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Lübeck 1000 Menschen sehen Jagdbläser-Gottesdienst in Lübecks Marienkirche
Lokales Lübeck 1000 Menschen sehen Jagdbläser-Gottesdienst in Lübecks Marienkirche
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19:52 16.11.2019
1000 Besucher haben die 12. Landeshubertusmesse in St. Marien erlebt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Was für ein stimmungsvoller Gottesdienst: Bei der 12. Landeshubertusmesse des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein – dem Erntedankfest der Jäger – hatten die Jagdhörner am Sonnabend in der Marienkirche das Sagen. Etwa 1000 Besucher kamen in den Genuss einer ganz besonderen Messe.

Schon die Uniformen der 80 Bläser, das „Tenue“ genannte Outfit ließ einen außergewöhnlichen Anlass erahnen. „Alle Geschöpfe göttlichen Ursprungs gilt es zu hegen und zu pflegen“, sagte Marienpastor Robert Pfeifer. „Diese Achtung vor den Geschöpfen zählt zu den Verhaltensregeln der Jägerschaft“, so der Geistliche, der die Bläser und Jäger begrüßte, und zum Gebet der Jäger lud. Die musikalische Leitung der Messe hatte Michael Mull, die Bläser und die Gemeinde begleitete Marienorganist Johannes Unger.

Zuvor gab es Kostproben der Jagdmusik der Bläsergruppe Herzogtum Lauenburg Nord zu hören. „Jagd ist Achtung vor der Schöpfung. Jagd dient heute nicht alleine dem Selbstzweck, sondern ist ein Dienst an der Natur mit weitreichender Verantwortung, wie dem Erhalt eines gesunden artenreichen Wildbestandes, sowie deren Lebensräume, Prävention von Wildseuchen und vielem mehr“, erklärt Landesbläser-Obfrau Mandi-Rose Wargenau-Hahn, die am Sonnabend auch in traditioneller Kluft erschien.

Auch die Musik gehöre dazu: „Der Hörnerklang ist ein wichtiger Teil der Jagd und im jagdlichen Brauchtum fest verankert. Die Musikstücke der Hubertusmesse sind Ton und Melodie gewordenen Empfindung für die Schönheit der Natur, der Freude an der Jagd und der Dankbarkeit für die Schöpfung“, so die Bläserin.

Protest der Tierschützer

Die Tierrechtsorganisation Petaprotestiert gegen den kirchlichen Segen für die Jäger. In einer Mitteilung übt Peta scharfe Kritik an der Kirchengemeinde. „Hubertusmessen, die vornehmlich von Jägern mitverantwortet und besucht werden, sind nicht mit der christlichen Ethik der Achtung vor dem Leben vereinbar“, heißt es in seiner Verlautbarung. Die Messen bildeten den Auftakt zu Drückjagden, bei denen Jäger durch die Wälder zögen und unzählige Tiere hetzten und töteten. Die Tierrechtsorganisation appelliere daher an die Kirchenvertreter, sich künftig von den gewaltverherrlichenden Messen zu distanzieren. „Einen Gottesdienst zu veranstalten, der Jägern symbolisch den Segen für das sinnlose Töten wehrloser Mitgeschöpfe gibt, sendet ein völlig falsches Signal. Kirchen müssen für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für ihre Zerstörung“, kritisiert Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta. „Die Hubertusmesse verkennt zudem, dass der heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde.“

Außergewöhnliche Messe

Die Gestaltung der Messe ist außergewöhnlich. Die musikalischen Elemente werden vorrangig von Parforcejagdhörnern getragen, die in früheren Zeiten als Signalinstrumente, vor der Jagdgesellschaft her reitend, geblasen wurden. Die Messteile entstammen der französischen „Grand Messe de St. Hubert“.

Seit 1997 gibt es in Schleswig-Holstein als einziges Bundesland die überregional bekannte Landeshubertusmesse. Inzwischen hat sie auch in anderen Bundesländern und im Ausland viele Freunde gefunden, die sich entweder als aktive Bläserinnen und Bläser oder als Zuhörerinnen und Zuhörer an ihr beteiligen. Alle zwei Jahre wechselt die Messe in eine andere Kreisjägerschaft – jetzt zum zweiten Mal in Lübeck.

Jägersprache wird musikalisch umgesetzt

„Halali“ und „Horrido“ – die Begriffe sind schnell erklärt: Das sind schlicht Worte aus der Jägersprache. So wird sich bei der Jagd begrüßt, oder werden die Jagdhunde angefeuert. Aber auch Hörner werden geblasen, wenn Wild geschossen wird. Es sind Jagdsignale, mit denen sich die Jäger verständigen.

Michael Mull bläst das Jagdhorn. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Technik, mit dem Jagdhorn Nachrichten zu übertragen, erfreute sich schon im 17. und 18. Jahrhundert großer Beliebtheit bei den Jägern. Auch heute noch werden die Hörner eingesetzt, um sich über weite Instanzen zu verständigen. Michael Mull ist kein Jäger, aber er kennt sich aus mit der Jägersprache. Und beherrscht das Jagdhorn: „Ins Horn wird zu Beginn einer Jagd geblasen, oder dann, wenn etwa ein Schwarzwild erlegt wurde. Aus hoher Achtung“, wie Mull sagt.

Von Wald und Flur zurück in die Kirche: In St. Marien war es der fast raue Klang der Hörner, der durch die Kirchenorgel zu einem wahren Raum- und Klangerlebnis wurde. Das Wechselspiel von Wort und Klang versetzte viele Zuhörer in Erstaunen und hinterließ bei vielen einen sichtlich tiefen, nachhaltigen Eindruck.

Historische Fotos aus Lübeck

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