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Lübeck 2900 Geflüchtete haben hier Deutsch gelernt
Lokales Lübeck 2900 Geflüchtete haben hier Deutsch gelernt
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17:13 28.03.2019
VHS-Dozentin Sabine Sandmeier-Borkowski kann weiterhin Geflüchtete unterrichten. Quelle: Lutz Roeßler
Moisling

Im September 2015 erteilte die Stadtspitze der Volkshochschule (VHS) den Auftrag, Intensivsprachkurse Deutsch für alle Geflüchteten anzubieten, die keinen Anspruch auf Förderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben. Das waren Hunderte, anfangs vor allem junge Afghanen. Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) und der damalige Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) wollten keine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Integration. Lübeck startete mit „Deutsch für alle“ ein bundesweites Vorzeigeprogramm.

Klaus-Peter Wolf-Regett, stellvertretender Vorsitzender der Possehl-Stiftung: „Gelungene Integration ist der Schlüssel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Quelle: Lutz Roeßler

Bezahlt von der Possehl-Stiftung. „Ohne die würde wahrscheinlich gar nichts gehen“, sagt Bildungssenatorin Weiher. 500 000 Euro gab es 2016, 942 000 Euro für 2017 und 2018 und jetzt noch einmal 600 000 Euro für 2019 und 2020. Prof. Klaus-Peter Wolf-Regett, stellvertretender Vorsitzender der Possehl-Stiftung: „Gelungene Integration ist der Schlüssel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Lübeck ist darin erfolgreicher als andere Kommunen.“ Wolf-Regett will nicht immer nur über Abschiebungen reden: „Das ist eine gefährliche Entwicklung, wenn Erfolge in der Flüchtlingspolitik nur noch über Abschiebungen definiert werden.“

Von A 1 bis C 2

Sechs Module und einen Orientierungskurs umfassen die Intensivkurse der VHS bei „Deutsch für alle“. Möglich sind alle Abschlüsse von A 1 bis C 2. Mit B 1 (600 Übungseinheiten) können Geflüchtete sich im Alltag verständigen, mit B 2 sind sie ausbildungsfähig und mit C 1 können sie ein Studium aufnehmen. Der Orientierungskurs vermittelt Kenntnisse über deutsche Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, die aktuelle Politik, über Menschenrechte, Gleichberechtigung und das Grundgesetz und schließt einen Besuch im Willy-Brandt-Haus ein. Die „Mama lernt deutsch“-Kurse finden zwei Mal in der Woche statt und werden von Volkshochschule sowie Familienzentren angeboten.

2895 Teilnehmer absolvierten seit 2016 die Kurse, in denen neben Deutsch auch Geschichte, Politik und Gesellschaftskunde gelehrt werden. Über 19 000 Unterrichtsstunden gaben die hauptamtlichen VHS-Dozenten und die 70 ehrenamtlichen Sprachlehrkräfte. Auch wenn die Zahl der Zuwanderer abnehme, bleibe der Bedarf an Sprachkursen hoch, sagt VHS-Chefin Christiane Wiebe. Denn viele Geflüchtete bräuchten mehr als ein Jahr Zeit, um Sprachlevel zu erreichen, die sie zur Ausbildung oder gar zum Studium befähigen.

15 bis 20 Prozent schaffen die Prüfungen nicht

Der deutschlandweite Trend, dass Geflüchtete die Sprachprüfungen nicht schaffen, geht auch an „Deutsch für alle“ nicht vorbei. „Anfangs hatten wir viele Akademiker unter den Sprachschülern“, erinnert sich Christiane Wiebe. Mittlerweile drücken auch Menschen die Schulbänke in der früheren Alten Schule in Moisling, die nicht lesen und schreiben können. Doris Schmittinger, VHS-Abteilungsleiterin, schätzt, dass 15 bis 20 Prozent es überhaupt nicht schaffen. „Trotzdem haben sie viel gelernt“, sagt Bildungssenatorin Weiher. Die VHS lässt die Durchgefallenen auch nicht fallen, sondern bietet weitergehende Berufssprachkurse an.

Monika Masihi, pädagogische Leiterin von „Mama lernt Deutsch“: „2018 ist ein Alphabetisierungskurs hinzugekommen.“ Quelle: Lutz Roeßler

Besonders stolz sind Stadt und VHS auf das im November 2017 gestartete Programm „Mama lernt Deutsch“ für junge Mütter mit Kleinkinder. „Ich habe das anfangs für überflüssig gehalten“, sagt Bildungssenatorin Weiher, „aber ich habe mich eines Besseren belehren lassen.“ Für die Integration in die Gesellschaft seien vor allem die jungen Frauen wichtig, weiß VHS-Chefin Wiebe.

140 junge Frauen in „Mama lernt Deutsch“

Aus dem Stand wurde das neue Angebot von den jungen Flüchtlingsfrauen überrannt. „Wir haben in einem Jahr 14 Gruppen eröffnet, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind“, berichtet Mona Gippert, die kommunale Koordinatorin für Bildungsangebote für Neuzugewanderte. 140 Frauen mit 140 Kleinkindern, die während der Kurse betreut werden, sitzen aktuell in den Kursen. Monika Masihi, pädagogische Leiterin von „Mama lernt Deutsch“: „2018 ist dann noch ein Alphabetisierungskurs für Frauen hinzugekommen, die weder lesen noch schreiben können.“

Besuch in einer Unterrichtsstunde: Dozentin Sabine Sandmeier-Borkowski fragt die Geflüchteten aus Armenien, der Türkei oder Afghanistan nach ihren Wünschen – Familie, Kinder, Arbeit und Reisen. Ein Wunsch steht auf vielen Wunschzetteln, die an die Wand des Klassenraums geklebt werden – eine eigene Wohnung.

Kai Dordowsky

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