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Lübeck So lief das Anwohner-Picknick am Drogentreff Krähenteich in Lübeck
Lokales Lübeck So lief das Anwohner-Picknick am Drogentreff Krähenteich in Lübeck
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18:55 22.07.2019
Auf zum Krähenteich: Mehr als 100 Lübecker marschieren durch die Straße An der Mauer zu ihrem Frühstück am Krähenteich. Quelle: Holger Kröger
Innenstadt

130 Lübecker mit Klappstühlen, Picknickkörben und Kaffeekannen treffen sich Sonntag Vormittag vor dem Kaffeehaus in der Hüxstraße. Dann setzt sich eine Picknick-Karawane in Bewegung - Nachbarn, die zusammen frühstücken wollen. Ungewöhnlich ist nur der Ort, den sie dafür vorgesehen haben: Der Drogentreff am Krähenteich.

Seit Jahren fordern die Anwohner, den Platz neben der Rehderbrücke zu entkriminalisieren. So wie Marieke Hoop, die sich hier alleine unwohl fühlt:„Passiert ist mir noch nichts. Aber im Dunkeln würde ich eher einen Umweg gehen, als hier vorbei zu müssen“. Sie hat sich mit fünf Freunden in sozialen Medien verabredet, jetzt trinken sie auf dem Platz auf einer Decke Kaffee.

Ungewöhnliche Aktion gegen Kriminalität und Tierquälerei am Krähenteich in Lübeck: 130 Anwohner haben sich zum Sonntagspicknick auf dem Drogentreff-Platz getroffen.

„Sich den Platz zurückholen“

Sie wollen sich „den Platz zurückholen“ – so das Motto von Kanina P. und Holger K., die zu der Aktion aufgerufen hatten. Die beiden hatten vor zwei Jahren gegenüber dem Drogentreff ein Haus gekauft. Sie haben „Schießereien, Schlägereien erlebt“, sagt Kanina P. „Hier lief jemand mit dem Messer im Rücken raus.“ So haben sie auch erlebt, wie auf dem Platz ein Mann seine Hunde misshandelt habe. Anwohner zeigten ihn deshalb an, woraufhin er am vorletzten Wochenende ins Kaffeehaus stürmte und den Betreibern lautstark drohte. Sie wollten sich nicht einschüchtern lassen – und riefen zu dem Picknick auf.

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Dass ihr Motto provokant ist, war ihnen bewusst. „Der Platz gehört der Stadt, also allen“, sagt Kanina P. Die Drogenszene will sie nicht von hier vertreiben, aber verhindern, dass er eine No-Go-Area wird. „Früher gab es ein paar Alkoholiker, aber man konnte sich auch auf die Bänke setzen“. Doch Drogenhandel, Aggressivität, Prostitution hätten in den letzten Jahren so zugenommen, dass einige Nachbarn deshalb sogar ihre Häuser verkauft hätten. „Die Drogen werden härter, die Konsumenten jünger“, ergänzt Holger K.

In der vergangenen Woche hat die Meldung für Aufsehen gesorgt, dass ein 24-jähriger Mann am Drogentreff Hunde quäle. „Es hat Hinweise an die Veterinärbehörde und an die Polizei von verschiedenen Bürgern gegeben“, erzählt der Anwohner. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann.

Für Tierschutz und Suchthilfe

Die Anwohner appellieren an die Politik, dass etwas geschehen muss. Fast alle Lübecker Parteien sind bei dem Picknick vertreten. Claudia Treumann (CDU) sagt, dass es keine einfache Lösung für das Problem gibt: „Was passiert mit der Szene, wenn sie hier zerschlagen wird? Dann kommt sie woanders hoch.“ Ihr Bürgerschafts-Kollege Carsten Grohmann ergänzt: „Wir haben hier Sicherheits- und Sozialpolitik, auf beiden Feldern muss das angegangen werden.“ Im ersten Feld habe die Bürgerschaft gehandelt und Stellen für zwei neue Streetworker bewilligt. Sicherheitspolitisch müssten Staatsanwaltschaft und Polizei eingreifen.

Das fordert auch Maja L., eine Anwohnerin, die hier oft mit ihrem Hund spazieren geht und sich ironisch „Hausfrauen-Guerilla“ nennt. Sie möchte, dass der Hundebesitzer ein Haltungsverbot bekommt. Franka Heick schlägt vor, ein Gesundheitsmobil für Hunde einzurichten. Sie hat sich an einer Spendenaktion für einen der misshandelten Hunde beteiligt. Eine Rockergruppe ist aus einem Dorf extra angereist, weil ihnen der Tierschutz ein Anliegen ist. „Das Veterinäramt muss einschreiten“, fordert Thorsten Inze. Zudem würden die Suchtkranken hier „ihrem Schicksal überlassen. Eine Sucht besiegt man nicht von heute auf morgen. Da muss Geld in die Hand genommen werden“. Seine Begleiterin Linda Borchert ergänzt: „Zwei Streetworker sind nicht genug“.

„Ein Sozialwohnzimmer“

Einige Stammgäste des Platzes sind auch hier. Michael M. trinkt einen Kaffee mit. Dass Anwohner in Kontakt mit ihm und den anderen hier gehen, sei sehr selten. Es werde zu viel über ihn und die anderen gesprochen und fast nie mit ihnen. Die Gewalt werde aus seiner Sicht dramatisiert: „Hier ist ein Treffpunkt, wo man in Ruhe auch mal einen Joint rauchen kann.“

Ein anderer Krähenteich-Stammgast mag keinen Kaffee. Für Manni Teich, der zum Jacket am Liebsten ein weißes Hemd trägt, ist der Platz „ein Sozialwohnzimmer“ im Freien. Er hat Neuigkeiten: Der Hundebesitzer, der seine Tiere gequält haben soll, habe seit Kurzem einen Platzverweis. „Hier sind einige froh, dass er nicht mehr kommt“, sagt er. „Es ist weniger Aggression in der Luft“.

Als die Initiatoren des Picknicks nach knapp zwei Stunden ihr Lastenrad mit der großen Kaffeekanne und dem leeren Brötchenkorb vom Platz fahren, bekommen sie von den Picknick-Gästen Applaus. „Nächsten Sonntag, gleicher Ort, gleiche Zeit?“, ruft jemand.

Friederike Grabitz/RND

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