100-jähriges Jubiläum: Das schmeckte Lübecks Köchen
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Lübeck 100 Jahre: Das schmeckte Lübecks Köchen
Lokales Lübeck 100 Jahre: Das schmeckte Lübecks Köchen
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19:14 07.10.2019
100 Jahre Verein Lübecker Köche: Die Weißröcke marschieren durch die Lübecker Innenstadt. Quelle: Holger Teegen
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Innenstadt

Das war eine Jubiläumsfeier nach Maß. Normalerweise stehen die Weißröcke nicht so sehr im Rampenlicht. Doch zur 100-jährigen Jubiläumsfeier stand der Verein Lübecker Köche (VLK) im Fokus der Feierlichkeit im Audienzsaal. Nach vielen Worten des Lobes und der Anerkennung ging es mit einem Marsch durch die Stadt in die Jakobikirche, wo eine beeindruckende Segnung der Vereinsfahnen durch Pastor Lutz Jedeck zelebriert wurde.

Eine Torte von der Marine

Vor dem Kirchenbesuch gab es Matjestatar auf Pumpernickel sowie einen Schnaps. Ohnehin gab es im Rahmen der Feierlichkeiten, wozu unter anderem auch ein großer Sekt-Empfang im Foyer des Rathauses zählte, schmackhafte Köstlichkeiten.

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100 Jahre Verein Lübecker Köche: So sieht ein stolzer Vorstand aus. Quelle: Holger Teegen

Eine große Geburtstagstorte, überreicht von uniformierten Vertretern der Marineunteroffiziersschule in Plön, – auch dort werden Köche ausgebildet – durfte natürlich auch nicht fehlen.

Viel Prominenz zur Ehre der Köche

Viel Prominenz haben die lübschen Weißröcke in den vergangenen 100 Jahren bekocht: Minister, Staatsgäste, Schauspieler. Seit einem Jahrhundert ist der Verein, der einst aus einer Kegelklublaune heraus entstand, fest im kulturellen Leben Lübecks verankert. „In einer Stadt mit einer so herausragenden touristischen Bedeutung wie Lübeck hat unser Verein fast zwangsläufig eine herausragende Stellung“, so der stellvertretende Vorsitzende des VLK, Uwe Langbehn. „Durch seine zahlreichen wohltätigen Veranstaltungen, seine Förderung des Berufsstandes, der Nachwuchsköche und seine Bühne für Austausch und Kommunikation in der gastronomischen Welt, hat der Verein weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen wertvollen Beitrag zum Erfolg Lübecks als Tourismus-Region beigetragen“, sagt Georg Aechtner, Jugendwart des Vereins.

Aber neben der Feier gab es auch Arbeit für die Köche: In der Lübecker Gewerbeschule Nahrung und Gastronomie kamen die Vorstände der Zweigvereine aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zusammen. Dort hielten sie die gemeinsame Landesverbandstagung der Landesverbände des Verbandes der Köche Deutschlands ab. Dabei wurde emsig über Ausbildung, Weiterbildung und Förderung der Köche gefachsimpelt. Des Weiteren wurden Wettbewerbe und Trainings verabredet sowie die Vereinsarbeit koordiniert. Immerhin richtet der VLK regelmäßige Kochpokalwettbewerbe wie den Citti-, Rasmussen- oder Achenbach-Pokal aus.

Viele bekannte Gäste konnte Langbehn im Audienzsaal des Rathauses begrüßen. Etwa Ex-Stadtpräsident Peter Sünnenwold und Daniel Schade, Vizepräsident des Verbandes der Köche Deutschlands, Axel Strehl, Präsident der Dehoga Schleswig-Holstein, Alexander Jach, Leiter der Gewerbeschule Nahrung und Gastronomie sowie Frank Höhne, Chef des Verbandes der Servicefachkräfte, Restaurant- und Hotelmeister.

100 Jahre Verein Lübecker Köche: Jakobi-Pastor Lutz Jedeck segnet die Fahne. Quelle: Holger Teegen

Musik gab es von der Oldenburger Liedertafel. Im Laufe des Abends wurde den Köchen immer wieder für ihr Engagement in der Vergangenheit gedankt und ihnen Mut für die Zukunft zugesprochen.

Ein Abendmahl für die Köche

Auch Ehrungen gab es, wie beispielsweise für langjährige Mitgliedschaften: So erhielt Uwe Langbehn die Goldmedaille mit Lorbeeren am Band für seine langjährige Arbeit im Verband. Johann Grassmugg, Vizepräsident des Verbandes der Köche Deutschlands sowie Ehrenvorsitzender des VLK , schlug einen Bogen zu den „großartigen Leistungen der Köche in und um Lübeck bis hin zu den heutigen aktuellen Errungenschaften.“

Lübsche Rezepte

Lübecker National (Steckrüben Eintopf)

 Zutaten

800 g Schweinenacken oder mageren Bauch

500 g Steckrübe ( Runken )

500 g Kartoffeln

300 g Mohrrübe

2 Zwiebeln

1 Liter Fleischbrühe

5 Pimentkörner, 2 Lorbeerblätter

5 TL Salz

Pfeffer ( Schwarz )

Schmalz

1 Bund Petersilie

 

Zubereitung

 Das Fleisch in einen passenden Topf legen und mit der Brühe auffüllen, sodass das Fleisch bedeckt ist. Gewürze hinzugeben und circa 30 Minuten kochen. Steckrüben, Mohrrüben und Kartoffeln schälen und in ca. 1 cm dicke und 3 cm lange Stifte schneiden. Die Zwiebeln und den Speck in kleine Würfel schneiden und mit dem Schmalz in einem Topf anschwitzen. Steckrüben, Kartoffeln und Mohrrüben hinzugeben, kurz mit anschwitzen, die Brühe dazugeben und circa 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Das Fleisch in Würfel schneiden, in den Topf geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Eintopf in tiefe Teller geben mit gehackter Petersilie anrichten.

