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Lübeck Großes Fest in Schlutup mit Geschichten zwischen Ost und West
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21:24 09.11.2019
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther teilten sich an der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup einen Platz im Trabi. Quelle: Lutz Roeßler
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Schlutup

Die deutsche Einheit, das ist für Ilka Rathmer der Geruch nach Benzin. „An dem Tag, als die Grenze aufging, war die Luft voll vom Geruch der Mofas, die über die Grenze fuhren.“ Die Geschäfte waren ausverkauft, und auf dem Rathausmarkt parkten Trabis. Ab dem 9. November 1989 war Lübeck plötzlich nicht mehr die einzige Großstadt an der Zonengrenze, sondern lag mitten in Europa.

Für die Ostdeutschen war die Aufbruchstimmung im Land nicht symbolisch, sondern sehr konkret: „Wartburgs und Trabis standen bis vor unserem Haus Schlange“, erzählt Lothar Ruthenberg. Er wohnt in Schönberg, sieben Kilometer von der Grenze entfernt.

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In Schlutup wurde am Sonnabend an den Mauerfall vor 30 Jahren erinnert. Das sind die schönsten Bilder zur Feier.

Tausende kommen zur Feier nach Schlutup

Heute stehen Ost- und Westdeutsche gemeinsam in einer Schlange vor der Ausstellung der Grenzdokumentationsstätte in der Mecklenburger Straße. Trotz des kalten, regnerischen Wetters feierten am Sonnabend 6000 Menschen gemeinsam den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Der Museumsverein hatte das Fest ehrenamtlich und fast ohne Hilfe von der Stadt organisiert, erzählt die erste Vorsitzende Ingrid Schatz.

Ministerpräsidenten im Grenzmuseum

Die Feier dauert drei Tage und umfasst ein umfangreiches Programm mit Musik, Kulturbeiträgen und einer Meile von rund 20 Ständen. Höhepunkt ist der gemeinsame Besuch von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und seiner Amtskollegin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), am Sonnabendmittag.

Stätte der Erinnerung

Der 9. November 2019war das 30-jährige Jubiläum der Grenzöffnung – und das 15-jährige Jubiläum der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup an der Mecklenburger Straße. Ein Förderverein gründete sie 2004 und betreibt sie, um die Erinnerung an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung zu bewahren. Die Dauerausstellung mit historischen Gegenständen und Dokumenten wird durch Lesungen und Vorträge ergänzt.

Geöffnet ist die Dokumentationsstätte in der Mecklenburger Straße 12 freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Gruppen können sie nach Ver­einbarung unter Tel. 04 51 / 6 93 39 90 auch zu anderen Zeiten besuchen. Eintrittspreise: Erwachsene drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zwei Euro.

Gemeinsam Dinge verändern

Schwesig wohnte bei Ostberlin, als die Mauer fiel. „Ich war damals 15, und als ich in unserem Schwarz-Weiß-Fernseher sah, dass die Mauer gefallen war, konnte ich es zuerst gar nicht glauben“, erzählt sie. Die Menschen, die die friedliche Revolution damals ausgelöst hätten, seien unglaublich mutig gewesen: „Sie sind zur Demo gegangen und wussten nicht, ob sie abends nach Hause zu ihren Kindern kommen oder in den Stasi-Knast.“ Ihre Lehre daraus: „Wenn man zusammenhält, kann man wirklich Dinge verändern.“

Dass viele Menschen sich abgehängt fühlen, sagt Daniel Günther in seiner Rede, sei kein typisch ostdeutsches Phänomen. „Dieses Gefühl haben Menschen im Osten und im Westen. Die meisten Probleme, die wir in Deutschland haben, sind gesamtdeutsche Probleme.“

Drei Generationen zwischen Osten und Westen

Ost- und Westdeutschland ist für die Familie von Heike Jabs nicht wirklich ein Thema. Sie lebt seit drei Generationen eine echte ost-westdeutsche Geschichte. Heike Jabs stammt aus Halle und zog 1991 der Liebe wegen nach Lübeck. „Mein Schwiegervater stammte auch aus Halle“, erzählt sie. Dieser war vor dem Mauerbau zu seiner Frau nach Lübeck gezogen.

Jabs’ jüngere Tochter Nadine war zwölf, als sie herkam. „Als Teenager hatte ich es schwer in der Schule. Für die anderen Kinder waren Markenklamotten wichtig, für mich nicht.“ Lange sah sie sich selbst als „Wossi“, aber heute „bin ich einfach Lübeckerin“. Sie hat inzwischen zwei Kinder und lebt in St. Gertrud – mit ihrem Mann Christian, der zufällig auch aus Halle stammt.

Ost-westdeutsche Freundschaften

Auch die Familien Ruthenberg aus Schönberg in Mecklenburg und Dittler/Schacht aus Lübeck verbindet eine ost-westdeutsche Freundschaft. Seit die beiden Frauen sich in einem Lübecker Krankenhaus ein Zimmer teilten, treffen sie sich regelmäßig. Heute tauschen sie Geschichten aus der Zeit des Mauerfalls aus. Doris Schacht erinnert sich an eine Klassenfahrt nach Ostberlin. Die Zugfahrt sei beängstigend gewesen. „Aber vom normalen Leben dort hat man nicht viel mitbekommen.“

Ost-westdeutsche Freundschaft (v.l.): Lothar und Elisabeth Ruthenberg aus Schönberg treffen sich beim Jubiläumsfest mit ihren Lübecker Freunden Sven Dittler, Doris Schacht und Sven Dittlers Tochter Sophie Merle (15). Quelle: Friederike Grabitz

Zu siebt im Trabi nach Lübeck

„In den Tagen nach der Wende klingelte es bei uns an der Tür“, erzählt der Schönberger Lothar Ruthenberg. „Eine Familie war mit dem Auto liegengeblieben. Sie waren zu siebt in einem Trabi über die Grenze gefahren.“ Dort hatten sie ihr Begrüßungsgeld abgeholt. „Es mussten ja alle mit, von der Oma bis zum Baby.“ Nicht alles sei in Ostdeutschland schlechter gewesen, sagt Ruthenberg. Der Familienzusammenhalt sei bis heute sehr eng. „Gäste aus dem Westen wundern sich manchmal, wie schön unsere Familienfeste sind.“

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Von Friederike Grabitz

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