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Lübeck 72 Millionen Euro: Roddenkoppel soll hübsch gemacht werden
Lokales Lübeck 72 Millionen Euro: Roddenkoppel soll hübsch gemacht werden
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14:03 22.03.2019
Alles neu rund um die Roddenkoppel: Dabei geht es um das 68 Hektar große Areal, das die Stadt Lübeck Nord-West nennt. Dort sollen 72 Millionen Euro investiert werden. Quelle: Lutz Roeßler
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St. Lorenz Nord

 Es ist laut, es ist voll, es ist grau. Jetzt soll St. Lorenz Nord schöner werden. Vor allem rund um die Roddenkoppel. Deshalb will die Stadt das 68 Hektar große Areal in ein Sanierungsgebiet verwandeln. Davon gehört der Stadt 24 Hektar. Offiziell nennt die Verwaltung das Gelände Lübeck Nord-West. Dort sollen 72 Millionen Euro investiert werden – bis etwa 2040. Finanziert jeweils zu einem Drittel von Stadt, Land und Bund. Der Knackpunkt: Es ist völlig unklar, was mit dem Schlachthof-Gelände geschehen soll.

Was passiert mit dem Schlachthof?

Daher schlägt die Stadt vor, für das Areal rund um den maroden Schlachthof einen Wettbewerb zu machen. Denn den hat die Bürgerschaft im Mai 2017 beschlossen. Das würde die Stadt 150 000 Euro kosten. Das Problem dabei: Dann gibt es zwar das Ergebnis des Wettbewerbs für den Schlachthof. Aber: Das gesamte Areal Roddenkoppel ist noch gar nicht untersucht.

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Dieses Areal rund um die Roddenkoppel soll Sanierungsgebiet werden. Die Stadt nennt es Lübeck Nord-West. Quelle: Jochen Wenzel

Neubau der Marienbrücke

Diese Untersuchung ist aber nötig, um aus dem Areal ein Sanierungsgebiet zu machen und an die Geldtöpfe von Land und Bund zu kommen. „Wenn es zum Sanierungsgebiet wird, schafft das einen erheblichen finanziellen Spielraum“, sagt Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). „Wir können uns dann alles fördern lassen“, stimmt Stadtplanerin Christine Koretzky zu. Beispielsweise den Bau einer neuen Marienbrücke. Die kostet bereits elf Millionen Euro. Macht die Stadt zuerst einen Wettbewerb zum Schlachthof, muss sie ihn selbst finanzieren. Doch das Problem sind nicht die Finanzen.

Es ist eine komplizierte Situation in dem Gebiet rund um die Roddenkoppel, erklärt Stadtplanerin Christine Koretzky. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Erst Schlachthof, dann Roddenkoppel

Sondern der Knackpunkt ist die Reihenfolge. Erst der Wettbewerb für den Schlachthof, danach die Untersuchung für das gesamte Areal? Oder: Erst die Untersuchung für das Areal, danach der Wettbewerb? Das ist die Frage. Sinnvoller ist es, erst ein Konzept für die Roddenkoppel zu haben und danach in die Detail-Planung des Schlachthofs zu gehen. Das weiß auch die Stadt.

Der Schlachthof an der Schwartauer Allee wurde 2006 geschlossen. Seither passiert dort nichts. Investor Thorsten Schulze wollte dort Wohnungen errichten und Kaufland ansiedeln. Die Stadt lehnte ab.

Aber: „Es gibt einen gewissen politischen Druck auf dem Schlachthof-Gelände“, sagt Koretzky. Denn die Politiker wollen möglichst zügig das Ergebnis des Wettbewerbs zum Schlachthof haben. Denn so haben sie es beschlossen. Damit steckt die Verwaltung in einem Dilemma. Koretzky: „Es ist total vertrackt.“

Oder erst Roddenkoppel, dann Schlachhof?

Denn: Die Untersuchung des Areals Roddenkoppel und der Wettbewerb des Schlachthofes sind zwei sehr unterschiedliche Projekte. Nummer eins ist die Untersuchung der Roddenkoppel. Sie gibt einen großen Überblick, ist umfangreich, umfasst mehrere Gutachten – und dauert lange. Mindestens zwei bis drei Jahre oder noch länger.

„Das kann sich in die Länge ziehen“, warnt Koretzky. „Wir müssen alles mit Kiel abstimmen.“ Bei der Altstadt hat das Prozedere zehn Jahre gedauert. Projekt Nummer zwei ist der Wettbewerb zum Schlachthof. Er ist detailliert, konkret und legt genaue Nutzungen fest. Ein Wettbewerb dauert etwa ein Jahr.

Politiker sind unentschieden

Jetzt sollen die Politiker entscheiden. Doch die sind sich nicht einig. „Der Wettbewerb ist nichts wert, wenn wir erst danach das Gebiet untersuchen“, sagt SPD-Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell. „Dann haben wir möglicherweise einen Wettbewerb, der gegen die Untersuchung des Gebietes spricht“, stimmt Silke Mählenhoff (Grüne) zu.

Erst die Untersuchung der Roddenkoppel, dann der Wettbewerb Schlachthof, meint SPD-Mann Ulrich Pluschkell. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Anders sieht das Carl Howe (GAL): „Aber dann haben wir einen Zeitverlust.“ Daher will er erst einen Wettbewerb für den Schlachthof und dann eine Untersuchung für die Roddenkoppel. Denn: Dauert die Untersuchung der Roddenkoppel drei Jahre, würde ein Wettbewerb für den Schlachthof erst 2023 starten.

Entscheidung vertagt

Der Kompromiss: Die Baupolitiker vertagen die Entscheidung, in welcher Reihenfolge die Sache angegangen wird. Aber sie beschließen, dass das Areal rund um die Roddenkoppel Sanierungsgebiet werden soll. Die Bürgerschaft entscheidet am 28. März endgültig darüber.

Josephine von Zastrow

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