Ausstellungen, Führungen und Kulturveranstaltungen aller Art gefeiert wird.

Moderne von 1930 in der Triftstraße

Mitten im Jubiläumsjahr steht Dirk Stübe (30) im Eingang seiner Doppelhaushälfte in der Triftstraße in Vorwerk. Die Siedlung entstand von 1930 bis 1931, geplant und gebaut von der Gemeinnützigen Siedlungs-Genossenschaft, und kommt dem ziemlich nah, was Gropius unter dem „Wohnhaus des modernen Menschen“ verstand. Sie besteht aus würfelartigen Häusern, die gegeneinander leicht versetzt stehen; rationell, einheitlich, mit großen Gärten – damals wichtig für die Selbstversorgung. Stübe hat das Haus für seine vierköpfige Familie allerdings nicht aus Architektur-Liebhaberei gekauft, sondern wegen der Lage und des Eigenlands. „Von innen sind die Häuser super“, sagt er. „Die Aufteilung, die hohen Decken – und keine Schrägen.“

Kurzes Leben, langes Nachleben

1919 gründet der Architekt Walter Gropius (1883-1969) in Weimar eine Kunsthochschule unter dem Namen „Staatliches Bauhaus“. Ihr Ziel ist die Einheit von Kunst, Handwerk und Bauen.

Dreimal wird das Bauhaus Opfer der Politik. 1925 vertreibt eine konservative Regierung es aus Thüringen. 1932 schließt ein NS-dominierter Gemeinderat die neue Stätte in Dessau. 1933 erzwingt das neue NS-Regime die Schließung der letzten Zuflucht in Berlin.

Das Bauhaus hat großenEinfluss auf Architektur und Design der Moderne. Zu den Klassikern zählen das Hochschulgebäude in Dessau (seit 1996 Unesco-Welterbe), der freischwingende Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer und die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld.

Denkmalschützer haben das Thema im Blick

Der städtische Denkmalschutz ist dabei zu überprüfen, was in der Siedlung schützenswert ist. Ulrike Köhn, die dafür zuständig ist, ist erst vor Kurzem zu einer Bauhaus-Fachtagung in Halle gereist. Gerade im Jubiläumsjahr, sagt sie, sei das Interesse der Fachwelt für die frühe Moderne groß. Sie wird auch ein Hauptthema für den Tag des offenen Denkmals am 8. September sein. Die Triftstraße, sagt Köhn, sei „ein typisches Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik“. Nicht zu vergleichen zwar mit der berühmten Reihenhaussiedlung Törten in der Bauhaus-Stadt Dessau. „Da begann der moderne Plattenbau. Aber ähnlich ist in der Triftstraße die strenge, kubistische Architektursprache.“

St. Jürgen: Bauhaus mit Klinkerfassade

Der Architekt und Stadtplaner Klaus Brendle bereitet für den Lübecker Architektursommer am 14. September eine Führung über die frühe Moderne vor. Er steht in der Helmholtzstraße in St. Jürgen und blickt auf vier große Wohnblocks aus teils gegeneinander versetzten Rechtecken mit dunkler Klinkerfassade. „Wenn man sich das in Weiß vorstellt. . .“ Damit spielt er auf die Vorliebe der Bauhaus-Architekten für weiße Außenwände an. „Hier in Norddeutschland ist halt immer der Ziegel im Spiel. Der bringt immer was anderes hinein, weil der eine Textur hat.“

Vor 100 Jahren wurde die berühmte Bauhaus-Hochschule gegründet. Ihr Einfluss reichte schon bald bis nach Lübeck. Das kann man heute noch sehen.

Lübeck war Vorreiter des sozialen Wohnungsbaus

Es ist kein Zufall, dass die meisten Zeugnisse der Bauhauszeit in Lübeck von Wohnungsbaugenossenschaften errichtet wurden. „Da steckt auch die soziale Komponente drin“, sagt Brendle. Wohnungsknappheit beherrschte die 20er Jahre. Lübeck war damals Vorreiter des sozialen Wohnungsbaus. Einfache, mit neuster Technik gebaute Häuser mit funktional geschnittenen, hellen Räumen – da trafen sich die moderne Architektur und die sozialen Erfordernisse.

Overbeck: Bauhaus in der Innenstadt

Sogar die Innenstadt kann unter all der mittelalterlichen Pracht ein Denkmal der Bauhaus-Moderne aufweisen: den 1930 gebauten Pavillon der Overbeck-Gesellschaft hinter dem Behnhaus an der Königstraße, der bis heute für Ausstellungen genutzt wird. In diesem Fall ging es nicht um das Soziale, sondern um die Kunst: schlichte, klare Formen, kaum Zierrat, helle Räume mit Oberlicht. Der Architekt war Wilhelm Bräck – der 1928 höchstwahrscheinlich auch den Bericht über Walter Gropius’ Vortrag in Lübeck geschrieben hatte.

Gropius: Die Wucht der industriellen Technik

Nach diesem Bericht ging es in Gropius’ Vortrag aber nicht um Lübeck, sondern um die Zukunft der Architektur überhaupt: „Denn die Technik, von der Industrie beherrscht, wird ihre Möglichkeiten in erdrückender Fülle und idealer Anpassung in den Weg stellen und alle Kräfte überfluten, die ihrer Wucht nicht gewachsen sind.“

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