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Lübeck Von der Pferdekutsche zum High-Tech-Lkw
Lokales Lübeck Von der Pferdekutsche zum High-Tech-Lkw
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12:08 23.05.2019
Das Führungsteam der Lübecker Niederlassung mit Fuhrparkleiter Markus Röthig (v. l.), Bernd Müller und Niederlassungsleiter Christian Baumbach. In der Tür seines frisch gewaschenen Lkw steht Fahrer Thomas Lange, der seit 25 Jahren bei FMS arbeitet. Quelle: Lutz Roeßler
Kücknitz

 An der Straße Alter Kühlturm in Herrenwyk, mit direktem Blick auf die Trave, ist sie kaum zu übersehen: die leuchtend rote Zentrale von Fr. Meyer’s Sohn – ein modernes Gebäude mit viel Glas, das Platz bietet für die insgesamt 72 Mitarbeiter, die ebenfalls leuchtend roten Lkw, eine eigene Lkw-Waschstraße und Tankstelle vor der Tür. Hier wird am 24. Mai das 100-jährige Bestehen der Lübecker Niederlassung mit Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern gefeiert.

Fast ein Familien-Unternehmen

Lübeck ist die einzige Filiale, die – neben Hamburg – ein eigenes Gebäude hat“, sagt Niederlassungsleiter Christian Baumbach (32) stolz, dessen Vorgänger sein Vater Peter Baumbach war. Es ist fast schon Tradition bei FMS, dass mehrere Generationen einer Familie die Leitung übernehmen – war Theodor Fischer 1919 bis 1960 Geschäftsführer von FMS Lübeck, sein Sohn Kurt trat 1949 in die Firma ein, der er 43 treu blieb – davon 20 Jahre als Geschäftsführer.

Lager in Hafenschuppen für Waren aller Art

Der 1999 verstorbene Kurt Fischer hat in der Zeitschrift „Tugmaster“ der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) seine Erinnerungen an die frühen Jahre der Niederlassung aufgeschrieben. Darin schildert er, wie er seine Lehre begann und – da es im Bereich Seehafenspedition noch nicht so richtig lief – die Firma in den Hafenschuppen und anderen Gebäuden im Bereich Untertrave/Große Altefähre Waren für Firmen wie Dr. Oetker, Knorr, Trumpf oder Scharlachberg sowie Futterkalk, Umzugsgut und Konserven lagerten.

Beschaulich: Einer der ersten Lkw für Fr. Meyer's Sohn in den 1950er Jahren. Quelle: Archiv FMS

Fischer schildert die harte körperliche Arbeit in den Schuppen – und wie beliebt das Entladen der Trumpf-Schokoladen und Pralinen auch bei Büromitarbeitern aus dem Hause Große Altefähre 21 war, gab es doch stets Präsente für die fleißigen Helfer.

Forstprodukte sind Kerngeschäft

Schon seit 1924 jedoch wickelte FMS Lübeck erste Papierholztransporte ab, ab Beginn der 1950er Jahre errang die Firma auch die durch den Krieg unterbrochene Dominanz auf dem Sektor der Forstprodukte zurück. Auch heute noch bilden Forstprodukte das Kerngeschäft der Spedition.

Ein Werbefilm für FMS aus den 1950er Jahren ist hier zu sehen:

Und dennoch hat sich vieles verändert. Bernd Müller (64), der FMS Lübeck seit 1971 kennt und seit 1977 ununterbrochen in der Führungsetage gearbeitet hat, weiß eine Menge davon zu berichten. „Damals“, sagt er über seine ersten Jahre in der Spedition, „wurden die Schiffe teilweise noch per Hand gelöscht, im Büro hatten wir Telex mit Lochstreifen.“ Es sei eine völlig andere Zeit gewesen als heute, „denn man hatte noch Zeit.“

Noch sehr überschaubar: die Flotte im Jahr 1952 auf dem Gelände an der Schwartauer Landstraße. Heute sind es 40 Lkw. Quelle: Archiv FMS

Globales Unternehmen

1897 gründet Friedrich Hugo Ernst Meyer in einem 35 Quadratmeter großen Raum in der Hamburger Brandstwiete das Speditionsunternehmen Fr. Meyer‘s Sohn (FMS). Da es bereits ein Unternehmen mit dem Namen Ernst Meyer gibt, wird fortan der Name seines Vaters Friedrich in die Firmierung übernommen. Seitdem ist der offizielle Name Fr. Meyer’s Sohn.

