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Lübeck Die 140-Tage-Tour für Anna aus Lübeck
Lokales Lübeck Die 140-Tage-Tour für Anna aus Lübeck
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14:54 06.10.2019
Halten fest zusammen: Ines A. (v. l.), Carsten Schwenn, Anna A., Jochen A. und Marvin B. Quelle: Rüdiger Jacob
Lübeck

Mit viel innerer Kraft und Geduld nimmt Anna A. ihr Schicksal hin. Mit ruhiger Stimme sagt die 22-Jährige etwas, was unter die Haut geht: „Das, was ich mir wünsche, kann ich nicht bekommen.“ Damit meint die Mutter einer kleinen Tochter ihre Arme und Beine. Infolge einer Infektion mit Meningokokken mussten die Gliedmaßen der Lübeckerin im Februar diesen Jahres amputiert werden.

Jetzt wollen zwei Männer mit einem Sprinter auf eine 140-Tage-Tour nach Australien gehen, um Geld für teure Spezialprothesen einzuwerben. Auch die Fördergemeinschaft deutscher Kinderherzen ist mit im Boot und unterstützt die Tour von Carsten Schwenn und Manni Kaspers.

Mit dem „Kumpel“ nach Australien

Es ist ein kurzes Treffen von Anna und Carsten Schwenn, einer der beiden Fahrer, dessen Idee es war, auf große Tour zu gehen. Im Wohnzimmer von Annas Eltern sitzen sie an einem Tisch, Anna in einem provisorischen Rollstuhl. Auch ihre Eltern sind dabei. Und der Freund ist an Annas Seite. Immer wieder reicht Marvin B. ihr etwas zu trinken, wischt ihr den Schweiß ab.

Und dann erzählt Carsten Schwenn, was er mit Manni Kaspers (62), und dem „Kumpel“, einem für 17.000 Euro ersteigerten Transporter, vorhat. „Die Geschichte lässt mich nicht mehr los“, sagt Schwenn. Der Mann aus Appen im Kreis Pinneberg will schon bald nach Australien aufbrechen. Seit April laufen die Vorbereitungen. 25.000 Euro haben Schwenn und Kaspers schon eingeworben. „Das Meiste kam aus vielen kleinen Spenden zusammen“, sagt Schwenn, der aus dem Radio von Annas Schicksal erfuhr.

Carsten Schwenn will mit Transporter „Kumpel“ bis nach Australien fahren, um Spenden für Anna zu sammeln. Quelle: Rüdiger Jacob

„Wir wollen Anna virtuell mitnehmen“

Ahnung von Autos, mit denen man so eine lange Strecke wuppen kann, hat Schwenn nicht. „Die Hauptsache ist, dass er zwei Kojen hat“, sagt der engagierte Helfer zuversichtlich. 19 Jahre ist das weiße Gefährt alt, auf dem die Namen einiger Spender gedruckt sind. 130.000 Kilometer hat der Wagen auf dem Buckel. Bald werden es weit mehr sein. 25.000 Kilometer lang ist die Wegstrecke, die das Duo fünf Monate nach Australien führen soll. Über Südosteuropa, die Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Myanmar, Thailand, Malaysia und Indonesien geht es zum Inselhopping nach Sumatra, Java, Bali, Lombok, Sumbawa und Komodo bis nach Timor-Leste. Dann geht es per Schiff nach Down Under.

„Wir verbürgen uns dafür, dass 100 Prozent in die Spenden-Hilfsaktion Arme für Mama gehen“, sagt Schwenn, der mit Partner und „Kumpel“ die Tour am 21. Oktober ab Oldenburg startet. Für jedes Land habe man zusätzlich drei Tage eingeplant. „Man weiß ja nie“, sagt Schwenn. Das Vorhaben ist ambitioniert. „Es könnte etwas kaputt gehen, es könnte sein, dass wir nicht über die Grenze kommen, weil die bestehenden Visa abgelaufen sind“, sagt der 58-Jährige. „Unser Ziel ist es auch, Anna immer virtuell mitnehmen zu können. Wir wollen immer zeigen, wo wir gerade sind.“

