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Lübeck 63 000 Lübecker brauchen bezahlbare Wohnungen
Lokales Lübeck 63 000 Lübecker brauchen bezahlbare Wohnungen
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12:05 31.12.2018
Günstiger Wohnraum ist in der Hansestadt rar – hier ein Wohnblock in Buntekuh. Aber ein Drittel der Lübecker ist auf niedrige Mieten angewiesen. Quelle: Christine Silz
Lübeck

Ein Drittel der Lübecker Bevölkerung ist auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Sozialverwaltung hervor. Zum 1. Januar werden die Mietobergrenzen in Lübeck angehoben. Zugleich greift die vom Bund beschlossene Deckelung der Mieten bei Modernisierungen.

Viele Lübecker auf günstige Wohnungen angewiesen

Die Sozialverwaltung hat statistische Zahlen für 2017 ausgewertet. Danach sind 28 916 Lübecker, die von Hartz IV leben, auf bezahlbare Wohnungen angewiesen. Ebenso 2667 Empfänger von Wohngeld, 943 Sozialhilfebezieher, 4990 Rentner und Erwerbslose mit Grundsicherung sowie 1370 Asylbewerber. Hinzu kommen 10 714 Studierende sowie 13 084 Arbeitnehmer mit Minijobs. Die Statistiker kommen auf exakt 62 684 Lübecker, die günstige Wohnungen benötigen.

Arne-Matz Ramcke (Grüne) will die Wohnungsnot der Studenten lindern. Quelle: Lutz Roeßler

„Allein beim Studentenwerk Schleswig-Holstein, das in Lübeck vier Studentenwohnheime betreibt, ist die Warteliste für einen Wohnheimplatz dieses Jahr in der Spitze auf 600 Studierende angewachsen“, schildert Arne-Matz Ramcke (Grüne) die Wohnungsnot der Studierenden, „derzeit haben 5,4 Prozent der immatrikulierten Studierenden einen Wohnheimplatz in Lübeck. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei zehn Prozent.“ Die Grünen wollen sich für ein neues Studentenwohnheim im Bornkamp einsetzen, das mindestens 250 Plätze bieten soll.

Mieterverein beklagt Preissprünge

Die Sozialverwaltung hat auch den Wohnungsbestand unter die Lupe genommen. 76 900 Mietwohnungen gibt es in der Hansestadt, 52 600 gelten als preisgünstig. Allerdings stammt diese Datenerhebung aus dem Jahr 2013. Seitdem beklagt zumindest der Mieterverein kräftige Preissprünge vor allem bei kleineren Wohnungen. „2012 sind für eine 60 Quadratmeter große Wohnung noch 345 Euro kalt bezahlt worden“, sagte Geschäftsführer Thomas Klempau bei der Vorstellung des neuen Mietspiegels. „2018 sind es bereits 400 Euro gewesen.“ Kleine Wohnungen seien in den vergangenen zwei Jahren um bis zu zehn Prozent teurer geworden.

Bereits 2013 gab es zu wenige kleine und bezahlbare Wohnungen auf dem Markt. Über 22 000 Menschen mit geringem Einkommen brauchten eine solche Unterkunft, aber nur 16 800 Wohnungen standen zur Verfügung. Für Zwei- bis Fünfpersonen-Haushalte hingegen war das Angebot ausgeglichen. Der Bericht der Sozialverwaltung räumt ein, dass „preisgünstiger Wohnraum in der Theorie in ausreichendem Maße vorhanden ist“, sich allerdings die Mieten in Lübeck „weiterhin signifikant erhöhen, was auf eine zunehmende Anspannung des Wohnungsmarktes hinweist“.

Michelle Akyurt (Grüne) Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Das zeigt sich auch bei den Sozialwohnungen, von denen es knapp 7900 in der Hansestadt gibt. das Wohnungsamt notierte Ende Oktober dieses Jahres 221 freie Wohnungen. 2015 waren es 349, die Zahl sinkt kontinuierlich. Die Zahl der wohnungssuchenden Haushalte steigt parallel an – von 949 im Jahr 2016 auf 1373 Ende Oktober dieses Jahres. Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen: „Die Entwicklung ist dramatisch, zumal in den nächsten Jahren weitere Sozialwohnungen aus der Bindung fallen werden.“

Behörden drängen auf Umzug

Steigende Mieten sind für Bezieher von staatlichen Hilfen deshalb ein besonderes Problem, weil Sozialamt und Jobcenter auf Mietobergrenzen achten. Hat ein Leistungsempfänger eine zu große Wohnung – beispielsweise, weil der Ehepartner stirbt – oder steigt die Miete über eine bestimmte Grenze, drängen die Behörden auf einen Umzug oder zahlen die Miete nur bis zur Obergrenze.

Grünen-Fraktionschefin Akyurt wollte von den Behörden wissen, wie vielen Betroffenen die Kosten der Unterkunft gekürzt wurden. Die Sozialverwaltung zählt 1593 Haushalte auf, die oberhalb der Mietobergrenze lagen. In 292 Fällen wurde nur die Mietobergrenze gezahlt, 1301 Haushalte wurden als Härtefälle anerkannt, und die Behörden zahlten die tatsächliche Miete. Das Jobcenter zahlte die Unterkunftskosten für rund 13 000 Bedarfsgemeinschaften ungekürzt, bei 598 Haushalten wurde gekürzt.

Deckel für Modernisierungsumlage

Die Stadt hebt die Mietobergrenzen im Jahr 2019 an – beispielsweise von 380 auf 413 Euro im Monat bei einem Einpersonen-Haushalt. Ab 1. Januar ist auch in der Hansestadt die Modernisierungsumlage, die Vermieter auf die Mieter umlegen können, auf acht Prozent gedeckelt. Außerdem darf die Miete nach einer Modernisierung nur um drei Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren steigen, bei Wohnungen unter sieben Euro pro Quadratmeter kalt nur zwei Euro. Der Bundesrat hat dem neuen Mietrecht zugestimmt.

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