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Lübeck 36 Frauen wollen in Lübecks Aufsichtsräte
Lokales Lübeck 36 Frauen wollen in Lübecks Aufsichtsräte
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20:48 29.05.2018
Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse (2. v. l.) mit 13 von 36 Bewerberinnen für die kommunalen Aufsichtsräte. Quelle: Foto: Kai Dordowsky
Lübeck

Martina Cleven ist selbstständige Strategieberaterin und Marketingexpertin aus Hamburg. Marion Glück war Marineoffizierin, arbeitet als Coach für Unternehmen in Hamburg, wohnt in Schleswig-Holstein und interessiert sich für den Aufsichtsrat der Lübecker Hafen- Gesellschaft (LHG). Heike Stegemann lebt seit elf Jahren in Lübeck, ist seit mehr als 30 Jahren im Bereich Bilanzierung und Controlling tätig und ist FDP-Mitglied.

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse und der Verein FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) haben für die neue Bürgerschaft eine Liste von Bewerberinnen zusammengestellt. 20 der 36 Frauen kommen aus Lübeck, 13 aus Hamburg, eine aus Kiel, eine aus Groß Grönau und eine aus Eutin. „Die Liste ist an die Parteien und Fraktionen übermittelt worden“, sagt Elke Sasse.

Steffi Wätke ist Immobiliensachverständige, lebt in Lübeck, hat in Hamburg in der Beteiligungssteuerung großer Wohnungsunternehmen gearbeitet und findet die Mitarbeit in den Aufsichtsräten der Grundstücksgesellschaft „Trave“, Wirtschaftsförderung oder KWL spannend. Nicole Kalonda arbeitet in Hamburg, ist Informatikerin und hat bereits viele Mittelständler beraten. „Ich bin offen für verschiedene Aufsichtsräte“, sagt Kalonda. Dr. Gabriele Lehmann ist Volks- und Betriebswirtin, hat als Managerin in einem internationalen Konzern gearbeitet, war Aufsichtsrätin in Hamburg, hat vor drei Jahren ihr Unternehmen in Lübeck gegründet und sieht ihren Schwerpunkt bei LHG oder KWL. Sigrid Leitzmann hat 25 Jahre in internationalen Konzernen im Personalbereich gearbeitet, ist seit Kurzem selbstständige Beraterin für kleine und mittlere Unternehmen und lebt seit sechs Jahren in Lübeck. Ihre Vorlieben gelten den Stadtwerken oder der Theater GmbH.

Vor fünf Jahren hat die Gleichstellungsbeauftragte Sasse schon einmal eine Liste von 21 hochkompetenten Frauen aufgestellt. Ohne großen Erfolg. Die Parteien entschieden sich lediglich für zwei Bewerberinnen. „Die Zeiten haben sich geändert“, ist Sasse diesmal zuversichtlicher. Denn im Dezember 2017 hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig abschließend entschieden, dass das landesrechtliche Gleichstellungsgebot auch für die Aufsichtsräte in kommunalen Gesellschaften gilt. Das heißt: Die Bürgerschaft muss die Hälfte aller Mandate, die sie zu vergeben hat, mit Frauen besetzen. „Ein Parteibuch spielt keine Rolle“, stellt Dr. Kirsten Soyke vom Verein FidAR Hanse klar, „es gilt ausschließlich die Eignung.“ Auch das gern genutzte Argument, es gebe nicht genug Frauen für die Aufsichtsräte, sei mit der Liste der 36 Bewerberinnen vom Tisch. Soyke ist Volljuristin, bereits Mitglied in zwei Aufsichtsräten in Hamburg und interessiert sich für die Stadtwerke und die Sana-Klinik.

Christine Witthöft ist Betriebswirtin aus Hamburg, berät mit ihrer Firma Vorstände und Geschäftsführungen unter anderem in Digitalstrategien und interessiert sich für Posten bei der LTM, der Wirtschaftsförderung, den Stadtwerken und der Metallhütten-Gesellschaft. Dr. Annette Gäßler aus Hamburg ist Arbeitsmedizinerin, Dozentin und Business-Coach, hat lange in einem Großkonzern das Gesundheitsmanagement verantwortet und strebt einen Aufsichtsratsposten bei der LHG oder der Sana-Klinik an. Frauke Nödl kommt aus Groß Grönau, ist in Lübeck geboren, arbeitet als Regionalbevollmächtigte für einen großen Lohnsteuer-Hilfeverein und betreut mehrere Hundert Arbeitnehmer.

Vor allem eine städtische Gesellschaft wird sich umstellen müssen. Der LHG-Aufsichtsrat ist bislang ein reiner Männerclub. Das wird sich ändern. Denn die Gleichstellung gilt für jeden einzelnen Aufsichtsrat.

Ab 300 Euro im Jahr

Aufsichtsrat in einer städtischen Gesellschaft ist kein lukrativer Job. Einfache Mitglieder erhalten eine jährliche Aufwandsentschädigung je nach Größe der Gesellschaft zwischen 300 und 900 Euro, Vorsitzende zwischen 450 und 1350 Euro. Aufsichtsräte müssen Bilanzen lesen können, Gesetze, Geschäftsordnungen und Gesellschaftsverträge kennen und Geschäftsberichte verstehen. Insgesamt vergibt die Bürgerschaft 62 Mandate in 14 städtischen Gesellschaften.

 Kai Dordowsky