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Lübeck 100 Jahre Lübecker Köche
Lokales Lübeck 100 Jahre Lübecker Köche
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16:16 23.01.2019
Mitglieder des Vereins Lübecker Köche bekochen Bewohner des Ronald McDonald-Hauses. Quelle: Rüdiger Jacob
Lübeck

Emsig werkeln sie im Hintergrund, putzen, schneiden, pellen, parieren, tournieren, braten, backen, dämpfen, pochieren: Fast unmöglich alles aufzulisten, was die Köche so alles machen müssen, damit am Ende ein schmackhafter Schmaus auf den Teller kommt. Jetzt feiert der Verein Lübecker Köche (VLK) sein 100-jähriges Bestehen.

Internationale Persönlichkeiten

Viel Prominenz haben die lübschen Weißröcke, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, schon bekocht. Minister, internationale Staatsgäste oder Schauspieler. Stefan Voss, der Chef des vor 100 Jahren gegründeten Vereins, erinnert sich an seine Zeit als Lehrling in der Schiffergesellschaft – und gerne an den Besuch von Königin Silvia und Königsgatte Carl Gustaf Anfang der 80er-Jahre.: „Da war ich so stolz“, sagt der 55-Jährige. „Alles wurde abgeriegelt. Und von allen Speisen, die wir reichten, wurden sogenannte Rückstellproben genommen“, so Voss. Das sind Proben, die später untersucht werden können, falls einem der Gäste schlecht wird. Die wurden aber natürlich nicht gebraucht. „Als die Königin hereinkam, haben wir alle Spalier gestanden“, sagt Voss noch heute voller Stolz. Wolfgang Steffen, Ex-Pächter und damaliger Küchenchef der Schiffergesellschaft, weiß noch genau, was das Königspaar verspeist hat: „Es gab Holsteiner Flugentensalat, Avocadocremesuppe, filetierte Salmschnitte und Perlen von Cantaloupemelonen“, so Steffen. „Und dann hat sich die Königin noch sechs Glas Labskaus mitgeben lassen“, sagt Steffen schmunzelnd. Auch der Schah von Persien hat in der Hansestadt gespeist. Er war im historischen Schabbelhaus bei dem inzwischen verstorbenen Reinhold Voß, Ehrenmitglied und damals Küchenchef des Schabbelhauses. Und Stefan Voss, inzwischen ausgelernter Koch, hatte einst als Küchenchef im Vereinshaus der Lübecker Ruder-Gesellschaft unter anderem den früheren Bundesminister Manfred Kanther (CDU) zu Gast. „Viele Prominente wollten nicht erkannt werden“, so der Koch. Aber das Kochen mache ihm für alle Menschen Spaß, nicht nur für die Prominenten.

Im Fokus: Jugendarbeit

Regelmäßig tauschen sich die Vereinsköche aus. Fachsimpeln unter anderem darüber, wie es gelingen kann, mehr Nachwuchs für die Gastronomie zu erwärmen. „In den Siebzigern kamen auf einen Ausbildungsplatz 25 Bewerber“, erinnert sich Voss. „Die Gastronomie war einfach in“, sagt der Vereinschef, der noch die Sechs-Tage-Woche kennt. Heute hat die Gastronomie große Probleme, überhaupt genügend Bewerber zu finden. Der Verein, der aus einer Kegelclub-Laune hervorgegangen ist, zählt heute 102 Mitglieder. Hinzu kommt die etwa 30 Köpfe zählende Jugendgruppe. „Nach wie vor steht die Jugendarbeit im Fokus des Vereins“, weiß Johann Grassmugg, Ehrenmitglied des Klubs und Vizepräsident des Verbandes der Köche Deutschlands. Regelmäßig richtet der VLK Kochwettbewerbe in der Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie aus.

Voss, der Mann, der 2016 als Topausbilder des Jahres gekürt wurde, hat auch andere Köche geprüft. Tim Mälzer zum Beispiel: „Der hat schon damals gut gekocht mit seiner laxen Art“, sagt Voss. Kennengelernt hat er auch TV-Koch Johann Lafer, Freund und österreichischer Landsmann von Grassmugg. „Der Beruf des Kochs wird niemals aussterben“, ist Voss überzeugt. Weil es ein Handwerk ist, das nicht einfach durch moderne Technik ersetzt werden kann.

Großes Fußball-Benefizturnier

Und so soll es mit dem großen Jubiläum losgehen: Am 29. Januar ist das traditionelle Eisbeinessen, der Neujahrsempfang der Weißröcke. Dann soll es im Sommer ein Fußballbenefiz-Spiel mit den Gastrokickern geben, eine Blaufahrt steht an, in der Aegidienkirche wird für Bedürftige gekocht. Das Highlight aber ist im September, wenn die große Verbandstagung norddeutscher Köche in Lübeck stattfindet. Dann gibt es einen Empfang im Rathaus für geladene Gäste. Und die Köche wollen im Anschluss in weißer Zunftskluft durch die Stadt laufen und in der Jakobikirche eine Fahnenweihe zelebrieren. Und schließlich soll in der Schiffergesellschaft das Buddenbrook-Menü eingenommen werden. Klar, dass auch die Köche mal opulent speisen dürfen...

Rüdiger Jacob

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