1919 gründen Ernst Meyerund sein Prokurist Willi Nupnau die Lübecker Niederlassung in Nähe des Hafens: Große Altefähre 21 lautet die Adresse.

FMS gehört heute zu den Top 10 Seefrachtspeditionen weltweit. Die Firma ist mit 50 Standorten in rund 20 Ländern – von Kanada im Westen bis China im Osten –vertreten.

Ernsthafte Krise 1996

Einige Jahre war FMS an drei Standorten vertreten: mit der Zentrale in der Großen Altefähre, mit einem Fährbüro in Travemünde, mit den Lkw an der Schwartauer Landstraße. Und dann kam 1996 die große Krise. „Wir standen in Lübeck fast vor dem Aus, weil unser größter Kunde sich selbstständig machte und auch noch Mitarbeiter von uns abwarb“, erzählt Müller. Die Standorte wurden an der Schwartauer Landstraße zusammengelegt, „wir mussten uns komplett neu finden.“

Es gelang: FMS gewann schwedische Kunden für Zellstoff und Papier, stieg in die Auto-Verschiffung für Mercedes und Porsche ein und konzentriert sich seitdem mehr auf eine vielfältige Kundschaft. „Wobei wir eng mit Lehmann, der LHG und der DB Cargo zusammenarbeiten.“

Neubau in Herrenwyk und digitaler Umbruch

Die alte Traditions-Spedition kam wieder gut auf die Beine, baute 2007 die neue Firma in Herrenwyk. Vor drei Jahren dann ein großer Umbruch: die Digitalisierung, wie Geschäftsführer Christian Baumbach erzählt. „Bis vor drei Jahren hatten wir noch Blätter, auf denen aufgeschrieben wurde, welcher Lkw welche Tour fährt. Jetzt sind alle unsere Wagen mit Software vernetzt.“ Und: Per GPS-Tracking kann genau verfolgt werden, welcher Fahrer mit welchem Wagen gerade wo unterwegs ist, ob er eine Pause macht, im Stau steht oder fährt.

Laut Fuhrpark-Leiter Markus Röthig (42) sind rund 16 Subunternehmer für FMS unterwegs, „denn wir haben weitaus mehr Ladung, als wir mit unseren eigenen Lkw bewältigen können.“ Der Umschlag im vergangenen Jahr betrug allein 1,4 Millionen Tonnen. Aber auch in den eigenen Fuhrpark investiert die Firma kontinuierlich: „Alle drei Jahre schaffen wir neue Zugmaschinen an, alle fünf Jahre neue Trailer, denn wir wollen qualitativ hochwertig bleiben.“ Dazu gehören auch sogenannte Abbiege-Assistenten.

Gutes Betriebsklima

Derlei Investitionen scheinen sich ebenso zu rechnen wie die Firmenpolitik, den eigenen Nachwuchs auszubilden. Aktuell sind von den 72 Mitarbeitern fünf Auszubildende. Viele seien langjährig dabei: Röthig seit immerhin 20 Jahren, Müller seit 42. Lkw-Fahrer Thomas Lange (50), der gerade mit einem frisch gewaschenen Lkw aus der hauseigenen Waschstraße kommt, ist seit 25 Jahren bei FMS Lübeck. „Arbeitszeiten, Fuhrpark, Disponenten und Arbeitszeiten sind vernünftig, die Entlohnung ist in Ordnung. Und: Der Umgang miteinander ist gut.“

  

Sabine Risch

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