Kampf um Hilfsmittel

„Ich bin sehr dankbar für die große Aktion“, sagt Anna. „Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, zumal wir uns gar nicht kannten.“ Sie sei gedanklich immer dabei, sagt die Frau, die sich so sehr wünscht, wieder etwas aus eigener Anstrengung machen zu können. Die Situation ist angespannt und ärgerlich zugleich: „Momentan haben wir noch nichts von irgendwelchen Trägern bekommen. Was wir haben, ist alles selbst gekauft“, sagt Mutter Ines A. „Was wir jetzt dringend brauchen, sind Menschen, die uns helfen können, die richtigen Anträge für erforderliche Hilfsmittel zu stellen“, sagt Stiefvater Jochen A. „Seit sieben Monaten kämpfen wir für Rollstühle.“ Und dann wird schnell klar, was auch noch dringend gebraucht wird: „Urlaub“, ist sich die Familie einig.

Mediziner raten zu frühen Impfungen

Eine Meningokokken-Infektion ist eine schwere Krankheit, die innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann. Aus Sicht des Lübecker Facharztes für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Rainer Odendahl, ist die Impfsituation in Deutschland in Bezug auf den Meningokokken-Typ B „noch unbefriedigend“. Dieser Typ macht etwa 70 Prozent aller Infektionsfälle aus. Deshalb rät der Mediziner zu beiden Impfungen, also Typ C, für den es bereits eine allgemeine Impfempfehlung gibt, und jenen anderen Typ B. „Auf jeden Fall impfen lassen“, lautet die eindringliche Empfehlung des Kinderarztes. „Wichtig ist eine frühe Impfung“, sagt Odendahl.

Die Stiko (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken C als Standardimpfung für alle Kinder möglichst früh im zweiten Lebensjahr. Eine fehlende Impfung sollte bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Einen Impfschutz gegen Meningokokken Typ B empfiehlt die Stiko für gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche wie fehlender Milz oder eingeschränkter Milzfunktion. Weiter ist die Meningokokken-B-Impfung für Personen mit beruflich erhöhtem Risiko wie exponiertem Laborpersonal empfohlen.

Barrierefreie Wohnung gesucht

Derzeit ist die Wohnsituation zwar geklärt. „Aber sie ist nicht optimal“, sagt Jochen A. Kurzfristig hatte eine behindertengerechte Wohnung angemietet werden müssen. Allerdings sei die Wohnung nicht komplett barrierefrei, sagt Marvin B. Das heißt, es muss eine neue, passende Wohnung her. „Optimal wäre eine ebenerdige Wohnung ohne Stufen und Kanten, möglichst in Steinrade, Schönböcken oder auch Stockelsdorf“, sagt Marvin. „Wir möchten gerne zusammenziehen“, wünscht sich Anna. „Gerne da, wo ich Ruhe haben kann.“

Momentan wird die junge Frau noch im UKSH betreut. Sie wünscht sich eine Reha, doch die scheint noch in weiter Ferne. „Die Krankenkasse bemüht sich, aber in der Spezialklinik in Thüringen ist noch immer kein Platz mit dem erforderlichen Pflegepersonal frei“, sagt Anna. „Es muss aber schnell gehen, weil sonst meine Muskeln und Sehnen verkümmern.“

So schnell wie möglich selbstständig

Anna will sobald als nur möglich wieder einigermaßen selbstständig sein. Dazu gehören spezielle Prothesen, die zeitnah angebracht werden müssen, momentan aber unerschwinglich sind. „So ein Roboterarm kostet weit mehr als 50 000 Euro“, weiß Anna. Angefertigt werden sollen die speziellen Hilfsmittel einmal in der Technischen Orthopädie in Lübeck, die auch schon ein vorübergehendes Hilfsmittel gebaut hat. Seit Anna aus dem Koma erwacht ist, sind die Spezialisten für die dankbare Patientin im Einsatz.

Nähere Informationen zur Tour und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie im Internet.

Von Rüdiger Jacob

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