Tipp: Oft werden Rüben, Karotten und Kartoffeln auch grob gestampft und als Mus serviert.

 

Großer Hans ( Brotpudding )

Zutaten

5 vertrocknete Brötchen oder die gleiche Menge altes Brot (zerkleinert)

250 ml Milch

80 g Butter

60 bis 100 g Zucker (nach Belieben)

1 Zitrone (unbehandelt)

2 TL Vanillezucker

2 TL Zimt

3 Eier

50 g geriebene Mandeln oder Haselüsse

50 g Zitronat

80 g Rosinen

 

Zubereitung

Die Butter und die Milch zusammen erwärmen, sodass die Butter schmilzt. Die Mischung anschließend über die zerkleinerten Brötchen geben und diese darin einweichen. Den Brei mit einem Handrührgerät verquirlen oder mit den Händen durchkneten.Die Eier trennen und die Eigelbe, den Zucker, die Nüsse, das Zitronat, die Rosinen, den Zimt, den Vanillezucker und die geriebene Zitronenschale zu der Masse hinzugeben und ordentlich durchkneten. Die 3 Eiklar zu Eischnee schlagen und vorsichtig unter den Puddingteig heben. Eine Wasserbad-Puddingform ausbuttern und mit geriebenen Nüssen bestäuben. Den Pudding in die Form geben und eine Stunde im Wasserbad garen lassen. Anschließend die Form aus dem Wasser nehmen und unter kaltem Wasser abschrecken. Erst dann kann der Pudding gestürzt werden. Vor dem Servieren kurz abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und diese auf einem Teller mit Vanillesauce anrichten.  

 

Geeiste Rhabarbersuppe mit Schneeeiern

 Rhabarber putzen, schälen und in Stücke schneiden

Einen Topf mit Weißwein, 200 g Zucker, Sternanis, einer Vanilleschote und Zimt zum Kochen bringen. Den Rhabarber nach einiger Zeit hinzugeben und bissfest garen (ca. 3 bis 4 Minuten). Den Rhabarber aus dem Fond nehmen und mit Apfelsaft auffüllen. Stärkemehl (Mondamin) unterrühren, bis der Saft bindet, aufkochen. Anschließend den Sud kaltstellen und den Rhabarber hinzugeben. Alles in Suppentassen oder Weingläser füllen.  

2 Eiklar zu Eischnee schlagen und mit Ahornsirup oder Puderzucker, einer Prise Salz und Eierlikör abschmecken. Mit einem Esslöffel Nocken abstechen und auf die portionierte Suppe geben. Vor dem Servieren mit einem Minzblatt oder Zitronenmelisse garnieren.

Besonders stolz sei der Verein darauf, dass ein Mitglied und ehemaliger Schüler der Gewerbeschule, Nike Jensen, ein etabliertes und hochgeschätztes Mitglied der Nationalmannschaft der Köche sei, und für Deutschland, aber auch für Lübeck, bei der kommenden Olympiade der Köche in Stuttgart an den Start gehen werde. Den krönenden Abschluss der Feierlichkeiten bildete das „Lübsche Abendmahl“ in der Schiffergesellschaft. Denn auch die Köche müssen sich ja irgendwann auch mal satt essen...

Der Beruf des Kochs ist vielseitig und kreativ

Der Koch, der seine Ausbildung im Jahre 1967 begann, hat schon als Kind gerne mit der Oma – einer gelernten Köchin – gebrutzelt und gebacken. Warum sich ein junger Mensch für eine Kochausbildung interessieren sollte, beantwortet Langbehn so: „Es ist ein vielseitiger, kreativer Beruf mit großen Chancen, auf der ganzen Welt zu arbeiten.“ Ja, es gebe derzeit auch Quereinsteiger. „Aber sie sind nicht immer erfolgreich“, weiß der Dehoga-Mann. Was macht denn einen guten Gastgeber in der Gastronomie aus? „Gute Qualität, faire Preise, und viel Freundlichkeit dem Gast gegenüber“, rät Langbehn. Und wie sieht die Gastronomie der Zukunft aus? „Wir müssen uns auch auf die neuen Gegebenheiten wie vegetarisches und veganes Essen einstellen, und mit mehr heimischen Produkten eine frische Küche bieten“, sagt der Koch, der am liebsten Hausmannskost, Birnen, Bohnen und Speck, oder Fliederbeersuppe mit Grießklößen isst. Ein Koch sei Handwerker und Künstler zugleich, sagt Uwe Langbehn, dessen Gattin übrigens noch immer in die Küche darf. „Natürlich, sie hat ja auch früher für die Kinder gekocht.“

https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/100-Jahre-Luebecker-Koeche

Von Rüdiger Jacob